Die Tragödie in Galiläa

Die fröhliche Feier zu Lag BaOmer verwandelte sich in eine Katastrophe

von Aviel Schneider |
Israeli rescue forces and police at the scene after a mass fatality scene during the celebrations of the Jewish holiday of Lag Baomer on Mt. Meron, in northern Israel on April 30, 2021. Photo by David Cohen/Flash90 *** Local Caption *** ל"ג בעומר לג בעומר אסון קריסה במה מתים אנשים חסידים חרדים חג הר מרון הר מירון Foto: David Cohen/Flash90

45 Tote und 150 Verletzte. Die Lag BaOmer Feierlichkeiten auf dem Berg Meron verwandelten sich in eine Katastrophe, vielleicht zu einer der größten in der Geschichte Israels. Das Drama begann kurz nach Mitternacht, als bei einem Panikausbruch etliche Menschen in einer Menge auf einer Treppe ausrutschten und von der Masse zu Tode getreten wurden.

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin tweetete, dass er für die Heilung der Verletzten betet. Regierungschef Benjamin Netanjahu zeigte sich über das schwere Unglück bestürzt und versprach den Rettungskräften die volle Unterstützung. Für Jamina Parteichef Naftali Bennett sprach von der größten Katastrophe in Israels Staatsgeschichte. „Vater unser, der Du bist im Himmel, sende volle Genesung an die Kranken deines Volkes und stärkte die Hände der Sicherheits- und Rettungskräfte“, betete Bennett. Auch die Versammlung der katholischen Kirche im Heiligen Land sprach ihr Beileid zum Tod von 44 Juden aus. „Die Kirche umarmt die Familienangehörigen der Opfer und betet für die Genesung der Verletzten.“ 

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besuchte den Ort der Tragödie

Ein Sanitäter des Rettungsdienstes Zaka erzählte dem israelischen Rundfunk von einem Chaos auf dem Berg herrscht und von vielen Kindern, von ihren Eltern getrennt worden seien. „Ich arbeite seit Jahren beim Rettungsdienst, aber so etwas Schreckliches habe ich bisher noch nie gesehen“, sagte der Sanitäter. „Es war anfänglich einfach unmöglich, den Menschen in der Masse zu helfen.“

Israels Tageszeitung Maariv: „Das ist eine nationale Tragödie. Menschen sind gekommen, um zu feiern und kehren nun in weißen Leichensäcken nach Hause“

Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Auch Soldaten waren im Einsatz, darunter Israels Eliteeinheit 669. Berichten zufolge weigerten sich jedoch Hunderte Gläubige, den Berg zu verlassen, weil sie beten wollten. Dazu gab es Probleme mit dem Handyempfang, viele verzweifelte Menschen konnten Angehörige in Meron telefonisch nicht erreichen. Es herrschte Chaos.

Im vergangenen Jahr wurden die Feiern wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt, aber da Israel die Pandemie Gefahr überwunden hat, wurden die Regeln für Massenveranstaltung sehr gelockert.

Hunderttausende orthodoxe Juden haben an der sogenannten Hillula auf dem Berg Meron in Galiläa teilgenommen. Am Lag BaOmer (33. Tag zwischen Pessach und Schavuot/Pfingsten) wird zusammen ein Feuer angezündet. Mit oder ohne Schutzmasken war es in diesem Jahr wieder möglich, das wohl größte jüdische Wallfahrtsfest zu feiern, als ob es im Land niemals eine Pandemie gegeben hätte.

Sämtliche Sicherheitsvorkehrungen waren mit der Polizei abgestimmt. 5.000 Polizisten waren im Einsatz. Aber obwohl die Teilnehmerzahl auf 10.000 begrenzt war, waren mehr als hunderttausend strenggläubige Juden angereist.

In unserer Telegram-Gruppe Israel Heute meldeten wir gestern Nacht über die Feierlichkeiten auf dem Berg und haben unsere Mitglieder live zum Wallfahrtsort auf dem Berg Meron via YouTube verbunden. Videos aus den sozialen Netzwerken sind in unserer Telegram-Gruppe zu sehen. Wer hätte jemals gedacht, dass wenige Stunden später eine Katastrophe auf dem Berg ausbrechen wird. 

In den Morgenstunden wurden erste Vorwürfe gegen die Polizei laut, diese schiebt die Verantwortung auf die israelischen Politiker, die solche Massenversammlungen an einer kleinen Grabstätte auf dem Berg über Jahre hinweg immer wieder erlaubt hatten, hauptsächlich unter Druck der orthodoxen Parteien, die darauf bestehen, dieses Feuerfest an der Grabstätte von Rabbi Schimon Bar Yochai ohne Einschränkungen zu feiern.

Rabbiner Shimon Bar Yochai, der im zweiten Jahrhundert gelebt hat, soll an diesem Tag geboren und gestorben sein. Auch eine Pandemie soll an diesem Tage zuende gegangen sein. Ein wichtiger Tag also für gläubige Juden, der am Grab des Rabbiners ausgelassen gefeiert wird. Diese Rabbiner hat im Jahr 132 an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter den jüdischen Führer Bar Kochba teilgenommen. f

Zur Erinnerung: Im Jahr 1995 sind in Arad in der Wüste bei einem Rockfestival drei Menschen während eines Panikausbruches  ums Leben gekommen. Seitdem wurde das jährliche Rockfestival wegen der Katastrophe abgesagt. Ob nun das orthodoxe Feuerfestival in Galiläa wegen der 44 Toten abgesagt werden wird, wird im Land sehr bezweifelt. Über Jahre hinweg warnen Israels Behörden, dass solche Massenveranstaltungen, an denen jährlich Hunderttausende Menschen teilnehmen, eine Lebensgefahr darstellt. Der Berg, die Grabstätte und die gesamte Infrastruktur in der Umgebung sind dafür nicht geeignet. Aber diese Warnungen wurden meistens ignoriert und von orthodoxen Führern mit der Behauptung abgelehnt, dass sie einen antireligiösen Hintergrund hätten und die Regierung übertreibe.

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