Das Abendmahl, das seine Wurzeln im Pessachfest hat, ist ein Versprechen auf eine nie endende, bedeutungsvolle Beziehung zu Gott. In der jüdischen Tradition wird uns nicht eine Idee oder ein Prinzip vorgegeben, an das wir glauben sollen, sondern eine Aufforderung uns der offenbarten Wahrheit zu verpflichten. Unsere Aufgabe ist es, unser Bekenntnis zu dem, was Gott durch seine Propheten und Apostel offenbart hat, zu überprüfen.
Der Exodus führte zum Sinai und war ein entscheidender Moment in der Geschichte Israels. Er leitete eine neue Beziehung zwischen Gott und den Menschen ein. Gott hat sich mit einem Volk verbunden und Israel hat die neue Beziehung akzeptiert. Jeder Partner gab sein Wort, den anderen zu ehren. Ein Versprechen, das für immer gilt. Es wird in einem Augenblick gegeben, aber es verschwindet nicht. Es ist ein Moment, der den gesamten Verlauf unseres Lebens bestimmt.
Gedenkt auf ewig an seinen Bund,
an das Wort, das er ergehen ließ auf tausend Geschlechter hin (1. Chron. 16:15)
Das Pessachmahl ist die ständige Erinnerung, Verkündigung und Wiederholung der Erlösung und der Beziehung zwischen Gott und Israel. So wie das Abendmahl die Befreiung und Gemeinschaft darstellt, die allen Gläubigen im Neuen Bund durch den Messias Jeschua, das Pessachlamm, ermöglicht wird.
Obwohl es Elemente des Abendmahls und seiner Wurzeln im Pessachfest gibt, die wir zu verstehen versuchen werden, müssen wir uns immer bewusst sein, dass es bestimmte Aspekte des Abendmahls gibt, die über unsere Fähigkeit hinausgehen, sie mit dem Verstand zu erfassen. Man kann sie nur mit dem Herzen und im Gehorsam und in der Praxis verstehen und erfahren.
Betrachten wir einige dieser Elemente des Abendmahls. Sie sind sowohl eine Fortsetzung als auch eine Erfüllung des Pessachfestes.

Abendmahl und Pessach als fortwährendes Gedenken
„Dieser Tag soll für euch ein Gedenktag sein und ihr sollt ihn dem Herrn zum Fest halten; von Generation zu Generation sollt ihr ihn zum Fest halten.“ 2 Mose 12-17
Ein Gedenktag umfasst unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Nach jüdischem Verständnis sind Gedenkfeiern nicht nur wichtig, um sich an das zu erinnern, was in der Vergangenheit geschehen ist, sondern auch, um aktiv an Gottes Erlösung teilzuhaben, damit wir die Wahrheit und Kraft dieser Erlösung heute in der Gegenwart umsetzen können. Wir alle werden in der Gegenwart Teilhaber an dem, was in der Vergangenheit geschehen ist.
Hat es einen Sinn, Ereignissen gegenüber loyal zu sein, die Tausende von Jahren zurückliegen? Jede sinnvolle Beziehung erfordert Engagement und Loyalität. Wenn wir uns unter dem Baldachin das Ja-Wort geben, gehen wir eine lebenslange Bindung mit einer anderen Person ein. Ohne Treue zu dem gegebenen Versprechen, bricht die Beziehung zusammen.
Wir werden Teil des Prozesses der Erlösung, die in der Vergangenheit durch Gottes Hingabe an uns vollzogen wurde. Wir nehmen am Gedächtnis des Abendmahls teil und wir erleben diese Erlösung in der Gegenwart, indem wir sie auf ihre künftige Erfüllung zusteuern, indem wir ihm in der regelmäßigen Gemeinschaft mit ihm treu bleiben.
Kontinuierliches Gedenken als Wiederholung des Geschehens
Das Abendmahl ist eine Vergegenwärtigung der Erlösung durch Gott in der Gegenwart. Das Abendmahl macht das Kommen des Messias Jeschua und das, was er durch seinen Tod, sein Begräbnis und seine Auferstehung für uns getan hat, in unserem heutigen Leben real.
Der Schabbat ist eine Gedenkfeier, welche wir bis zur endgültigen Schabbatruhe im Reich Gottes fortsetzen. Das Abendmahl ist ein fortwährendes Gedenken bis zu seiner Wiederkunft.

Zukünftige Erfüllung des Abendmahls
Während das Pessachfest und das Abendmahl eine Erinnerung an die vergangene Erlösung sind, so sind sie auch eine Verkündigung. Sie weisen auf die zukünftige Erfüllung hin.
In gleicher Weise nahm er nach dem Abendmahl den Kelch und sprach: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut. Dies tut, sooft ihr es trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ 1. Korinther 11: 25-26
Jeschua macht einen klaren Hinweis auf die zukünftige Erfüllung – es könnte sehr wohl das Hochzeitsmahl des Lammes sein.
Und er sprach zu ihnen: „Mich hat herzlich verlangt, dieses Pessach mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch: Ich werde künftig nicht mehr davon essen, bis es erfüllt sein wird im Reich Gottes.“ Lukas 22,15-16
Deshalb sind wir dafür verantwortlich, den Gehorsam bei der Feier des Abendmahls zu bewahren, bis er kommt. Die Ausübung des Abendmahls als Gedenken und Verkündigung ist nicht wahlfrei. Es ist ein wesentliches Element im Leben des Gläubigen.
Das Gedenken ist sowohl persönlich als auch gemeinschaftlich
Im Pessachfest und im Abendmahl finden wir sowohl eine individuelle Beteiligung am Gedenken als auch eine kollektive und nationale Dimension.
Deshalb ist es notwendig, dass das ganze Volk Israel immer wieder das Pessachfest feiert. Auf diese Weise verankern wir den Prozess der Erlösung in unserem Leben und im Leben der nächsten Generation bis zu unserer endgültigen Erlösung.
In gleicher Weise feiern wir das Abendmahl. Unsere Teilnahme am Abendmahl verbindet uns und bewahrt uns als Volk Gottes.
Dies ist charakteristisch für den Neuen Bund. Unsere Teilnahme am Abendmahl ist persönlich und individuell, aber auch kollektiv. Es verbindet und vereint uns, Juden und Heiden, mit dem ganzen Leib des Messias.

Das Abendmahl als Kommunion
Am Tag von Schawuot (Pfingsten) wurde eine messianische Gemeinschaft geboren. Die Jünger erlebten Gemeinschaft (koinonia oder fellowship) auf allen Ebenen des Lebens. Das Brechen des Brotes, das Abendmahl, war für sie der ständige Ausdruck dieser Einheit und der von Gott im Messias gegründeten Gemeinschaft.
„Und ist nicht das Brot, das wir brechen, eine Teilhabe am Leib des Messias?
Weil es ein einziges Brot ist, sind wir, die wir viele sind, ein Leib, denn wir haben alle Anteil an dem einen Brot“. 1. Korinther 10,16-17
Die Versammlung seines Volkes
Das Pessachfest war ein entscheidender Moment in der Geschichte Israels. Es war eine Einweihung, bei der verkündet wurde: „Ihr seid das Volk Gottes, ein königliches Priestertum, eine geheiligte (abgesonderte) Familie“.
Beim Pessachfest wie auch beim Abendmahl gibt es ein Element der Absonderung – die Ägypter durften nicht daran teilnehmen, wie es in Exodus 12 heißt. Das Abendmahl soll diejenigen, die dem Messias geweiht sind, herausrufen und trennen.
Das Pessachfest ist ein Bundesmahl, das ein Volk zusammenführt, so wie Abrahams Eintritt in den Bund der Beginn der jüdischen Nation ist.
Der Neue Bund wurde am Kreuz des Messias ratifiziert. Um in den Bund einzutreten, musste man „sein Fleisch essen und sein Blut trinken“ (Joh. 6).
Diese Vorstellung, „am Blut des Messias teilzuhaben“, war für die jüdischen Jünger etwas befremdlich. Das Konzept findet sich jedoch auch in anderen Schriften wieder. Paulus schreibt: „denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der ihnen folgte. Der Fels aber war Christus.“ 1. Korinther 10:1-4
Paulus sagt auch, dass wir die Matzos (ungesäuertes Brot) sind und den alten Sauerteig entfernen müssen, damit wir ein neues, „ungesäuertes“ Brot werden können. „So wollen wir denn nicht mit altem Sauerteig Fest feiern, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit ungesäuerten Broten der Lauterkeit und Wahrheit .“ (1. Korinther 5, 7-8)
„Der Segenskelch, den wir segnen, ist er nicht ein Teil des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht Teilhabe am Leib Christi? Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist er nicht [die] Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht [die] Gemeinschaft des Leibes des Christus?“ (1 Kor 10,16)
Die Teilhabe am Blut des Messias hat Folgen – entweder die Einheit, die uns stärken wird, oder die Spaltung, die uns richten wird. Da das Abendmahl eine Mahlgemeinschaft ist, die die Familie Gottes versammelt, sollten wir mit allen, die er empfängt, teilnehmen und sie empfangen.
Der Leib des Messias ist unvollständig, solange wir gespalten sind und nicht gemeinsam an einem Tisch sitzen. Leider ist gerade das Abendmahl, welches uns zusammenführen sollte, zu einem Ort des Streits geworden. Sein Leib ist gespalten und deshalb ist das wahre Gesicht des Messias noch immer vor der Welt verborgen.
Vielleicht kann diese historische Tragödie aufgedeckt werden. Vielleicht könnte das wesentliche und grundlegende Verständnis des Abendmahls als unsere Gemeinschaft mit ihm und untereinander Heilung und Wiederherstellung unseres zerbrochenen Leibes bringen.
Das Abendmahl ist ein Zeichen des Sieges
Das Pessachfest als regelmäßiges Gedenken sollte das Volk Israel in das Land begleiten. Die fortgesetzte Feier des Passahfestes begründet die Kraft und die Verheißung des Passahopfers, das unter den Kindern Israels weitergeführt wird.
Vielleicht ist hier auch ein Element der Kriegsführung gemeint. Gottes Gerichte fielen am Pessachfest über Ägypten. Die Erstgeborenen Ägyptens wurden getötet, während die Erstgeborenen Israels erlöst wurden. Die dunklen Mächte über dem Volk Gottes wurden gebrochen, und die Familien wurden befreit, um Gott am Sinai anzubeten, sein geoffenbartes Wort zu empfangen und ihm von dort aus in ihrem eigenen Land zu dienen.
Die Teilnahme am Abendmahl befreit und befähigt uns, im gegenwärtigen und zukünftigen Reich Gottes zu leben. Durch den Messias werden wir befähigt, unsere Verantwortung vor Gott zu erfüllen, einschließlich der Weitergabe von Gottes Erbe an künftige Generationen – des Erbes, das wir vom Vater erhalten haben, an unsere Kinder. Zum Teil kann dies durch die regelmäßige und ordnungsgemäße Verwaltung des Abendmahls an unser Volk erreicht werden.
Melchisedek kommt mit Brot und Wein, nachdem er die Könige besiegt hat, die Lot entführt haben. Melchisedek ist eine Vorahnung des Messias (wenn er nicht selbst eine Erscheinung des Messias ist), der Abraham entgegenkommt und ihn segnet. Das Brot und der Wein, die Melchisedek Abraham überreicht, sind ein Zeichen und eine Feier des Sieges Abrahams und sprechen von dem „Tisch, den der Herr vor seinen Feinden gedeckt hat“ (Psalm 23,5). Es ist ein Bundesmahl, das das „vollendete Werk des Messias“ bezeugt.
Das Abendmahl ist auch ein Zeugnis für die Verheißung des kommenden Reiches des Messias über die ganze Erde, wenn er auf dem Thron Davids in Jerusalem sitzen und sein Sieg über alle seine Feinde in seiner ganzen Fülle offenbar werden wird (Lukas 21,18.30).
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Gericht
Am Pessachfest richtete Gott die Götter Ägyptens. Er entfernte die Erstgeborenen Ägyptens und beseitigte die zukünftigen Träger ihrer heidnischen Ordnung. Er vernichtete die Armeen Ägyptens und zerstörte die gegenwärtigen Träger ihrer dunklen Strategie. Obwohl das Abendmahl in erster Linie dazu dient, Gottes Gnade auf uns auszudehnen, enthält es auch ein Element des Gerichts. Christliche Leiter müssen dem Volk das Abendmahl verantwortungsvoll servieren und dabei Gottes Gerichte und die Gefahr einer unangemessenen Teilnahme berücksichtigen. 1 Kor 10,1-21
Das Gedächtnis des Herrn
Das Abendmahl als Gedächtnismahl bedeutet nicht nur, dass der Gläubige sich an das erinnert und daran teilhat, was der Herr für uns getan hat und tun wird. Es ist auch eine Erinnerung an den Herrn an das, was er für den Gläubigen getan hat.
Dieser Gedanke des Gedenkens als Erinnerung an den Herrn selbst findet sich in einer Reihe von Passagen. Gott hörte ihr Seufzen und erinnerte sich an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. (2. Mose 2,24)
„Und wenn ihr in die Schlacht zieht in eurem Land gegen euren Feind, der euch bedrängt, so sollt ihr Lärm blasen mit den Trompeten, damit an euch gedacht wird vor dem Herrn, eurem Gott, und ihr von euren Feinden errettet werdet.Aber an euren Freudentagen, es sei an euren Festen oder an euren Neumonden, sollt ihr in die Trompeten stoßen bei euren Brandopfern und euren Friedensopfern, damit an euch gedacht wird vor eurem Gott[a]; ich, der Herr, bin euer Gott.“ 4 Mose 10:9-10
In gleicher Weise erinnert das Abendmahl den Herrn an alles, was er für die Gläubigen in seinem Opfer und in dem Bund, den er mit uns geschlossen hat, getan hat.
So wie die Familien Israels den Herrn um Befreiung aus der Unterdrückung in Ägypten anflehten und durch das Blut des Lammes befreit wurden, so kommen die Gläubigen heute zum Abendmahl, um die Befreiung und Erlösung zu empfangen, die der Messias Jeschua durch sein Blut anbietet. Er ist das Lamm Gottes.




