Israel Heute: Was inspiriert Sie, israelische Araber zur Verteidigung der jüdischen Nation zu ermutigen?
Haddad: Als sich im Oktober 2003 im Maxim-Restaurant in Haifa nicht weit von mir eine Selbstmordattentäterin in die Luft jagte, waren unter den 21 Toten auch vier Araber. Einen Monat später trat ich in die israelische Armee ein. Mir war bewusst geworden, dass es nicht darum geht, dass wir Juden oder Araber sind, sondern dass wir Israelis sind, weswegen sie uns töten. Mir war klar, dass ich mein Land verteidigen musste.
Wie war es, als Araber in der israelischen Armee zu dienen?
Ich habe in der Golani (EliteKampfeinheit) gedient. Die Erfahrung veränderte mein Leben und machte mich zu einem besseren Menschen. In der Armee behandeln wir uns als Brüder. Wir schützen uns gegenseitig. Soldaten werden zu einer Familie. Es heißt, Araber brauchen nicht zu dienen. Warum eigentlich nicht? Das ist unser Land. Wir sollten alle unser Land verteidigen. Trotzdem war ich der einzige in meinem Dorf, der sich gemeldet hat. Im zweiten Libanonkrieg flog eine Hisbollah-Rakete an mir vorbei und schlug in eine Mauer ein. Die Explosion warf mich in die Luft, und als ich auf meinem Bauch landete, war mein Rückgrat gebrochen. Ich habe ein Jahr in der Rehabilitation verbracht. Trotzdem gebe ich immer noch die Wichtigkeit des Armeedienstes an die nächste Generation weiter.
Sie haben ein Programm ins Leben gerufen, um israelische Araber über den Holocaust zu informieren. Warum ist Ihnen das wichtig?
Wenn wir verstehen, dass unsere jüdischen Brüder, und ich sage bewusst Brüder, einen Holocaust durchgemacht haben, schätzen wir uns gegenseitig mehr. Wir müssen unsere Kinder darüber aufklären. In der Schule hören wir nur kurz vom Holocaust, etwas, das im 2. Weltkrieg geschah. Es war fast so, als würden sie etwas verstecken. Wir haben viel über die Nakba (die sogenannte palästinensische Tragödie) gelernt. Das ist falsch. Wir leben, arbeiten und interagieren den ganzen Tag mit jüdischen Menschen. Nur wenn wir uns besser verstehen, können wir zusammen ein besseres Leben führen. Wer den Holocaust leugnet, ist ein völliger Idiot. Das ist eine weitere gefährliche Lüge über Israel.
Finden Ihre Ideen bei den israelischen Arabern Anklang?
Unser gemeinnütziger Verein „Gemeinsam – für einander einstehen“ wurde erst im vergangenen April gegründet. Die Medien waren sehr kooperativ und halfen uns, unsere Ansichten auszudrücken. Die Mehrheit der Menschen sagt uns: „Wir sind auf eurer Seite.“ Ich habe auch einige Kontakte in der Knesset, die an unserer Arbeit interessiert sind. Wir sind keine politische Organisation, aber wir bauen gute Beziehungen zu den Menschen auf, die zur Verbesserung der jüdischen und arabischen Beziehungen in Israel beitragen können. Hauptsächlich jüdische und christliche Gruppen unterstützen unsere Bemühungen, obwohl es eine israelisch-arabische Firma war, die unser Programm als erste unterstützte.
Was ist mit der israelischen Nationalhymne Hatikva, wo es heißt: „Solange in unseren Herzen die jüdische Seele singt“?
Ich werde mein Land nicht bitten, diese schöne Nationalhymne zu ändern. Ich singe unsere Hymne, aber ich ändere sie ein wenig. Ich singe Nefesh Israeli (die israelische Seele) anstelle von Nefesh Jehudi (die jüdische Seele).
Was ist mit dem Konzept Israels als jüdischer Demokratie?
Seit 70 Jahren versuchen die Menschen die Tatsache zu ändern, dass Israel ein jüdischer Staat ist. Arabische Knessetmitglieder wollen nur einen demokratischen und keinen jüdischen Staat schaffen. Araber müssen verstehen, dass sich dies nie ändern wird. Israel wird ein jüdischer und demokratischer Staat bleiben. Für mich ist das kein Problem. Nennen Sie es, wie Sie wollen. Was zählt, ist, dass Israel für alle Bürger demokratisch bleibt.
Wie bewerten Sie das neue Nationalgesetz, das Israel als Nationalstaat des jüdischen Volkes bezeichnet?
Das Gesetz hat für uns nichts geändert. Es fühlte sich jedoch an wie ein Stich ins Auge. Sogar der Premierminister und der Bildungsminister räumten nach dem Protest der Drusen schließlich ein, dass ein Problem mit dem Gesetzesentwurf bestehe. Ich akzeptiere das Gesetz, würde aber den Teil entfernen, dass Arabisch nicht mehr als Amtssprache gilt. Wenn ich den Menschen auf der ganzen Welt erkläre, dass Israel kein Apartheidstaat ist, frage ich sie, wie Israel ein Apartheidland sein kann, wenn Arabisch eine Amtssprache ist. Jetzt kann ich das nicht mehr sagen. Das Gesetz war den arabischen Bürgern gegenüber eine unnötige Kränkung.




