Themen: Guten Morgen

Guten Morgen Israel – Ein ganz „normaler“ Tag

Erledigungen am Telefon ließen keine Zeit, an Corona zu denken.

Polizistinnen
Yonatan Sindel/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Seit langer Zeit ist es mir gestern gelungen, einmal nicht ständig an Corona zu denken. Ich hatte viel zu viel tun, um mich dafür zu interessieren. An „normalen“ Coronatagen hatte ich mich immer als Erstes über die neuesten Zahlen informiert, wie viele Neuinfizierungen, wie viele Schwerkranke und, leider, wie viele weitere durch das Virus verstorbene.

Gestern war mir das alles egal. Ich hatte zu viel „um die Ohren“, um mich damit zu befassen. Gestern war ein sogenannter Tag der Besorgungen, „Sidurim“ nennen wir das auf Hebräisch. Diese Erledigungen sind normalerweise mit Gängen zu Behörden oder Banken verbunden, doch das blieb mir ja wegen Corona (oder dank Corona) erspart. Dafür hing ich gestern allerdings stundenlang am Hörer. Ich erinnere mich nicht, wann ich das letzte Mal so viel telefoniert hatte.

Seit einigen Tagen versuchte ich, etwas mit meiner Bank zu besprechen, bei der ich die Hypothek auf meiner Wohnung habe. Ich musste noch irgendein Dokument nachreichen, was damals, als wir unsere Wohnung gekauft hatten, aus welchen Gründen auch immer versäumt wurde. In der Corona-Ära kann man nicht einfach so zur Bank gehen, eine Nummer ziehen und warten, bedient zu werden. Heute muss man sich zuvor telefonisch mit der Bank in Verbindung setzen. Und das war eine fast unmögliche Aufgabe. Mehrere Tage hatte ich schon versucht, einen Mitarbeiter der Bank an den Hörer zu bekommen. Doch nach einer Wartezeit von fast 30 Minuten wurde das Gespräch unterbrochen und meine Nerven waren am Ende.

Gestern habe ich es dann noch einmal versucht, ich hatte keine Wahl, die Unterlagen, die ich endlich besorgt hatte, mussten bestätigt werden. So rief ich um eine Minute vor 8 Uhr die Bank an und nahm mir vor, durchzuhalten, egal wie lange es dauern würde. Eine automatische Stimme wies mich darauf hin, dass die Wartezeiten wegen der momentanen Lage länger als normal seien, mir war es egal. Ich legte das Telefon mit angeschalteten Lautsprecher neben mein Laptop und arbeitete dann an der Webseite von Israel Heute.

„Bank … guten Morgen, wie kann ich Ihnen behilflich sein?, schallte es plötzlich aus dem Hörer, als ich es schon gar nicht mehr erwartet hatte. Ich war mitten im Schreiben auf unserer Webseite und hätte fast vergessen, warum ich die Bank überhaupt angerufen hatte. Ich war so aufgeregt, endlich jemanden an die Leitung bekommen zu haben. „Sie wissen gar nicht, wie glücklich ich gerade bin“, waren meine ersten Worte. Ich konnte meine Freude nicht verkneifen, dass die Tage des Wartens endlich vorbei sind.

Dann ging alles sehr schnell und ich musste sogar noch nicht mal einen Termin vereinbaren, ich brauche in einer Woche nur kurz zu einer Filiale meiner Wahl kommen und ein Dokument in Empfang nehmen.

Alltag in Jerusalem

Gegen Mittag bekam ich dann einen Anruf einer Versicherungsgesellschaft. Das passiert, wenn man sich für eine neue Versicherung entschließt, man wird nicht mehr losgelassen, bis man sich für eine Gesellschaft entscheidet. Es ging um eine Versicherung für unsere Wohnung, die ich wechseln wollte, um etwas Geld zu sparen. Ich hatte das immer vor mich hergeschoben, da ich wusste, was mich erwartet, wenn ich beginne, mich bei den verschiedenen Versicherungsgesellschaften für eine Versicherung zu interessieren. Das Telefon klingelt dann ständig, man hat gar keine Zeit mehr, an Corona zu denken. Und da der Tag gestern schon so erfolgreich begonnen hatte, wollte ich auch diese Geschichte endlich beenden. Nach etwa vier nicht kurzen Telefongesprächen mit einem Mitarbeiter der Versicherung war die neue Versicherung dann unter Dach und Fach und tatsächlich etwas billiger als die, die ich bis jetzt hatte. Bei der Verhandlung um den Preis fühlte ich mich wie auf dem Schuk. Ich kenne die Tricks der Versicherungsvertreter und hielt mich nicht zurück. Alle Mittel sind erlaubt. „Ich kenne eure Tricks“, sagte ich einfach so dem Mitarbeiter. Wir waren mittlerweile schon fast enge Freunde geworden. Er kannte ja meine ganze Gesundheitsgeschichte und meinen Beruf. Am Ende bat ich darum, meinen Sohn mit ins Gespräch zu holen, um endlich zu einer Entscheidung zu kommen. Nach weiteren 20 Schekeln Rabatt und der Garantie, immer 5 % billiger als die weiteren Angebote, die ich noch von anderen Gesellschaften erwarte, zu sein, war die Verhandlung beendet und die neue Versicherung abgeschlossen.

Ein erfolgreicher Tag also, aber auch ein sehr anstrengender. Ich bin froh, dass das Wochenende schon in greifbarer Nähe ist.

Heute Nachmittag muss ich allerdings noch mit meiner Tochter zu ihrer Bank. Sie hat einen Termin, den wir vor sage und schreibe zwei Wochen bekommen hatten, unglaublich eigentlich.

Und jetzt zurück zum Alltag.

Alltag in Tel Aviv

 

Das Wetter für heute in Israel

Es ist Sommer. Heiß und trocken im Landesinneren und in den Bergen, schwül an der Küste. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 34 Grad, Tel Aviv 31 Grad, Haifa 29 Grad, Tiberias am See Genezareth 39 Grad, am Toten Meer 40 Grad, Beersheva 37 Grad, Eilat am Roten Meer 43 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.36 m unter dem Meeresspiegel, es fehlen 56 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Und nun wünsche ich Ihnen im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute einen angenehmen Mittwoch. Bald ist Wochenende. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!