ANALYSE: Eine weitere erstaunliche Entwicklung im Nahen Osten

„Die Araber haben heute keine andere Wahl, als sich mit Israel zu versöhnen…“

von Yochanan Visser |
Foto: Public Domain

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu ist zur Überraschung vieler am Sonntag nach Saudi-Arabien geflogen, um sich mit dem De-facto-Herrscher des Königreichs Kronprinz Mohammed Bin Salman zu treffen.

Bin Salman ist für sein unkonventionelles Denken bekannt, er hat in Saudi-Arabien weitreichende Reformen eingeleitet und arbeitet an einem Megaprojekt direkt am Roten Meer, wo er eine riesige 26.500 Quadratkilometer große Stadt namens Neom erbaut werden soll, die unter anderem durch eine riesige Brücke mit der Sinai Halbinsel verbunden sein wird.

Netanjahu traf  Mohammed Bin Salman in Neom, er wurde begleitet von seinem nationalen Sicherheitsberater Meir Ben-Schabbat, seinem Militärsekretär Avi Bluth und Mossad-Direktor Yossi Cohen, der eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen gespielt hat, die zu den sogenannten Abraham-Abkommen, den Friedensvereinbarungen zwischen Israel, Bahraqin und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), geführt haben.

Saudi-Arabiens Außenminister Prinz Faital bin Fatahn dementierte offiziell, dass das Treffen zwischen Netanjahu und dem Kronprinzen in Neom stattgefunden habe. Flugtracker in Israel bestätigten allerdings, dass ein Privatflugzeug, das Netanjahu früher für Auslandsreisen nutzte, um 19.30 Uhr in Richtung Neom startete und am Montag, 12.30 Uhr wieder in Israel landete.

Die Reise sei von Israel aus seit mehr als einem Monat geplant gewesen, hieß es, wurde aber streng geheim gehalten, weil Netanjahu seinen Koalitionspartnern in der Blau-Weiß Partei des ehemaligen IDF-Stabschefs Benny Gantz, der jetzt Verteidigungsminister ist, und Gabi Ashkenasi, dem derzeitigen Außenminister Israels, nicht traue.

Netanjahu habe ein schlechtes Verhältnis sowohl zu Gantz als auch zu Aschkenasi, und die Geheimhaltung seiner Reise nach Saudi-Arabien könnte nun sogar zu Neuwahlen in Israel führen. Gantz kritisierte Mitgliedern seiner blau-weißen Fraktion gegenüber die Verhaltensweise Netanjahus als Premierminister und drohte mit Neuwahlen, die dessen Partei dezimieren würden.

Während eines Fraktionstreffens mit Likud-Mitgliedern sagte Netanjahu, dass ich mich jahrelang nicht zu diesen Fragen geäußert habe und jetzt nicht damit beginnen werde. Jahrelang habe ich keine Mühen gescheut, um Israel zu stärken und den Kreis des Friedens zu erweitern.

Das Treffen in der momentan im Bau befindlichen Stadt Neom, wurde nach amerikanischer Intervention ins Leben gerufen. Außenminister Mike Pompeo nahm ebenfalls an dem Treffen teil und ermutigt andere arabische Golfstaaten, dem Beispiel Bahrains und der VAE zu folgen und ihre Beziehungen zu Israel zu normalisieren, bevor US-Präsident Donald J. Trump Ende Januar 2021 aus dem Amt scheidet.

Der saudische Kronprinz hat in der Vergangenheit ein besonderes Interesse an der Normalisierung der Beziehungen mit dem jüdischen Staat gezeigt und Treffen zwischen israelischen Spitzenbeamten und Saudis während einer Reise nach Kairo im März 2018 organisiert.

Offiziell ging es bei den Treffen um den ehrgeizigen Plan des Kronprinzen, eine Megastadt namens Neom zu bauen, die teilweise auch in Jordanien und Ägypten entstehen soll. Im erweiterten Sinne sei es auch um den bevorstehenden amerikanischen Plan zur Lösung des palästinensisch-israelischen Konflikts gegangen.

Der 500-Milliarden-Dollar-Plan für den Bau von Neom, einer Stadt von der Größe Belgiens, beinhaltet Hydro-Agrar-Projekte, die angeblich mit israelischer Hilfe realisiert werden sollen.

Bin Salman hat in der Vergangenheit zur Religionsfreiheit in Saudi-Arabien aufgerufen und die Oberhäupter der koptischen Kirche in Ägypten und der anglo-katholischen Kirche in Großbritannien besucht, während diese mit dem Vatikan ein Abkommen über den Bau von Kirchen in dem ultrakonservativen muslimischen Land unterzeichneten.

Der Kronprinz hat sich auch mit einer Delegation jüdischer amerikanischer Leiter getroffen, während er sich auf einer langen Reise in den Vereinigten Staaten befand, wo er Gespräche mit Jared Kushner und Jason Greenblatt, Trumps Beratern für den Nahen Osten und Israel, führte.

Einzelheiten des Treffens mit der jüdischen Delegation wurden später an die Medien durchgesickert und deuteten darauf hin, dass der saudische Kronprinz den Führer der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, und andere palästinensische Führer regelrecht „gegeißelt“ habe, weil sie jede Gelegenheit, ein Friedensabkommen mit Israel zu erreichen, verschmäht hätten.

Die palästinensischen Araber sollten den Trump-Friedensplan akzeptieren oder „einfach den Mund halten“, habe der Kronprinz Berichten jüdischer Gemeindeleiter zufolge gesagt.

Die veränderte saudische Haltung gegenüber Israel, die von Kronprinz Bin Salman eingeleitet worden ist, hat sich auch in Publikationen von Intellektuellen, Kommentatoren und Journalisten im ölreichen Königreich niedergeschlagen.

Saudische Schriftsteller „haben zunehmend offene Unterstützung für Israel zum Ausdruck gebracht, seine Politik gegenüber dem Iran gebilligt und sogar dazu aufgerufen, die Beziehungen zu normalisieren und Frieden mit Israel zu schließen“, berichtete das Middle East Media Research Institute im Sommer 2018.

Während des sogenannten „Großen Marsches der Rückkehr“ zum Beispiel, in dessen Zuge die Hamas in den Jahren 2018 und 2019 wöchentlich gewaltsame Proteste an der Grenze zwischen Gaza und Israel organisierte, machten einige saudische Kommentatoren die Hamas und den Iran für die tödlichen Unruhen verantwortlich und sagten, die Hamas und der Iran würden „ihre Interessen auf Kosten der Kinder von Gaza vertreten“.

Der Iran hat Israel eindeutig als größten Feind Saudi-Arabiens abgelöst, eine Tatsache, die auch in vielen Artikeln und Kommentaren, die seither in dem Land veröffentlicht wurden, an prominenter Stelle steht.

„Heute haben die Araber keine andere Wahl, als sich mit Israel zu versöhnen und ein umfassendes Friedensabkommen (mit Israel) zu unterzeichnen, um sich für die Auseinandersetzung mit dem großen iranischen Plan in der Region und dem (iranischen) Atomprogramm zu rüsten und die (iranische) Einmischung in die arabischen Angelegenheiten zu beenden“, schrieb Ahmad Al-Jumay’a, der ehemalige stellvertretende Herausgeber der saudischen Tageszeitung Al-Riad im August 2018.

Wenn ein Krieg zwischen Israel und dem Iran ausbricht, der darauf abzielt, die ausländischen Milizen, die der Iran nach Syrien gebracht hat, auszuschalten, wen werden Sie unterstützen?!’… (Meine) Antwort, für deren offene Äußerung in der Zeitung nicht viel Mut erforderlich ist, lautet, dass ich mich auf die Seite Israels stellen werde“, rief Ali Sa’d Al-Moussa, ein Kolumnist der Regierungszeitung Al-Watan, später aus.

Es bleibt unklar, welche Position der saudische König Salman zu den neuen Annäherungsversuchen zwischen seinem Sohn Mohammed und der israelischen Regierung einnimmt, aber Tatsache ist, dass der Kronprinz der De-facto-Herrscher Saudi-Arabiens ist und er immer wieder gezeigt hat, dass er für eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel eintritt.

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