Guten Morgen Israel – Es stinkt

Ein scharfer und sehr unangenehmer Geruch empfing mich heute früh in Jerusalem. Ich kenne diesen Geruch. Viel zu oft haben wir darunter zu leiden.

Demonstration Orthodoxe Juden
Yehonatan Valtser/TPS

Boker Tov liebe Leser!

Es stinkt. Nicht, weil ich irgendwie etwas sauer bin. Nein, es stinkt wirklich am Eingang zur Stadt. Kaum war ich aus dem Bus gestiegen, da schlug mir schon dieser extrem miese und bekannte Geruch entgegen. Ich wusste sofort, woher er kam. Gestern gab es in Jerusalem wieder einmal ein kleines Verkehrschaos. Zahlreiche Busse kamen nicht und ließen viele Menschen nach einem langen Arbeitstag an den Haltestellen vertrocknen. Es sei denn, sie waren zu nah an der Demonstration der uns schon bekannten Gruppe orthodoxer Juden, die wieder einmal gegen den Armeedienst demonstrierten. Dort wurde blaues Stinkewasser verspritzt.

Diese Gruppe ist unter dem Namen „Jerusalemer Abteilung“ bekannt, auf Hebräisch „HaPeleg HaJerushalmi“. Ihre Mitglieder wurden gestern Nachmittag wieder gerufen, um gegen die Festnahme des Sohnes eines bekannten Rabbiners äthiopischer Herkunft durch die israelische Militärpolizei zu demonstrieren. Sie kennen das ja schon. Der Junge wurde festgenommen, da er den Einladungsschreiben der Armee, sich im Rekrutierungsbüro zu melden, um dort wahrscheinlich eine Freistellung vom Armeedienst zu bekommen, wie sie alle orthodoxen Juden bekommen, die in einer Jeshiwa studieren, nicht nachgekommen war. Das ist der Gruppe nicht genug. Sie wollen eine generelle Freistellung vom Dienst. Und solange sie diese nicht bekommen, lehnen sie jede Kooperation mit der israelischen Armee ab. Das Ergebnis der gestrigen Demonstration waren wieder sehr unschöne Bilder, wo sich Juden anderen Juden gegenüberstanden.

Demonstration

Das blaue Stinkewasser

Da nun die zentralste Kreuzung Jerusalem wegen der Demonstration blockiert war, brach der öffentliche Verkehr natürlich zusammen. Ich ging gestern noch sehr zuversichtlich zu meiner Haltestelle, um meinen Bus nach Modiin zu nehmen. Doch er kam nicht. Auch von den folgenden Bussen derselben Linie war keine Spur zu sehen. Sie erschienen auf der Anzeigetafel, aber nur, um kurz danach einfach zu verschwinden. Es gab sie nicht, da sie wegen der blockierten Kreuzung gar nicht nach Jerusalem fahren konnten. So entschied ich mich, eine andere Linie einer anderen Gesellschaft auszuprobieren. Und ich hatte Glück. Nach etwa einer halben Stunde war ich bereits am Eingang von Modiin. Danach spitzte sich die Lage in Jerusalem weiter zu und der Verkehr kam vollständig zum Stillstand. Ich hätte gestern einfach den Zug nehmen sollen, auch wenn man dabei einen Umweg über den Flughafen machen muss. Das nächste Mal lasse ich mich nicht von den Demonstranten als Geisel in der Stadt festhalten.

Überhaupt ärgert mich diese ganze Sache. In knapp vier Wochen beginnt unser jüngster Sohn seinen Armeedienst. Nicht ein einziges Mal haben wir daran gedacht, dass das nicht in Ordnung sei. Warum ist der Dienst für die Allgemeinheit für uns eine Selbstverständlichkeit, wenn sich andere Gruppen das Recht erlauben, sich davon fernhalten zu können? Ja, auch die ganz orthodoxen Juden könnten meiner Meinung nach etwas für ihr Land, für ihre Mitbürger leisten. Ich verstehe ja, dass sie die Thora studieren und das auch das wichtig ist, denn nur dadurch gibt es uns auch heute noch. Aber ich meine, sie müssten sich auch die Zeit nehmen, etwas für das Land zu tun. Auch ein einjähriges soziales Jahr wäre meiner Meinung nach ein guter Anfang. Aber sich auf eine derartig aggressive Weise vom Dienst rauszuhalten, während die anderen ihr Leben für sie riskieren, das geht einfach nicht.

Es macht mich traurig, dass wir diese Spaltung in unserer Gesellschaft, unter uns Juden, haben. Wie soll es uns gelingen, Frieden zu bekommen, wenn wir uns unter uns noch nicht einmal verstehen?

Aber es gibt heute auch schöne Dinge, wie die strahlende Sonne zum Beispiel. Wir hatten schon fast vergessen, was das eigentlich ist, ich warte schon auf den Frühling, auch wenn es bis dahin noch etwas dauern wird.

 

Hier ist das Wetter für heute in Israel:

Heiter bis teilweise bewölkt mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen, die jetzt der Jahreszeit entsprechend sein werden. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 12 Grad, Tel Aviv 17 Grad, Haifa 15 Grad, Tiberias am See Genezareth 16 Grad, am Toten Meer 15 Grad, Beersheva 14 Grad, Eilat am Roten Meer 21 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um weitere fünf Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei –210.39 m unter dem Meeresspiegel.

Und nun wünsche ich Ihnen auch im Namen meiner lieben Kollegen von Israel Heute einen angenehmen Montag. Machen Sie es gut.

Schalom aus Jerusalem!

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