Armeedienst – dem Staat etwas zurückgeben

Schon dreimal haben wir ein Kind in die Hände der israelischen Armee übergeben. In einem Jahr und sieben Monaten wird auch unserer Jüngster seinen Armeedienst beenden.

von Dov Eilon | | Themen: Guten Morgen
Foto: Michael Giladi/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Ich begrüße Sie zu einer neuen Woche, das Wochenende ist für uns schon wieder Vergangenheit. Während Sie sich am Samstagabend auf den freien Sonntag freuen, beginne ich nach dem Ausgang des Schabbats schon an den Sonntagmorgen und den Beginn der neuen Arbeitswoche zu denken. Und wenn man einen Sohn hat, der gerade seinen Armeedienst verrichtet, bekommt der Sonntag eine noch viel größere Bedeutung.

Schon am Samstagmittag beginnt mein jüngster Sohn, die Stunden zu zählen, die im noch verbleiben, bis das von ihm so geliebte Wochenende wieder einmal viel zu schnell seinem Ende entgegengeht. Dabei hat er es für einen Soldaten relativ gut. Ich bin mir sicher, dass viele andere Soldaten sofort bereit wären, mit ihm zu tauschen. Denn außer einmal in drei Monaten, kommt unser lieber Sohn jedes Wochenende nach Hause. Davon können einige seiner Freunde nur träumen. Sogar unsere Tochter kam während ihres Armeedienstes nur alle zwei Wochen nach Hause. Und dann auch erst am Donnerstagabend. Da hat es unser Sohn viel besser, er meistens schon gegen Mittag wieder in seinem geliebten Zimmer.

Auch bei unserem ältesten Sohn habe ich den Armeedienst viel intensiver verspürt. Nicht, weil er sich für weitere zweieinhalb Jahre verpflichtet hatte und somit insgesamt fünfeinhalb Jahre bei der Armee war, sondern weil ich bei ihm fast jeden Abend seine Uniform bügeln durfte (da staunen Sie jetzt, oder?). Er kam nämlich in seinem regulären Dienst jeden Abend nach Hause. Bei unserem Jüngsten scheint die Sache mit dem Bügeln der Uniform nicht zu ernst zu sehen. Ich meine, er hat wirklich einen netten Platz für seinen Armeedienst gefunden. Und, unter uns gesagt, er beschwert sich nicht wirklich über die Armee, er weiß ganz genau, dass viele Freunde ihn für seine doch recht guten Bedingungen beneiden würden.

Er ist nun unser letztes Kind, mit dem wir den Dienst in der Armee durchmachen. Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, an dem jeder unserer drei Kinder seinen Dienst in der Armee begann. Dafür fuhren wir in aller Frühe nach Jerusalem, zum sogenannten „Munitionshügel“, Givat Ha Tachmoshet (גבעת התחמושת) auf Hebräisch. An diesem Ort wurde während des Sechstagekriegs im Sommer 1967 einer der entscheidendsten Kämpfe zur Befreiung von Jerusalem geführt. Jedes Mal waren wir natürlich sehr aufgeregt, unser Kind nun in die Hände der Armee zu geben.

Am Munitionshügel in Jerusalem beginnt für viele junge Israelis der Dienst in der Armee

In einem Jahr und sieben Monaten werden wir dann ein weiteres Kapitel in unserer Familie beenden. Dann wird auch unser jüngster Sohn wieder ein Zivilist sein.  Ja, und genau dieses Jahr und die sieben Monate sind vielleicht noch das Problem unseres Sohnes. Er muss sich eben noch eine ganze Zeit gedulden, bis er denn endlich seinen Armeeausweis mit der Schere zerschneiden kann, wie seine Cousine in der letzten Woche. Sie musste allerdings nur zwei Jahre in der Armee sein. Und seit dem Sommer 2020 müssen auch die Jungs „nur“ noch zweieinhalb Jahre in der Armee dienen, also zwei Monate weniger als unser Sohn.

Jeden Sonntag geht es wieder los. Israels Soldaten auf dem Weg zu einer weiteren Woche in der Basis.

Genau darüber hatte ich mich heute früh mit meinem Sohn im Auto unterhalten, als ich ihn, wie jeden Sonntag, zum Sammelpunkt fuhr, wo ein Bus der Armee auf ihn wartete. Aber auch, wenn er sich über die lange Zeit bis zum Ende seines Armeedienstes beschwert, akzeptiert er, wie seine Geschwister auch, die Tatsache, dass man vom Staat nicht nur etwas bekommen kann, sondern auch etwas geben muss. Und genau das ist es auch, was unser Land zusammenhält. Die Armee wird in Israel nicht umsonst die „Armee des Volkes“ genannt.

Ich weiß, was Sie jetzt denken. Wie steht es denn mit den orthodoxen Juden, die sich weigern, in der Armee zu dienen? Sie erinnern sich sicher an die ganzen Demonstrationen einer ganz bestimmten Gruppe des orthodoxen Judentums, die jegliche Zusammenarbeit mit der Armee und dem Staat verweigern. Selbst der Aufforderung, sich im Rekrutierungsbüro melden, um dort vom Armeedienst freigestellt zu werden, kommen sie nicht nach. Mir ist klar, dass wir mit Gewalt hier nichts erreichen werden. Ihr Glaube und ihre Überzeugung sind ihnen viel wichtiger, dafür sind sie auch bereit im Gefängnis zu sitzen. Aber vielleicht könnten Sie etwas anderes für die Allgemeinheit tun, eine Art Zivildienst auch innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft. Das würde mit Sicherheit helfen, die Kluft zwischen uns etwas zu verkleinern.

Trotz Corona gab es auch im vergangenen Jahr mehrere Proteste einer orthodoxen Gruppe gegen den Armeedienst

Das Thema orthodoxe Juden und die Armee wird aber wohl auch weiterhin ein wichtiges Thema und auch Problem hier bei uns sein. Bei dem momentanen Wahlkampf wurde das aber, so gut ich weiß, nicht weiter erwähnt. Dort ist man viel zu sehr mit „nur-nicht-Bibi“ beschäftigt, aber darüber können wir uns an einem anderen Tag unterhalten.

Mein Sohn ist nun bereits wieder in seiner Basis, in vier Tagen wird er wieder nach Hause kommen, alles halb so schlimm also, das weiß auch er.  Und nun freue ich mich über das tolle Wetter, der Winter scheint sich von uns verabschiedet zu haben, es ist kein Regen in Sicht und am Tag der Wahlen, am 23. März, soll es sogar besonders heiß werden, nicht nur politisch.

Das tolle Wetter brachte gestern viele Israels an das Meer, wie hier am Strand von Tel Aviv

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt bis bewölkt mit einem deutlichen Anstieg der Temperaturen, besonders im Landesinneren und in den Bergen.  Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 19 Grad, Tel Aviv 18 Grad, Haifa 17 Grad, Tiberias am See Genezareth 22 Grad, am Toten Meer 24 Grad, Beersheva 23 Grad, Eilat am Roten Meer 27 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei – 209,23  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen noch 43 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Sonntag. Genießen Sie ihr Wochenende und bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Modiin!

 

 

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