Guten Morgen Israel – Schabbat oder Familie?

Der Schabbat ist für die Familie da. Aber was ist, wenn man mit dem Auto fahren muss, um sie zu sehen?

Guten Morgen Israel – Schabbat oder Familie?
Sraya Diamant/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Heute früh habe ich mich so richtig verkalkuliert, was das Wetter betrifft. Ich hatte mich zu sehr auf eine Vorhersage von gestern verlassen, wonach es wohl kalt werden sollte, die starken Regenfälle, die wir am Wochenende hatten, aber nachlassen sollten. Tja, das mit dem kalt werden stimmte, doch hatte es auch noch geregnet, als ich mich auf meinem Weg zum Bus machte. In Jerusalem angekommen, regnete es noch immer. „So was dummes“, dachte ich mir beim Aussteigen aus dem Bus, setzte mir meine Mütze auf und rannte zur Straßenbahn.

Ich bin relativ trocken in der Redaktion angekommen, die Temperaturen liegen jetzt beim Schreiben dieser Zeilen bei 3 Grad. Das ist relativ kalt für unsere Gegend. Doch in der Nacht zum Dienstag soll es noch viel kälter werden, bis zu minus 2 Grad hier in Jerusalem. Und sollte es dann noch bewölkt sein, könnten wir endlich ein paar Schneeflocken sehen.

 

Hier also erst einmal das Wetter für heute in Israel:

Meistens nur noch leichte Regenschauer im Zentrum und im Süden des Landes. In den hohen Lagen im Norden und Zentrum kann es ein paar Schneeflocken geben. Es wird kalt werden. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 7 Grad, Tel Aviv 14 Grad, Haifa 11 Grad, Tiberias am See Genezareth 14 Grad, am Toten Meer 15 Grad, Beersheva 12 Grad, Eilat am Roten Meer 18 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist am Wochenende um weitere 2,5 Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei –210.125 m unter dem Meeresspiegel.

Das Bild oben zeigt die Golanhöhen mit dem verschneiten Hermon-Berg im Hintergrund. Was für ein tolles Bild!

Fahren am Schabbat

Das Wochenende war wie gesagt verregnet. Aber daran haben wir uns in diesem Winter gewöhnt. Es ist ein außerordentlicher Winter. Als mein Sohn und seine Freundin schon aus Tel Aviv bei uns eingetroffen waren, um mit uns den Schabbat zu verbringen, rief mein Schwager an. Er lud uns zu sich sein. Auch seine beiden Töchter seien mit ihren Ehemännern und dem Baby da. Das war in der Tat ein Grund, die Pläne zu ändern und zuzusagen.

Mein Schwager wohnt in Rishon LeZion, gerade mal 20 Minuten mit dem Auto von Modiin entfernt. Als wir bei ihm eintrafen, nachdem ich nach etwas Suchen tatsächlich noch einen Parkplatz gefunden hatte (ja, auch dort gibt es Parkplatzmangel), war der Schabbattisch schon festlich gedeckt. „Da seid Ihr ja endlich“, begrüßte uns mein Schwager mit der Kipa auf dem Kopf und dem Kiddusch-Wein in der Hand. Zum ersten Mal seit langer Zeit saß die erweiterte Familie wieder an einem Tisch und empfing den Schabbat. Nach dem Segen auf den Wein und dem Brechen der Challah begannen wir mit dem Essen.

Man sagt ja, dass der Schabbat für die Familie da sei. Um diesen Schabbat mit der ganzen Familie verbringen zu können, mussten wir allerdings mit dem Auto fahren. Auch wenn ich mich nicht als religiös betrachte, musste ich darüber nachdenken. Wir fuhren nach Beginn des Schabbats mit dem Auto, um dann mit der Familie zusammen sein zu können und gemeinsam den Schabbat-Segen zu sprechen. Was die Rabbiner wohl dazu sagen würden.

Ich weiß, was sie sagen würden, aber ich denke, die Familie steht an erster Stelle und das Fahren mit dem Auto kann einfach nicht mehr als Arbeit bezeichnet werden. Sie sehen, der Konflikt um den Schabbat ist allgegenwärtig. Ohne den Schabbat hätten wir kaum die Gelegenheit, mit der ganzen erweiterten Familie zusammenzusitzen.

In Deutschland mussten wir damals am Schabbat mit dem Auto fahren, um überhaupt zur Synagoge kommen zu können. Besonders, als wir in meiner Heimatstadt Oldenburg noch keine eigene Synagoge hatten (mittlerweile hat sie eine sehr schöne Synagoge) und dann bis nach Hannover gefahren waren, um einmal an einem Gottesdienst teilnehmen zu können.

Wie auch immer, es war ein schöner Schabbat. Allerdings verabschiedete sich unser Sohn gestern wieder relativ früh von uns. Sie wissen schon warum, er wollte noch einen Parkplatz für das Auto ergattern.

Und nun wünsche ich Ihnen eine gute neue Woche und einen angenehmen Sonntag. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Jerusalem!

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