Meine erste Demonstration

In dieser ganzen Corona-Politik habe ich bis jetzt leider keine Logik gefunden. Zum ersten Mal nahm ich an einer Demonstration teil, bei uns in Na’ale!

Meine erste Demonstration
Anat Hermony/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Am vergangenen Sonntag ist so manchen Eltern in unserer Siedlung der Kragen geplatzt. Den Grund dafür kann ich sehr gut nachvollziehen. Nachdem letzte Woche unsere Siedlung für eine kurze Zeit die Farbe Rot bekommen hatte, da es anscheinend genügend Coronainfizierte gab, wurden als Folge nur 3 Tage nach der langersehnten Wiedereröffnung alle Kindergärten wieder geschlossen. Die Schule wurde gar nicht erst geöffnet.

Die Kinder sind also schon wieder seit zwei Monaten nur zu Hause und wir Eltern werden im Stich gelassen und von der Regierung total ignoriert. Es ist definitiv unser Problem, wie wir mit dieser Situation fertig werden. Wie viele die Arbeit deswegen verlieren, scheint niemanden wirklich zu interessieren. Am Sonntag wurde dann bekannt, dass unsere Siedlung wieder auf Gelb eingestuft wurde. Der Logik zufolge müssten dann Kindergärten und Schule sofort wieder geöffnet werden. Aber in dieser ganzen Corona-Politik habe ich bis jetzt leider keine Logik gefunden, wieso also jetzt?

Und so warteten wir Eltern auf die Nachricht, dass am Montag die Kindergärten wieder geöffnet werden. Doch anstatt dessen, wurden wir darüber informiert, dass aus bürokratischen Gründen die Kindergärten bis nach Purim (פורים) geschlossen bleiben werden. Was zusätzlich bedeutet, dass die Kinder ihr absolutes Lieblingsfest Purim verpassen werden. Mit dem schönsten Purimgewand an der Purimfeier, Purimon genannt (פורימון), im Kindergarten zu erscheinen, gehört definitiv zu den aufregendsten Tagen im Leben eines jüdischen Kindes. Und nun wird ihnen auch das noch genommen.

Die Stimmen der Mütter wurden in den WhatsApp-Gruppen der Kindergärten immer lauter, bis sie zum Entschluss kamen, am vergangenen Montagabend am Eingang unserer Siedlung zu protestieren. Ich entschloss mich natürlich, auch an dieser Demonstration teilzunehmen. Obwohl mein Mann und ich uns gut mit der Kinderbetreuung abwechseln können und es für uns keine große Rolle spielt, ob nun die Kindergärten noch um eine weitere Woche geschlossen bleiben oder nicht, kenne ich doch so viele Eltern, die regelrecht verzweifelt sind, ständig abwesend bei der Arbeit, sich diesbezüglich nicht mehr viel leisten können oder Unmengen an Geld für Privatbetreuung investieren. Es geht mir ums Prinzip! Die Zeit ist definitiv gekommen uns zu wehren! Und wenn es schon eine Demonstration „vor unserer Haustür“ gibt, dann muss ich einfach dabei sein. Und so machte ich mich um 19:00 Uhr auf, zur ersten Demonstration meines Lebens. Dass ich noch nie zuvor an einer Demonstration teilgenommen habe, liegt vielleicht daran, dass uns Schweizern das Demonstrieren nicht so liegt

Meine erste Demonstration

Es war eher eine kleine Demonstration aber es wurde viel Lärm gemacht; ein Demonstrant hat sogar eine Flöte mitgebracht, was mich sehr amüsierte. Von allen vorbeifahrenden Autos haben wir tosenden Hup-Applaus bekommen. Es war ein gutes Gefühl! Wir wehren uns! Bis gestern hieß es, dass die Kindergärten definitiv nicht vor nächster Woche öffnen werden. Doch gestern Nachmittag kam dann die freudige Nachricht: Die Kinder dürfen ab heute wieder in den Kindergarten! Hat unsere Demonstration wohl doch etwas bewirkt.

Wir sind natürlich nicht die einzigen, die gegen die lange Schließung der Schulen und Kindergärten protestieren. Vor einigen Tagen gab es auch eine Demonstration von Eltern mit ihren Kindern vor dem Haus unseres Bildungsministers (siehe Titelbild). Ob es helfen wird?

 

Und noch etwas

Es gibt leider in diesem Land zurzeit kein wichtigeres Thema als die Impfung. Es wird nur noch darüber gesprochen. In mehreren Gesprächen ist mir aufgefallen, dass ich als erstes gefragt werde, ob ich geimpft bin oder nicht. Es kommt mir vor wie: auf welcher Seite stehst du, und dass all unser Leben davon abhängt. Die Nicht-Geimpften wurden zur Zielscheibe der Nation, und dies geht so weit, dass wir sogar vom engsten Bekanntenkreis für den Tod anderer Menschen verantwortlich gemacht werden. Aber wie können wir auch etwas anderes erwarten, wenn unser Premierminister höchstpersönlich die Menschen gegen die Nicht-Geimpften aufhetzt?

Kein Eintritt für Nicht-Geimpfte. Nur, wer geimpft ist und seinen grünen Pass vorzeigt, darf zurzeit ins Theater gehen, wie gestern im Jerusalemer Khan Theater.

Die wirklichen Probleme, die durch die Corona-Politik entstanden sind und mit denen unsere Gesellschaft zu kämpfen hat wie z.B. die weit verbreitete Arbeitslosigkeit, finanzielle, psychische Probleme usw. werden ignoriert! Es zählt nur noch, ob man geimpft ist oder nicht – in meinen Augen sind wir auf einem erschreckendem Niveau angelangt. Und nun zu einem anderen immer aktuellen, aber deutlich beliebteren Thema, das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt bis heiter mit für die Jahreszeit normalen Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 15 Grad, Tel Aviv 21 Grad, Haifa 17 Grad, Tiberias am See Genezareth 22 Grad, am Toten Meer 23 Grad, Beersheva 20 Grad, Eilat am Roten Meer 23 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei – 209,335  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen noch 53,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Mittwoch. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Na’ale!

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