25 Jahre kühler Frieden

Vor 25 Jahren wurde der historische Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien unterzeichnet. Gefeiert wird dieses Ereignis heute auf keiner Seite.

25 Jahre kühler Frieden
Nati Shohat/Flash90

Ende Oktober 1994 war ich für ein paar Tage in Eilat. Im Hotel herrschte ein reges Treiben, viele Journalisten mit Kamera-Teams waren zu sehen. Auch meine damaligen Kollegen vom israelischen Fernsehen waren rein zufällig im selben Hotel untergebracht. Sie waren dort, um von der historischen Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Israel und Jordanien zu berichten. Die Zeremonie sollte am nächsten Tag an der Grenze, im Arava-Tal nördlich von Eilat, stattfinden.

Ich fühlte mich hautnah an einem historischen Ereignis dabei. Jordanien würde nach Ägypten das zweite arabische Land sein, das mit Israel Frieden schließt. Es war eine fast euphorische Atmosphäre. Ich begann schon, von Tagesfahrten nach Amman zu träumen. Endlich könnte man auch von Israel aus mit dem Auto in ein anderes Land fahren.

Doch heute, genau 25 Jahre nach der Unterzeichnung des so vielversprechenden Friedensvertrages ist außer einem sehr abgekühlten Frieden nicht viel übrig geblieben. Natürlich sollte man auch das anerkennen, doch man hatte sich damals viel mehr von dem Frieden versprochen. Die Beziehungen zwischen dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Itzhak Rabin und dem damaligen jordanischen König Hussein waren herzlich, fast freundschaftlich. Und dieses freundschaftliche Verhältnis blieb auch nach dem schrecklichen Mord an sieben israelischen Schülerinnen durch einen jordanischen Soldaten auf der sogenannten „Insel des Friedens“ bestehen. König Hussein hatte danach die Eltern der Opfer persönlich in ihren Häusern besucht und sich bei ihnen entschuldigt. Das war eine Geste, für die er in Israel hohe Anerkennung bekam.

Gedenkstätte für die Opfer des Anschlages in Naharahim

Aber heute ist wie gesagt kaum etwas von den Hoffnungen geblieben, die man sich nach dem Friedensschluss gemacht hatte. Man hatte so viele Pläne. Es sollte ein gemeinsamer Wasserkanal vom Roten Meer zum Toten Meer gebaut werden und auch ein gemeinsamer Flughafen nördlich der jordanischen Stadt Akaba, unweit der israelischen Stadt Eilat.

Das Gebiet um die zuvor schon erwähnte „Insel des Friedens“ heißt auf Hebräisch „Naharahim“. Bis heute und schon vor der Gründung des Staates Israels arbeiten jüdische Bauern auf den Feldern. Das Gebiet galt als umstritten und im Friedensvertrag von 1994 wurde festgelegt, dass es sich um jordanisches Gebiet handelt. Die israelischen Bauern dürften die Felder jedoch für 25 Jahre pachten und sie weiter bebauen. Dieser Pachtvertrag sollte dann automatisch um weitere 25 Jahre verlängert werden, es sei denn, eines der beiden Länder würde den Pachtvertrag ein Jahr vor Ablauf kündigen. Und genau das geschah vor einem Jahr, als der jordanische König Abdullah erklärte, den Pachtvertrag zu beenden. Die Interessen Jordaniens und der Jordanier sei oberste Priorität. Offiziell müssen die israelischen Bauern die Felder nun bis Mitte November geräumt haben. In der vergangenen Woche gab es Gerüchte, wonach der jordanische König den Israelis ein weiteres Jahr genehmigt habe, die Felder zu bebauen, dies wurde jedoch kurz darauf von jordanischer Seite aus dementiert.

Grund für diesen kalten Frieden mag vor allem der stockende Fortschritt im Friedensprozess sein. Der sogenannte Palästinenser-Konflikt ist für die Jordanier das wichtigste Thema. Solange es dafür keine Lösung gibt, wird es keinen wärmeren Frieden geben.

Auch der Vorfall in der israelischen Botschaft in Amman im Jahr 2017, als ein israelischer Sicherheitsbeamter einen Jordanier erschoss, nachdem dieser ihn mit einem Schraubenzieher angegriffen hatte, trug zur Verschlechterung der Beziehung beider Länder bei.

Nun ist der jordanische König auch dem Druck seines Volkes ausgesetzt, das sich nie so richtig für den Frieden mit Israel erwärmen konnte. Und so kommt es, dass der 25. Jahrestag der Unterzeichnung des historischen Friedensvertrages von keiner Seite offiziell begangen wird. Aber ein kalter Friede ist noch immer besser als gar kein Frieden. Doch auf die von mir erträumte Autofahrt nach Amman werde ich lieber noch etwas warten.

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