Antisemitismus und die politische Rechte EPA-EFE/ADAM BERRY
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Antisemitismus und die politische Rechte

Der Antisemitismus hat nicht nur den Untergang des Nazi-Regimes überlebt, es wurden auch neue Bezeichnungen und Rechtfertigungen gefunden.

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Dem 27-jährigen Stephan B. ist es zu Jom Kippur nicht gelungen, sich Zugang zu der Synagoge der Stadt Halle zu verschaffen. Wie ernst er es meinte, ist daran ersichtlich, dass er zwei Passanten in unmittelbarer Umgebung mit Schüssen regelrecht hinrichtete. Nur die massiven Sicherheitsmaßnahmen der jüdischen Gemeinde haben ein weitaus tragischeres Massaker verhindert.

Stephan B.s antisemitische Motive waren offensichtlich. Dennoch erklärte er während eines Live-Streams auf der Videoplattform Twitch kurz vor dem Anschlag: „Der Feminismus ist die Ursache für sinkende Geburtenraten im Westen, was als Sündenbock für die Masseneinwanderung dient. Die Wurzel all dieser Probleme sind die Juden.“

Dieses Manifest und die darauf folgenden schrecklichen Taten haben die moralische Position des Antisemitismus auf den Punkt gebracht, nämlich, dass eine Welt ohne Juden ein besserer Ort wäre. Dieser Punkt sollte nicht übersehen werden, denn es ist diese Art von Argumentation, die ansonsten aufrechten Bürgern eine moralische Rechtfertigung für den Hass gibt, den sie gegenüber dem jüdischen Volk hegen.