Doppelschlag

Pessach ist mit Abstand der anstrengendste Feiertag des Judentums und dieses Jahr kommt es gleich nach dem Schabbat.

Doppelschlag
David Cohen/Flash90

Bild: Orthodoxe jüdische Männer tauchen Kochgeschirr in heißes Wasser, um alle Spuren von Sauerteig zu beseitigen, als Vorbereitung auf Pessach

Guten Morgen liebe Leser!

Michael und Kinder

Jüdische Feiertage sind meist sehr schön, freudig, tiefsinnig, aber auch sehr anstrengend. Lange Gebete, gefolgt von einem langen Festmahl, vorher kochen, putzen, Kinder duschen und vieles mehr. Pessach ist jedoch noch weitaus anstrengender, da man seine gesamte Wohnung vorher sehr gründlich reinigen muss. Dann müssen noch bestimmte Gerichte vorbereitet werden, die in der Passach-Haggada, sozusagen der Betriebsanleitung des Feiertags, beschrieben werden. Die Haggada gibt auch den Ablauf des Festmahls vor und der dauert deswegen mindestens zwei Stunden, aber nur wenn man sich wirklich sehr beeilt. Zum Mahl gehört auch, dass man vier Becher Wein trinkt, was für mich nicht einfach ist, aber man darf auch Traubensaft nehmen. Ich trinke meist die ersten zwei Becher mit Wein und gehe dann zum Saft über, damit ich nicht am Tisch einschlafe. Das Einschlafen am Pessachtisch kann durchaus vorkommen, denn man hat vorher tagelang die Wohnung geschrubbt und bis zur letzten Sekunde alles vorbereitet. Oft sitzen die Eltern völlig am Ende ihrer Kräfte am Pessachtisch und versuchen, um der Kinder willen fröhlich zu wirken und eine Pessach-Show zu veranstalten.

Die Kinder hingegen haben großen Spaß an den ganzen symbolischen Aktivitäten, die Pessach ausmachen. Mal wird etwas auf bestimmte Weise gegessen, mal taucht man seinen kleinen Finger in sein Wein/Saftglas und tropft zehn Tropfen auf seinen Teller, mal wird gesungen, mal etwas versteckt und so weiter. Da sich das alles manchmal bis tief in die Abendstunden hinein zieht, sind die Kinder natürlich müde und quengelig, aber sie wollen nichts verpassen und sie verhalten sich dann so wie es hungrige, müde Kinder tun. Das wirkliche Essen des Pessachmahls beginnt nämlich erst ziemlich spät, nachdem man schon weit in der Haggada fortgeschritten ist. Zur allgemeinen Müdigkeit kommt also noch der Hunger.

Vor dem Essen muss erst einmal die Haggada gelesen werden

Sie sehen, es ist alles ziemlich anstrengend zu Pessach, das in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt. Das bedeutet, Pessach beginnt am Samstagabend, wenn der Schabbat zu Ende ist. Hatte ich Ihnen schon erzählt, dass der Schabbat ziemlich anstrengend ist? Er ist wie Pessach, nur etwas kleiner. Man kann zwar essen was man will, aber man muss auch kochen, putzen, Kinder duschen und so weiter. Am Schabbat vor Pessach muss die Wohnung also schon bereit für Pessach sein, da man am Schabbat keine Vorbereitungen treffen kann, inklusive kochen. Am Freitag kochen wir also für den Abend und für den Samstag und auch noch für den Sonntag, inklusive der besonderen Gerichte für Pessach. Ich komme schon beim Beschreiben dieser Dinge ins Schwitzen.

All das hat natürlich göttlichen Ursprung und basiert nicht auf Sadismus des Erfinders, sondern hat tiefe spirituelle Gründe. Erstens ist Anstrengung nicht unbedingt etwas Schlechtes, alles Gute erfordert Anstrengung, habe ich mal auf Facebook gelesen (muss also stimmen). Zweitens hatte ich letzte Woche angedeutet, dass man auf diese Weise nicht nur theoretisch etwas über die Befreiung aus Ägypten erfährt, sondern sie nach all der Arbeit und der darauf folgenden Ruhe ein Stück selbst erlebt. Auch wirkt die Symbolik in all den Aktivitäten auf unterbewusste Weise auf die gesamte Familie, das Pessachmahl ist ein Erlebnis, das sich tief in das Wesen des Menschen eingräbt. Die Anstrengung ist ein wichtiger Teil des Erlebens, genauso wie sich ein Bergsteiger nicht beschweren wird, dass es so anstrengend ist, diesen hohen Berg zu besteigen, es geht ihm sogar eher um die Besteigung als darum, auf der Bergspitze herumzustehen. Jüdische Feiertage sind sozusagen spirituelle Berge, deren Besteigung physische Anstrengung erfordert. Und jetzt das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt bis bewölkt mit vereinzelten Regenschauern im Norden und Zentrum des Landes. Es bleibt für die Jahreszeit zu kühl. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 11 Grad, Tel Aviv 16 Grad, Haifa 13 Grad, Tiberias am See Genezareth 17 Grad, am Toten Meer 21 Grad, Beersheva 15 Grad, Eilat am Roten Meer 24 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben Zentimeter gestiegen und liegt jetzt  bei – 209,185 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen nur noch 38,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Und nun wünsche ich Ihnen im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute ein wunderbares Wochenende einen gesegneten Schabbat und ein frohes Pessach Fest. Wir werden ab Montag wieder für Sie da sein. Machen Sie es gut.

 

Schabbat Schalom und Chag Pessach Sameach aus Bet Schemesch!

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