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Gedanken zum Schabbat

Der Korridor in der Wüste zwischen Ägypten und Kanaan war für das Volk Israel notwendig. In beiden Ländern herrschten heidnische Kulturen und Gebräuche, nicht aber in der Wüste. Als Gott die Kinder Israels zu einem Volk formte, beauftragte Er Mose, eine Armee zu mobilisieren. Und die Leviten? Waren sie wirklich (anders als die übrigen Stämme) von einer Wehrpflicht freigesprochen, so wie es die orthodoxen Jeschiwa-Schüler in unseren Tagen immer wieder darstellen, die sich als die neuen Leviten ausgeben?

Israel

Wochenlesung – בְּמִדְבַּר – BaMidbar – In der Wüste ; 4.Mose 1,1 – 4,20 ; Hosea 2,1 – 22

 


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

„Im Lande Israel entstand das jüdische Volk. Hier prägte sich sein geistliches, religiöses und politisches Wesen. Hier lebte es frei und unabhängig, hier schuf es eine nationale und universelle Kultur und schenkte der Welt das Ewige Buch der Bücher – die Bibel“. Seit 76 Jahren begehen wir mit diesem Text einen sachlichen Fehler, wenn wir die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel lesen. Es handelt sich um einen historischen Fehler, denn das jüdische Volk Israel entstand nicht im Land, sondern in der Wüste. In der Wüste erhielte das Volk die Gesetzgebung Thora, dort pflanzte der Weltschöpfer die ewigen Werte in uns ein und in der Wüste wurden unsere Vorfahren vierzig Jahre lang trotz aller Schwierigkeiten erzogen, um würdig zu sein, das Gelobte Land Israel zu erben. Und so fängt die erste Parascha in 4.Mose mit „in der Wüste“ an: „Und der HERR redete mit Mose in der Wüste (במדבר) Sinai in der Stiftshütte am ersten Tag des zweiten Monats im zweiten Jahr, nachdem sie aus dem Lande Ägypten gezogen waren“. So heißt das gesamte Buch „In der Wüste“ – BaMidbar.

Warum musste der Prozess, ein Volk zu bilden, ausgerechnet in der Wüste stattfinden und nicht im Land, dort in der neuen Heimat? Die Wüste ist keine Heimat, sie ist nicht mehr als ein Korridor. Was im Gelobten Land nicht nötig war, soll in der Wüste bleiben. Ägypten war in seiner entwickelten Kultur ein Großreich, obwohl es ein Sklavenstaat war. Es war eine Weltmacht, nicht nur aufgrund seiner militärischen Macht, sondern auch aufgrund seines Reichtums an Poesie und Literatur. Eine heidnische Kultur mit all ihren Auswirkungen auf das Böse, die Grausamkeit, die Unzucht und das Streben nach Materialismus. Dies beeinflusste auch die Sklaven und Gottes Volk. Die unreinen Werte sollten in der Wüste im Korridor ins Gelobte austrocknen.

Und Kanaan, das Gelobte Land war Tacheles nicht besser als Ägypten. Auch in Kanaan blühte eine heidnische Kultur, die von Sünde durchdrungen war und eine geistliche Gefahr für das Sklavenvolk in Ägypten bedeutete. Welche mentalen Werkzeuge hatten die Menschen, um alles, was sie in Ägypten erlitten hatten, zu vergessen und mit reinem Herzen und geistlicher Kraft in das Land Kanaan einzudringen und dort feindliche und geistliche Bakterien auszurotten?

Die Wüste war die Lösung dazu. Ein Ort, der unbewohnt und nicht von heidnischen und menschlichen Krankheiten verseucht war. Es waren vierzig Jahre ohne jeglichen Kontakt mit anderen Kulturen. Von Horizont zu Horizont nur Sand, Berge und Nichts. Kein Haus, keine Menschen, keine geformten Lebensstile, sondern eine Wüste frei von jeglichem Fremdeinfluss. Es war Neuland, auf dem neue und reine Werte gesät und in Reinheit geerntet werden konnten.

Nur so wurde der ägyptische Einfluss aus ihren Herzen entwurzelt und nur so waren sie bereit, sich im geistlichen Kampf angesichts der Gefahren in Kanaan zu stärken, dem sie mutig in der Wüste entgegenmarschierten. Dort in der Wüste kreierte Gott das Volk Israel, nicht mit der Staatsgründung Israels im Jahr 1948, der israelischen Nation.

Zwei Jahre nach dem Auszug aus Ägypten hat Gott Mose in der Wüste beauftragt, eine Armee aufzubauen. Dafür soll Mose die gesamte Gemeinde und Kinder Israels zählen, „gemäß ihren Geschlechtern und ihren Vaterhäusern, nach der Zahl der Namen, alles, was männlich ist, Kopf für Kopf. Von zwanzig Jahren an und darüber, alle wehrpflichtigen Männer in Israel (כָּל-יֹצֵא צָבָא בְּיִשְׂרָאֵל) und zählet sie nach ihren Heerhaufen, du und Aaron.“

Alle tauglichen Männer für den Armeedienst mussten in der Wüste gezählt werden. Neben dem geistlichen und gesellschaftlichen Prozess, den es benötigte, um ein Volk zu formen, musste Mose auch eine Streitmacht mobil machen. Der Stamm Ruben mobilisierte dafür 46.500 Soldaten und Reservisten. Der Stamm Simeon 59.300, der Stamm Gad 45.650, der Stamm Juda 74.600, der Stamm Issaschar 54.400, der Stamm Sebulon 57.400, Josefs Nachkommen, der Stamm Ephraim 40.500 und der Stamm Manasse 32.200, der Stamm Benjamin 35.400, der Stamm Dan 62.700, der Stamm Asser 41.500 sowie der Stamm Naftali 53.400. Insgesamt zählte Moses IDF in der Wüste 603.550 Soldaten und Reservisten.

Wer nicht mit in die Wehrpflicht einbezogen wurde, war der Stamm Levi. Die Leviten sollten Gott in der Stiftshütte dienen. Die Leviten mussten die Stiftshütte von Platz zu Platz tragen. „Sie sollen die Wohnung tragen samt allen ihren Geräten und sollen sie bedienen und sich um die Stiftshütte her lagern.“ Und diese Leviten in der Bibel bilden heute die Grundlage der biblischen Ausreden, derer sich die orthodoxen Jeschiwa-Schüler bedienen, die keine Wehrpflicht leisten, wie ihre Geschwister im Volk. Aber das stimmt nicht so richtig. In der Bibel haben die Leviten an den Kämpfen teilgenommen, nicht wie die orthodoxen Jeschiwa-Schüler in unseren Tagen.

Im Gegenteil, die Leviten widmeten sich öffentlichen Angelegenheiten und engagierten sich dafür. In normalen Zeiten bestand ihre Aufgabe darin, zu den Menschen zu gehen und die Thora zu lehren und wie als Polizisten im Volk zu funktionieren, die für Recht und Ordnung unter den Menschen im Volk sorgten. In Kriegszeiten bestand ihre Aufgabe darin, den Geist der Krieger, wie des Militärrabbinats und des Bildungskorps, zu stärken und als Militärpolizei zu dienen, die die Wehrpflichtgesetze im gesamten Land durchsetzte und Deserteure, die vom Schlachtfeld flohen, als solche hart zu bestrafen.

Die Leviten beschützten auch die Bundeslade, die mit den Soldaten in den Krieg zog und das Oberkommando, das immer in der Nähe der Bundeslade war, also wie Spezialkräfte und eine Elite, wie Sayeret Matkal. Und diejenigen, die keine Aufgabe hatten, gehörten zu den Ersten, die mit den übrigen Soldaten in den Kampf zogen, so wie es sich für hochrangige Beamte gehört.

„Und die Leviten sind Polizisten (וְשֹׁטְרִ֥ים הַלְוִיִּ֖ם), stark und machten, was gut vor dem Herrn ist“. (2.Chronik 19,11) In Kriegen zogen die Leviten mit den Soldaten in den Krieg und ermutigten die Kämpfer, unter anderem mit dem Trompetenblasen (4.Mose 10,8-9). Zur gleichen Zeit, als die Krieger in die Schlacht zogen, standen Leviten und sangen und beteten für die Kämpfer (2.Chronik 20,19-22). Als das Heer der zwölf Stämme Israels König David in Hebron krönte, kamen auch 4.600 Soldaten der Leviten (1.Chronik 12,26).

Also mit anderen Worten, die Leviten haben an den Kriegen teilgenommen und sich nicht mit der Volksführung im Volk auseinandergesetzt, so wie es in unserer Zeit im Land zu sehen ist. Die Leviten hatten ihre einzigartige Aufgabe im Volk, ob im Haus Gottes, im Volk und sogar in den Kriegen. Aus diesem Grund schlägt man den orthodoxen Jeschiwa-Schülern einen nationalen Dienst vor, um damit etwas zum Volk beizutragen, so wie es die Leviten gemacht haben.

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Patrick Callahan

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