Guten Morgen Israel – Ein gespaltenes Volk

Vor 25 Jahren wurde Rabin ermordet, das Volk war gespalten, haben wir etwas aus der Zeit gelernt?

Guten Morgen Israel – Ein gespaltenes Volk
Nati Shohat/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Und wieder ist der da, der erste Schultag! Zwei Monate nach dem letzten ersten Schultag, nach den Sommerferien, herrscht heute wieder fast die gleiche Aufregung, jedenfalls bei den Schulkindern der ersten bis vierten Klasse und ihren Eltern, denn nur die Klassen 1 bis 4 sollen ab heute wieder in die Schule gehen, der Rest wird weiter von zu Hause aus per Zoom lernen.

Es ist also nur ein ganz kleiner Schritt zurück in die Routine. Früher habe ich das Normalität genannt, aber das ist es nicht. Neben der teilweisen Rückkehr in die Schule dürfen heute auch die Friseure und Kosmetiksalons wieder öffnen und Kunden empfangen. Aber nur jeweils einen Kunden.

Wer heute noch nicht öffnen darf, sind die Geschäfte an den Straßen, auch wenn sie es sich so sehr erhofft hatten, Sie müssen sich noch eine weitere Woche gedulden. Nicht einfach, in der vergangenen Woche gab es zu Teil sehr heftige Proteste der Ladeninhaber. Viele von ihnen stehen kurz vor dem finanziellen Ruin.

Ladeninhaber verbrennen ihre Waren auf der Straße in Tel Aviv.

Die Einkaufszentren werden allerdings weiterhin geschlossen bleiben, denn man möchte nach jeder Lockerung der Maßnehmen erst einmal sehen, was die Folgen sind. Man möchte nicht die Fehler von vor einem halben Jahr machen, als die Regierung dem Druck nicht standhielt und übereilt wieder alles öffnete. Das Ergebnis war der zweite Lockdown.

Das Wochenende haben wir trotz der wiedergewonnen Bewegungsfreiheit zu Hause verbracht. Wir waren wahrscheinlich zu viel innerhalb der Woche unterwegs, so dass wir das Wochenende in den eigenen vier Wänden sehr genossen haben. Wir sind gerne zu Hause, mit oder ohne Lockdown.

Haben wir in 25 Jahren etwas gelernt?

Wir haben uns anlässlich des 25. Jahrestages des Mordes an unseren ehemaligen Ministerpräsidenten Itzhak Rabin einen interessanten Film angeschaut. Er zeigte die Zeit vor dem Mord aus der Sicht des Mörders Igal Amir. Es wurde gezeigt, wie er immer mehr beeinflusst wurde, wie er in den Schriften und bei den Rabbinern die Bestätigung suchte, dass Rabin wegen der Osloer Abkommen ein sogenannter “Rodef” sei und nach dem jüdischen Gesetz, dem Din Rodef,  als jemand; der Juden und ihr Eigentum gefährdet den Tod verdiene.

Im Film wurden auch Bilder der damaligen Demonstrationen gegen Rabin und die Osloer Abkommen gezeigt, auch Reden von Rabin waren mit dabei. Igal Amir war am Ende davon überzeugt, dass der Din Rodef auf Rabin anzuwenden sei. Der Film endet mit den Schüssen auf Itzhak Rabin, die unser Land für immer verändert haben.

Auf dem Rabin Platz wurden 25000 Kerzen angezündet zur Erinnerung an den Mord an Itzhak Rabin vor 25 Jahren

Ich kann mich noch ganz genau an diesen Abend des 4. Novembers 1995 erinnern. An den Moment wo der Spielfilm “Crocodile Dundee 2” (ich werde diesen Film nie vergessen) plötzlich unterbrochen wurde, um von den Schüssen auf Rabin zu berichten. Wir waren geschockt  und blieben bis spät in die Nacht wach. Als ich dann am Morgen zur Arbeit fuhr, spürte ich, dass alle schockiert waren, ich konnte es in den Gesichtern der Menschen sehen.

Das Volk war damals gespalten in Links und Rechts. Haben wir in den vergangen 25 Jahren etwas daraus gelernt? Leider gibt es auch heute eine Spaltung unter uns. Wieder gehen die Menschen auf die Straßen und protestieren. Gestern Abend konnte ich auch hier in Modiin die Rufe der Demonstranten hören. “Bibi geh nach Hause” wurde dort geschrien. Die Schreie wurden mit Autogehupe unterstützt. Dann fuhr vor unserem Haus eine ganze Autokolonne mit Fahnen vorbei. Sie war auf dem Weg nach Jerusalem, um dort an der Demonstration gegen Netanjahu in der Balfour Strasse teilzunehmen, wie jeden Samstagabend.

Aber vielleicht darf man die Situation heute nicht mit der von damals vor 25 Jahren vergleichen. Aber die Spaltung im Volk ist auch jetzt zu spüren, und auch ein regelrechter Hass gegenüber Netanjahu.

Protest gegen Netanjahu, gestern Abend in Jerusalem.

Wir befinden uns in einer schweren Zeit, in der kein Platz für den Hass sein sollte. Ich hoffe sehr, dass wir nicht erst eine Katastrophe oder einen Krieg benötigen, um wieder ein geeintes Volk zu sein. Eigentlich ist die Coronakrise doch schon schlimm genug, oder?

Und nun zu einem viel schönerem Thema, das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Endlich merkt man, dass wir Herbst haben. Heute soll es teilweise bis vollständig bedeckt sein und deutlich kühler. Am Nachmmittag kan es zu vereinzelten Regeschauern mit Gewittern kommen, die sich am Abend auf das genze Land ausbreiten können. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 23 Grad, Tel Aviv 26 Grad, Haifa 24 Grad, Tiberias am See Genezareth 29 Grad, am Toten Meer 30 Grad, Beersheva 27 Grad, Eilat am Roten Meer 30 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist am Wochenende um einen weiteren  Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei  – 209.975 m unter dem Meeresspiegel angegeben. Es fehlen 117,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Sonntag. Bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Modiin!

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