Guten Morgen Israel – Verrückte Coronawelt

Der lange Lockdown macht uns langsam verrückt. Wir sollten versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Guten Morgen Israel –  Verrückte Coronawelt
Yonatan Sindel/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Irgendwie befinden wir uns in einer verrückten Zeit. Diese ewig langen Lockdowns haben uns verändert. Plötzlich sind wir erschüttert, wenn wir von einer Geburtstagsfeier in einer privaten Wohnung hören. Überhaupt die Tatsache, dass Meldungen wie diese als “Breaking News” an mein Handy geschickt werden, ist verrückt. Und noch verrückter ist es, dass wir tatsächlich erschüttert sind. Wir sind es nicht mehr gewohnt, eine Ansammlung von mehr als 10 Menschen zu sehen.  Täglich werden im Fernsehen neue Fälle von “Corona-Verbrechen” gezeigt. Da gibt es Hochzeiten, Parties mit Hunderten Teilnehmern im Wald oder eine Familienfeier, die dem Nachbarn nicht gefallen hat. In den Nachrichten sehen wir dann, wie die Polizei in die Wohnung eindringt und der Feier ein Ende bereitet. Mich hat das irgendwie an Operationen in arabischen Dörfern erinnert, wenn die israelische Armee auf der Suche nach Terroristen ist. Gut, vielleicht übertriebe ich ein wenig. Ja, ich übertreibe, aber mir kamen wirklich diese Gedanken, als ich Berichte wie diese im Fernsehen sah.

Die schlimmsten “Verbrecher” in unseren Augen sind zurzeit jene orthodoxen Gemeinschaften, die die Corona-Anweisung einfach ignorieren. Aber wir müssen versuchen, ihre Seite zu verstehen. Für sie steht die Thora an erster Stelle, im Studieren der Thora sehen sie den Schutz des gesamten Jüdischen Volkes. Das wird auch von ihnen auch immer gesagt, wenn es um die Frage geht, ob die orthodoxen Juden zum Armeedienst eingezogen werden sollen. Übrigens ist das ab heute möglich, denn die Gültigkeit des Gesetzes, dass ihnen eine Freistellung vom Armeedienst ermöglicht, wenn sie in einer Thoraschule studieren, ist heute abgelaufen. Der Staat hat sich, aus welchem Grund auch immer, nicht um die Verlängerung gekümmert. Aber das ist ein Thema für sich.

Heute wollte ich Ihnen erzählen, was gestern hier bei uns in den Schlagzeilen war. Fast den ganzen Tag wurden im Fernsehen Bilder einer Beerdigung eines bedeutenden Rabbiners gezeigt. Mehr als 10.000 orthodoxe Juden begleiteten den Rabbiner auf seinem letzten Weg. Dabei sind eigentlich nur Versammlungen von bis zu 10 Menschen erlaubt, Beerdigungen sollten nur im engsten Familienkreis abgehalten werden. Doch gestern sah es in Jerusalem so aus:

Abstand? Masken? Gestern in Jerusalem

Ein Journalist nannte diese Beerdigung “die Beerdigung des dritten Lockdowns”. Ein Arzt meinte, diese Ansammlung von tausenden Menschen würde mindestens weitere 100 Coronatote zur Folge haben.

Viele Israelis beschwerten sich, warum diese Beerdigung zugelassen wurde. Sie verstanden nicht, warum bei der wöchentlichen Demonstration vor dem Amtssitz von Ministerpräsident Netanjahu die Polizei mit Wasserwerfern gegen die Demonstranten vorging und hier einfach nur zuschaute. Im Fernsehen wurde gezeigt, dass an anderer Stelle die Einhaltung der Corona-Maßnahmen durchgesetzt werden. Während sich in Jerusalem mehr als 10.000 Menschen zum Teil ohne Masken versammelten, bemühte sich die Polizei in Tel Aviv darum, den Dizengoff-Platz freizuhalten.  Ich kann verstehen, dass das etwas eigenartig aussieht.

Die Polizei erklärte in Bezug auf die Beerdigung, dass sie bei einem Ereignis in dieser Größenordnung nicht eingreifen konnte. Das hätte zu einer Katastrophe mit zahlreichen Verletzten geführt. Die orthodoxen Teilnehmer an der Beerdigung erklärten zu ihrer Verteidigung, dass Demonstrationen ja auch in Coronazeiten erlaubt seien, daher wäre auch die Beerdigung in diesem Rahmen völlig in Ordnung. Gestern Abend gab es in Jerusalem eine weitere Beerdigung eines orthodoxen Rabbiners. Beide Rabbiner starben übrigens am Coronavirus.

Gut, wir müssen verstehen, dass die orthodoxen Gemeinschaften in einer ganz anderen Welt leben, die wir, die säkularen Bürger des Landes, nicht verstehen können. Ich mache mir Sorgen darüber, wie die Beziehungen zwischen uns nach Corona aussehen werden. Denn schon vor Corona war unsere Gesellschaft sehr gespalten.

Und wie geht es jetzt weiter? Der Lockdown wurde bis Freitagmorgen verlängert. Am Mittwoch wird sich die Regierung zu einer Lagebesprechung treffen. Auch der Flughafen wird für eine weitere Woche geschlossen bleiben. Viele Israelis stecken im Ausland fest. Und die privaten Geschäftsinhaber kämpfen weiter um ihr finanzielles Überleben.  Wie ich zu Beginn schon geschrieben habe, wir befinden uns in einer verrückten Zeit. Wir müssen versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Draußen wird es allerdings wärmer.

Das sonnige Wetter lud zu einem Spaziergang ein, Jerusalem gestern.

Das Wetter für heute in Israel

Sonnig mit einem deutlichen Anstieg der Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 18 Grad, Tel Aviv 24 Grad, Haifa 20 Grad, Tiberias am See Genezareth 23 Grad, am Toten Meer 24 Grad, Beersheva 24 Grad, Eilat am Roten Meer 29 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei – 209.655 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen nur noch 85,5 Zentimeter  bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Montag. Machen Sie das Beste aus dieser nicht einfachen Zeit und bleiben Sie gesund, damit wir uns vielleicht schon bald in Jerusalem sehen können.

 

Schalom aus Modiin!

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