Guten Morgen Israel – Weinen oder Lachen

Warum müssen kleine Mädchen immer weinen?

Guten Morgen Israel – Weinen oder Lachen
Olivier Fitoussi/Flash90

Meine drei Töchter (3,4 und 6 Jahre alt) verdanken ihr Überleben einzig der Tatsache, dass sie so süß sind. Ihr ständiges Geheule und Gejammere macht mich total verrückt, aber wenn ich dann vor Wut zu explodieren drohe, schauen sie mich mit ihren großen braunen Augen ganz unschuldig und gleichzeitig schuldbewusst an, dass ich ihnen nicht mehr böse sein kann. Aber ich frage mich immer, warum sie mir nicht einfach ihr Problem beschreiben, sodass wir es dann zusammen lösen können.

So läuft es aber bei meinen Girlies nicht. Heute Morgen zeigte Racheli (4) auf die drei Schachteln Frühstücksmüsli im Regal und sprang aufgeregt auf und ab.

„Willst du die?“ Fragte ich und zeigte auf die Kokoman Zuckerbomben, die sie mag.

„Ahhh!“ Schrie sie einfach und warf sich auf den Boden.

„Die hier?“ Ich zeigte auf die andere Schachtel.

Racheli schaute nicht einmal auf und schrie noch lauter.

Langsam wurde ich nervös. „Willst du die Cornflakes mit Honig?“, fragte ich und zeigte auf die dritte Schachtel.

„Wähhh!!“ War die einzige Antwort, wobei sie anfing, um sich zu treten und fast einen Stuhl umwarf.

„Was willst du denn?!“ Schrie nun ich, weil ich ihr Gebrülle übertönen musste und auch weil ich mittlerweile ziemlich genervt war.

„Was ist denn hier los?“ Fragte nun auch meine Frau, als sie in die Küche kam.

„Braucht man einen Grund, um einen Wutanfall zu bekommen?“ Fragte ich zurück.

„Racheli ist wahrscheinlich noch müde, sie ist heute Nacht mehrmals aufgewacht,“ sagte meine Frau. „Bring sie doch kurz in ihr Bett zurück und wenn sie sich beruhigt, versuchen wir es noch einmal mit dem Frühstück.“

Ich hob Racheli an einem Arm und einem Bein hoch und schleppte sie in ihr Bett, während sie nur noch wimmerte und kraftlos an mir hing. Als sie im Bett lag, beugte ich mich noch einmal zu ihr herunter und sagte ihr sie soll zurück in die Küche kommen, wenn sie Hunger hat.

Ein uninteressierter, leidender Blick war ihre einzige Antwort.

Zurück in der Küche warteten noch zwei andere kleine Mädchen, die gefüttert werden mussten und natürlich ging es da auch nicht glatt.

Sarah (6) saß vor ihrem Teller mit Kokoman, aber beachtete ihn überhaupt nicht.

„Sarahle, iss doch bitte dein Frühstück,“ bat ich sie mit betont liebenswürdiger Stimme.

„Bäh!“

„Das ist doch dein Lieblingsmüsli, warum magst du ihn nicht mehr?“ Fragte ich verzweifelt.

„Will nicht!“ Antwortete Sarah, verschränkte ihre Arme vor der Brust und schob ihre Unterlippe heraus.

Ärger, Frust und vor allem Hilflosigkeit stiegen in mir auf. Wie kann man die kleinen Mädchen zum essen bewegen? (Wer gute Tipps hat, kann sie gerne in den Kommentaren beschreiben)

Die kleine Naomi (3) ist im Vergleich zu den anderen eine ziemlich gute Esserin und sie klatschte erfreut in die Hände als ich ihr Kokoman in die Schale schüttete. Sie isst sie nicht mit Milch, aber mit einem Löffel und dabei fällt ihr immer die Hälfte der kleinen Schokobällchen auf den Boden. Diese werden dann zertreten und kleben schön an den Fliesen, so dass man sie später mit einem Messer abkratzen muss.

Sarah schaute mich weiterhin kämpferisch an, aber ich hatte keine Kraft mehr, um mich mit ihr zu streiten. „Du musst etwas essen, bevor du das Haus verlässt,“ sagte ich und als hätte sie nur darauf gewartet, fing Sarah an zu weinen.

Nun kam endlich meine Frau in die Küche. Mit einem Blick erkannte sie die Lage sofort. „Pack die Kokoman in Sandwichtüten und wir nehmen sie mit ins Auto. Die Kinder können sie dann unterwegs essen,“ schlug sie vor.

Mir war es Recht, Hauptsache die kleinen Terroristen sind weg und ich höre ihr Geheule nicht mehr.

 

Zum Wochenabschnitt

Die Parallele meines Erlebnisses zum Wochenabschnitt der Torah ist ganz klar, denn mit dem Exodus aus Ägypten beginnt auch für Moses ein Leben voller nörgelnder Israelis. Während ihrer Zeit in der Wüste, beschweren sich die Israeliten, genauso wie meine kleinen Israelinnen zu Hause, dauernd über alles Mögliche und anstatt ihre Beschwerden vernünftig vorzutragen, nörgeln sie einfach nur herum und verdrehen sogar Tatsachen, die noch vor kurzem ganz anders waren: „Und sie sprachen zu Mose: Gibt es etwa keine Gräber in Ägypten, daß du uns weggeführt hast, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, daß du uns aus Ägypten herausgeführt hast? Haben wir dir nicht schon in Ägypten dieses Wort gesagt: »Laß uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen?« Denn es wäre für uns ja besser, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben!“ (2. Mose 14:11-12)

Was für eine Chutzpe! Gerade erst hat Moses sie aus der Sklaverei befreit und schon sehnen sie sich wieder nach Ägypten. Da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Sicher ist jedoch, dass Nörgeln unser biblisches Erbe ist und meine kleinen Mädchen haben es genauso im Blut, wie ihre Vorfahren, die aus Ägypten auszogen.

 

Und jetzt noch das Wetter für heute in Israel:

Vereinzelte Regenschauer im Norden und Zentrum des Landes mit einem deutlichen Rückgang der Temperaturen. Dabei weht ein starker Wind. Im Süden diesig. In der kommenden Nacht weitere Regenfälle und Gewitter. Es besteht die Gefahr von Blitzfluten in der Judäischen Wüste. In den höheren Lagen im Norden kann es zu Schneefall kommen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 14 Grad, Tel Aviv 17 Grad, Haifa 14 Grad, Tiberias am See Genezareth 18 Grad, am Toten Meer 21 Grad, Beersheva 17 Grad, Eilat am Roten Meer 23 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um weitere anderthalb Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei –210.15 m unter dem Meeresspiegel.

Im Namen der Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen ein angenehmes Wochenende und einen gesegneten Schabbat.

Schabbat Schalom!

Wollen Sie mehr Nachrichten aus Israel?
Kicken Sie hier für unseren täglichen freien Newsletter.

Kommentare: