Laut Angaben der IDF traten im September 198 Haredim (sogenannte Ultra-Orthodoxe) in Kampfeinheiten ein, 42 weitere wurden in Kampfunterstützungsrollen eingesetzt. Damit setzt sich ein Trend fort, der in den letzten Jahren – trotz heftiger innenpolitischer Auseinandersetzungen – langsam, aber stetig sichtbar wird: Der Eintritt ultraorthodoxer Männer in den aktiven Wehrdienst. Die Zahlen wurden inmitten einer massiven Mobilisierung von Zehntausenden von Reservisten im Vorfeld einer großen militärischen Offensive in Gaza-Stadt, einer der letzten Hochburgen der Hamas, veröffentlicht.
Kampf um Sicherheit und Identität
Die Rekrutierungen erfolgten im Rahmen eines speziellen IDF-Programms für Ultraorthodoxe. Ziel ist es, den jungen Männern eine militärische Laufbahn zu ermöglichen, ohne ihre religiöse Lebensweise aufzugeben. Paradebeispiel ist die Hasmonäer-Brigade, die erste rein ultraorthodoxe Kampfeinheit. Ihre Soldaten absolvieren ein reguläres militärisches Training, können aber gleichzeitig streng koscher leben, den Schabbat halten und ihre Studienzeiten in den Tagesablauf integrieren.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besuchte zusammen mit Finanzminister Bezalel Smotrich im Sommer die Ausbildungsbasis der Brigade im Jordantal. Netanjahu erklärte dort: „Sie kommen als Haredim und sie gehen als Haredim. Wir können eine Mobilisierung erreichen, die das ganze Volk eint – zum Schutz des Staates, zur Verteidigung unseres Volkes und zur Bewahrung der Welt der Thora.“
Politische Brisanz im Kriegsalltag
Die wachsende Integration kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Israel zehntausende Reservisten mobilisiert und der Krieg gegen die Hamas in Gaza ins zweite Jahr geht. Gleichzeitig sorgt die Debatte über die Befreiung von Yeshiva-Studenten vom Militärdienst für Spannungen in der Koalition. Viele Israelis empfinden die jahrzehntelange Freistellung der Haredim als ungerecht – gerade in Kriegszeiten, wenn andere Familien ihre Söhne und Töchter an die Front schicken.
Dennoch zeigen die aktuellen Zahlen, dass sich ein Wandel vollzieht. Immer mehr junge Haredim sehen ihren Platz nicht nur in der Bibelschule, sondern auch in der IDF. Für Israel bedeutet dies nicht nur zusätzliche Soldaten im Kampf, sondern auch einen wichtigen Schritt in Richtung gesellschaftlicher Einheit – in einer Zeit, in der innere Spaltungen dem Land genauso gefährlich werden könnten wie äußere Feinde.




