Als ich ein kleines Mädchen war, lebte ich in einem kleinen, pastoralen Viertel im Ohel Moshe-Viertel von Jerusalem, eine geschlossene Nachbarschaft, Autos konnten dort nicht hineinfahren. Es gab dort einen großen Innenhof mit einem Sandkasten und Bäumen. Und um den Hof herum standen kleine Häuser nebeneinander. Die Türen standen immer offen, es war ein Gefühl des angenehmen Zusammenlebens. Einer kannte den anderen es gab ein harmonisches Miteinander der Liebe und des Teilens.
Eine der stärksten Erinnerungen, die ich an diese Zeit habe, ist Purim. Meine Mutter hatte mir ein Kostüm der Königin der Nacht angefertigt. Aus Krepp-Papier machte sie mir einen großen schwarzen Umhang und einen Rock. Darauf klebte sie goldene Sterne und den Mond. Sie setzte mir eine Krone auf den Kopf und gab mir einen Zauberstab. Ich fühlte mich wirklich wie eine Prinzessin aus dem Film. Und in dieser Verkleidung schickte sie mich dann zu den Nachbarhäusern des Viertels, um die traditionellen Mishloah Manot, Geschenkkörbe mit Süßen Leckereien, zu verteilen. Dazu muss ich erklären, dass wir diese Geschenkkörbe schon eine Woche vorher vorbereitet hatten.
Die Nachbarn arbeiteten zusammen an alle möglichen Sorten von Keksen und leckeren Kuchen. Es war alles Handarbeit. Ich erinnere mich noch heute an die Düfte des Backens. Als meine Mutter mit dem Backen fertig war, kaufte sie spezielle Teller und schöne Papierservietten. In jeden Teller legte sie dann viele verschiedene Sorten von Keksen. Es gab auch Kekse, die sie mit bunten Süßigkeiten bestreut hatte. Und jetzt denken Sie mal, wie sich so etwas auf ein sechsjähriges Mädchen auswirkt. Wow, ich wollte den ganzen Teller verschlingen. Die Teller wurden mit transparentem Zellophanpapier eingepackt.
Meine Mutter schickte mich dann jedes Mal mit einem Teller zu einem der Nachbarn. In meiner Prinzessinkleidung fühlte ich mich königlich. Ich ging von Haus zu Haus und verteilte die „Mishlochei Manot“. Jede Nachbarin, die von mir einen so großen Teller bekam, gab mir ein Pfund (damals war es die israelische Währung) Dieses Pfund war das sogennannte Purimgeld. Und so sammelte ich viele Pfund und meine Mutter steckte sie alle in die Spardose, die ich hatte, als ich klein war. In der Tat könnte man sagen, dass es mein erster Job war und ich dabei gar nicht so schlecht verdient habe.
Im Nachhinein habe ich gelernt, wie wichtig es ist, mit Vergnügen zu arbeiten und mit Freude zu verdienen. Die Arbeit in unserem Leben muss von einer Leidenschaft begleitet sein, genau der Leidenschaft, die ich hatte, als ich die Geschenkkörbe verteilte. Und ja, das Wichtigste, das ich dabei gelernt hatte, war, wie viel Spaß es macht, zu geben, und wie viel Spaß es macht, zurückzubekommen.
Dieser Brauch der Geschenkpakete stammt aus dem Buch Esther und er wird bis heute weitergeführt, denn es steht geschrieben:
„In den Tagen, als die Juden Ruhe von ihren Feinden hatten und den Monat, der ihnen umgewandelt wurde von Kummer in Freude und von Trauer zum Festtag – sie zu Tagen des Festmahls und der Freude und des gegenseitigen Übersendens von Leckerbissen und Geschenken für die Armen zu machen.“ – Megillat Esther Kapitel 9:22





