Zwei israelische Soldaten sind nach Militärangaben am Montag im Südlibanon durch eine Drohne der Hisbollah verletzt worden, einer von ihnen schwer. Die Verwundeten wurden zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht, ihre Familien informiert. Die Armee wertete den Angriff als Verletzung der Waffenruhe durch die Hisbollah.
Am Dienstagmorgen meldete das Militär zudem einen weiteren Vorfall: In einem Einsatzgebiet im Libanon wurde ein Abfangversuch gegen ein verdächtiges Luftziel eingeleitet. Das Ergebnis des Einsatzes werde noch geprüft.
Die Lage an Israels Nordgrenze bleibt angespannt, trotz der offiziell geltenden Waffenruhe. Am Montagmorgen heulten im westlichen Galiläa erneut die Sirenen, nachdem die Hisbollah Drohnen aus dem Libanon gestartet hatte. Tausende Menschen suchten Schutzräume auf. Die israelische Armee bestätigte, dass ein Abfangversuch unternommen wurde, verlor jedoch anschließend den Kontakt zu dem Ziel. Verletzte gab es nicht.
Zusätzlich wurden weitere Alarme im Norden ausgelöst, unter anderem aus Sorge vor herabfallenden Trümmern nach Abfangversuchen. Später am Tag feuerte die Hisbollah zwei mit Sprengstoff beladene Drohnen auf israelische Soldaten im Südlibanon ab. Eine Drohne schlug in unmittelbarer Nähe einer Einheit ein, eine zweite wurde von der Luftwaffe abgefangen. Auch in diesen Fällen wurden keine Verletzten gemeldet. Die Armee wertete die Vorfälle als klare Verletzung der Waffenruhe durch die Hisbollah.
Die Vorfälle reihen sich ein in eine Serie von Angriffen, die deutlich machen, wie brüchig die Waffenruhe ist. Bereits am Vortag war ein israelischer Soldat durch eine Drohne getötet worden, der erste Todesfall durch einen direkten Hisbollah-Angriff seit Inkrafttreten der aktuellen Feuerpause. Weitere Soldaten wurden verletzt.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte entsprechend deutlich. Die Hisbollah, so der Ministerpräsident, sei dabei, die Waffenruhe im Grunde aufzulösen. Für Israel gelte daher vor allem eines: die Sicherheit der eigenen Bevölkerung und der Soldaten. Man werde weiterhin entschlossen handeln, nicht nur als Reaktion, sondern auch präventiv gegen unmittelbare Bedrohungen.
Vor dem Hintergrund der angespannten Sicherheitslage wurden auch zivile Veranstaltungen eingeschränkt. Das Büro der Regierung teilte mit, dass die traditionellen Lag BaOmer Feierlichkeiten am Berg Meron in diesem Jahr nur in stark reduziertem, symbolischem Rahmen stattfinden sollen. Grund seien unter anderem die Nähe zur libanesischen Grenze, anhaltender Beschuss sowie die Schwierigkeit, im Ernstfall große Menschenmengen zu evakuieren.
Diese Haltung spiegelt sich auch in den militärischen Aktivitäten wider. In den vergangenen Tagen hat die israelische Armee ihre Operationen im Südlibanon ausgeweitet. Mehr als 50 terroristische Infrastrukturen wurden nach Militärangaben zerstört, darunter auch ein Tunnel sowie Waffenlager. Eines davon befand sich in einem Kinderzimmer, was einmal mehr die systematische Nutzung ziviler Einrichtungen durch die Hisbollah unterstreicht.
Parallel dazu wurden mehrere Luftangriffe durchgeführt, unter anderem gegen bewaffnete Kämpfer, die sich israelischen Truppen näherten. Laut Armee handelte es sich um unmittelbare Gefahrenlagen. Sekundäre Explosionen nach den Angriffen deuteten auf gelagerte Waffen hin.
Auch politisch verschärft sich die Situation. Hisbollah-Chef Naim Qassem wies direkte Verhandlungen mit Israel kategorisch zurück und bezeichnete sie als schwere Sünde. Seine Botschaft ist eindeutig: Die Organisation sieht sich nicht an diplomatische Prozesse gebunden und setzt weiter auf Konfrontation.




