Naher Osten

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Der Islam – eine Kritik von innen

In einem Gespräch mit dem Nahostexperten und Israel-Heute-Korrespondenten Edi Cohen schildert Dr. Muhammad Rahouma, heute ein gläubiger Christ, seinen Bruch mit dem Islam, seine Sicht auf Europa und seine Haltung zu Israel.

Dr. Muhammad Rahouma, heute ein gläubiger Christ, war Teil des islamischen Establishments in Ägypten. Als Dekan einer der Al-Azhar-Universität nahestehenden Fakultät für Arabistik und Islamwissenschaft bildete er über Jahre hinweg Imame, Scheichs und Religionslehrer aus. Heute lebt er in den USA, ist christlicher Prediger und ein scharfer Kritiker des politischen Islam. In dem Gespräch geht es um seine persönliche Glaubenswende, um theologische Grundlagen von Gewalt, um Migration und Angst in Europa sowie um seine Wertschätzung für Israel.

Hinweis der Redaktion: Die folgenden Einschätzungen geben die persönlichen Ansichten des Gesprächspartners wieder.

Dr. Muhammad Rahouma spricht nicht als Außenstehender. Seine Kritik am Islam speist sich aus jahrzehntelanger Nähe zu dessen religiösem und akademischem Kern. Über Jahre hinweg leitete er in Ägypten eine Fakultät für Arabistik und Islamwissenschaft, die akademisch der Al-Azhar-Universität zugeordnet war – jener Institution, die weltweit als maßgebliche Autorität des sunnitischen Islams gilt. Unter seiner Verantwortung wurden jährlich rund tausend Absolventen ausgebildet, darunter Imame, Scheichs sowie Lehrer für Arabisch und islamische Religionskunde.

Gerade diese Tätigkeit führte bei Rahouma zu einer tiefen inneren Krise. Er schildert, wie er bei vielen seiner Studenten einen grundlegenden Widerspruch zwischen religiösem Anspruch und moralischer Praxis wahrnahm. Nach seiner Darstellung begegneten ihm systematische Doppelstandards, Gewaltbereitschaft, Machtmissbrauch sowie eine ausgeprägte Geringschätzung gegenüber Frauen. Besonders erschütternd sei für ihn gewesen, dass solches Verhalten nicht als Fehlentwicklung galt, sondern religiös legitimiert wurde.

Diese Erfahrungen veranlassten Rahouma, den Islam erneut und grundlegend zu studieren. Er begann, Koran und Sunna nicht mehr apologetisch, sondern kritisch zu lesen, um – wie er es formuliert – die theologischen Wurzeln jener Gewalt zu verstehen, die ihm im Alltag begegnete. Parallel dazu suchte er den Austausch mit christlichen Priestern und Theologen, die er als glaubwürdig und intellektuell redlich beschreibt. Dieser Prozess mündete schließlich in einem radikalen Bruch: Während eines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten konvertierte Rahouma zum Christentum und ließ sich taufen.

Dabei betont er ausdrücklich, dass dieser Schritt aus seiner Sicht weder opportunistisch noch von äußeren Vorteilen motiviert gewesen sei. Um sich selbst darüber Rechenschaft abzulegen, kehrte er nach seiner Konversion zunächst nach Ägypten zurück. Erst später setzte er seine akademische Laufbahn in den USA fort, unter anderem als Professor und Gastdozent an der Cornell University, und arbeitete zeitweise mit Institutionen wie dem US-Außenministerium zusammen.

Heute tritt Rahouma vor allem als Prediger und Kommentator auf digitalen Plattformen auf. In seinen Beiträgen beschäftigt er sich mit Islamkritik, religiösem Extremismus und den gesellschaftlichen Folgen islamischer Ideologie, insbesondere in Europa. Eine seiner zentralen Thesen lautet, dass das Bild eines unaufhaltsam wachsenden und dominanten Islams im Westen irreführend sei. Nach seiner Darstellung würden weltweit täglich sehr viele Menschen den Islam verlassen, während Konversionen zum Christentum stark zunähmen – ein Prozess, der seiner Ansicht nach in westlichen Medien kaum thematisiert werde.

Besonders deutlich äußert sich Rahouma zur Situation in Europa. Er unterscheidet dabei zwischen kulturell oder nominell muslimischen Menschen, die ihren Glauben privat leben oder kaum religiös praktizieren, und solchen, die den Islam streng praktizieren, regelmäßig Moscheen besuchen und sich intensiv mit Koran und Sunna befassen. Letztere, so seine Einschätzung, seien besonders anfällig für Radikalisierung. Terrorismus sei aus seiner Sicht kein Missbrauch des Islam, sondern eine Folge konsequenter religiöser Praxis, da zentrale Texte Gewalt, Abgrenzung und Überlegenheit religiös legitimierten.

Gleichzeitig stellt Rahouma klar, dass er die Mehrheit der Muslime nicht als Terroristen betrachtet. Viele wollten schlicht leben, arbeiten und in Frieden existieren. Gerade diese Menschen begännen jedoch, sich zunehmend vom religiösen Establishment und von politischen Ansprüchen im Namen des Islam zu distanzieren. Für Rahouma ist dies ein Hinweis darauf, dass der Islam als gesellschaftliches und politisches Ordnungssystem an Überzeugungskraft verliere.

Mit Blick auf Migration kritisiert Rahouma westliche Staaten scharf. Über Jahrzehnte hinweg hätten europäische Länder muslimische Einwanderer aufgenommen, ihnen Staatsbürgerschaften verliehen und religiöse Parallelstrukturen ermöglicht, ohne konsequent auf die Einhaltung der jeweiligen Rechtsordnung zu bestehen. Das Resultat sei eine wachsende Verunsicherung der Mehrheitsgesellschaft. Wenn Menschen Angst hätten, religiöse Feste zu feiern oder öffentlich „Frohe Weihnachten“ zu sagen, sei dies für ihn ein Zeichen kultureller Selbstaufgabe.

Rahouma warnt zudem vor der Wirkmacht kleiner, radikaler Gruppen. Diese seien zahlenmäßig gering, aber hochgradig einflussreich. Durch gezielte Aktionen – etwa Angriffe auf religiöse Symbole, Kirchen oder jüdische Einrichtungen – verbreiteten sie Angst und destabilisierten das gesellschaftliche Klima. Solche Taten seien einfach zu begehen, ihre Wirkung jedoch erheblich.

Trotz der Schärfe seiner Analyse formuliert Rahouma keinen völligen Pessimismus. Er ist der Ansicht, dass viele europäische Gesellschaften begonnen hätten, ihre Fehler zu erkennen. In einigen Ländern würden Gesetze verschärft und klare Erwartungen formuliert: Religionsfreiheit ja – aber nur im Rahmen der geltenden Rechtsordnung. Langfristig, so seine bewusst provokant formulierte Prognose, werde Europa Wege finden, ohne politischen Islam auszukommen.

Am Ende des Gesprächs richtet Rahouma eine persönliche Botschaft an Israel und an die arabische Welt. Er äußert offen seine Bewunderung für den jüdischen Staat, seinen Respekt vor dessen Leistungsfähigkeit und seinen Wunsch, arabische Gesellschaften sollten Israel nicht als Feind, sondern als Vorbild betrachten – insbesondere in Bildung, Arbeitsmoral und gesellschaftlicher Verantwortung.

Das Gespräch mit Dr. Muhammad Rahouma ist damit weniger ein theologischer Disput als eine Innenansicht: die Perspektive eines Mannes, der den Islam über Jahre gelehrt, gelebt und schließlich verworfen hat – und dessen Kritik gerade deshalb polarisiert.

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Der Islam – eine Kritik von innen”

  1. Andrew Manner sagt:

    Lob sei dem Herrn für Dr. Rahouma:
    …“Über Jahrzehnte hinweg hätten europäische Länder muslimische Einwanderer aufgenommen, ihnen Staatsbürgerschaften verliehen und religiöse Parallelstrukturen ermöglicht, ohne konsequent auf die Einhaltung der jeweiligen Rechtsordnung zu bestehen. …“
    Sehr gut beschrieben, obwohl er selbst kein Europäer ist und war!

    Ja, so genauso sieht es im nördlichen Ruhrgebiet und in anderen Ballungsräumen in DE!
    So gut wie 0 Integration bei den älteren Migranten.
    Hier hilft nur, den politischen Islam komplett zu verbieten und Sprache und Religion in der Öffentlichkeit! Warum leben diese Menschen hier, wo sie doch eigentlich lieber in ihren Heimatländern sein würden???

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