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Die Fantasiefabrik: Warum Menschen Lügen über Israel verbreiten

Der menschliche Geist ist darauf ausgelegt, auf Bilder und Erzählungen zu reagieren – nicht darauf, Satellitendaten abzugleichen und nach Fakten zu graben.

Illustration: Adobe Stock.

(JNS) Etwas Seltsames geschieht derzeit im Internet. „Tel Aviv wurde dem Erdboden gleichgemacht.“ „Bib wurde getötet.“ „Chabad hat den Krieg mit dem Iran inszeniert.“ „Israel zerstört die Al-Aqsa-Moschee.“ Zehntausende Beiträge, Millionen von Aufrufen – und doch ist alles völlig frei erfunden.

Jeder mit einem Mindestmaß an Realitätssinn erkennt diese Behauptungen sofort als das, was sie sind. Warum also verbreiten Menschen so etwas? Und mehr noch: Warum glauben so viele daran?

Wir leben gewissermaßen gleichzeitig auf zwei Planeten. Auf dem einen entfalten sich Ereignisse auf der Grundlage von Ursachen, Beweisen und Fakten. Auf dem anderen existiert eine Parallelwelt auf X und ähnlichen Plattformen – ein Ort, den ich „Fake-istan“ nenne.

In Fake-istan ist Israel immer im Unrecht, immer der Aggressor – und zugleich ständig am Verlieren, entlarvt, kurz vor der Vernichtung. Dort gelten weder Beweise noch Geografie, Physik oder einfache Logik.

Was dabei wirklich auffällt – und das ist tatsächlich bemerkenswert – ist, wer sich in Fake-istan aufhält. Achtet man darauf, erkennt man ein Muster.

Die Accounts, die erfundene israelische Opferzahlen feiern, sind oft dieselben, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren lautstark behauptet haben, Israel begehe einen angeblichen Völkermord, also versuche, 2,2 Millionen Palästinenser in Gaza zu töten. Die Menschen, die sich an der Vorstellung ermordeter israelischer Zivilisten berauschen, sind dieselben, die sich zuvor empört über palästinensische Opfer gezeigt haben – ob diese real waren oder nicht.

Das ist kein Zufall. Es ist ein Einblick in etwas Tieferes.

Die moralische Energie hinter den Völkermordvorwürfen entsprang nie in erster Linie humanitären Motiven; schließlich begannen diese Anschuldigungen lange bevor Israel überhaupt in Gaza einmarschierte.

Vielmehr ging es darum, ein bereits vorhandenes Bedürfnis zu befriedigen – den Wunsch, jüdische Macht gebrochen und jüdische Menschen bestraft zu sehen. Menschen, die eine solche Blutlust empfinden, haben ein schlechtes Gewissen, besonders seit dem Holocaust. Der einfachste Ausweg besteht darin, die Gehassten derart schwerer Verbrechen zu beschuldigen, dass die eigene innere Wut gerechtfertigt erscheint. Wenn reale Ereignisse diese Befriedigung nicht liefern, springt die Fantasie ein.

Der sowjetische Schriftsteller und Journalist Wassili Grossman formulierte es so: „Sagt mir, was man den Juden vorwirft, und ich sage euch, woran sie selbst schuldig sind.“ Der britische Journalist und Autor Douglas Murray griff diesen Gedanken in einem Interview mit Channel 14 im Oktober 2024 auf und präzisierte: „Diejenigen, die schreien, Israel begehe einen Völkermord, sind diejenigen, die selbst einen begehen wollen.“

Fake-istan existiert, um dieses Bedürfnis zu bedienen.

Doch es gibt weitere Kräfte, die eine Rolle spielen. Das iranische Regime verbreitet gefälschte Aufnahmen von angeblicher Zerstörung in Israel, weil Propaganda eine Waffe ist – und man sich im Krieg befindet. Russland verstärkt diese Inhalte aus anderen Gründen: um Verwirrung im Westen zu stiften und das Vertrauen in amerikanische Bündnisse zu untergraben. Katar wiederum, kein Freund Israels, flutet über Al Jazeera und zahlreiche angeschlossene Netzwerke das Internet mit anti-israelischer Propaganda und trägt so zur Verbreitung dieser Lügen bei. Diese Akteure wissen, dass es einen Markt für solche Inhalte gibt – und bedienen ihn gezielt.

Darunter liegt jedoch auch ein ganz gewöhnlicher menschlicher Mechanismus. Das Gehirn unterscheidet nur schwer zwischen Realität und lebhafter Vorstellung. Deshalb weinen wir bei Filmen. Deshalb kann ein gut gemachtes Video eines „zerstörten“ Tel Aviv echte emotionale Reaktionen hervorrufen – selbst bei Menschen, die es besser wissen müssten. Der menschliche Geist reagiert auf Bilder und Geschichten, nicht auf mühsame Faktenprüfung.

Zudem sind Menschen soziale Wesen. Wir denken, fühlen und ordnen uns Gruppen zu. Wer sich heute politisch links verortet, wird oft so intensiv mit entsprechender Propaganda beschallt, dass er den Quellen vertraut, die ihn versorgen. Gruppendenken ist ein reales soziologisches Phänomen – und geistige Milieus erzeugen in großem Maßstab Konformität im Denken.

Früher glaubten Massen an Ritualmordlegenden, und ganze Rechtssysteme erklärten jüdische Gemeinschaften kollektiv für schuldig. Die heutigen Vorwürfe sind nicht weniger absurd – doch innerhalb solcher Denkmuster erscheinen sie plausibel.

Den Rest erledigt Wunschdenken. Wenn Menschen etwas unbedingt für wahr halten wollen, sinkt ihre Schwelle, Beweise zu akzeptieren, drastisch. Ein unscharfes Video oder ein KI-generierter Clip, dazu eine dramatische Überschrift oder tausend Retweets – und schon reicht es. Wiederholt sich das immer wieder, beginnt der Verstand, die Lüge für Realität zu halten, egal wie absurd sie ist.

Was dieser Moment tatsächlich offenlegt, ist die emotionale Architektur des Israelhasses. Der Krieg hat die höflichen Begründungen abgestreift und offengelegt, was darunter liegt. Weder prinzipielle Kritik an einzelnen politischen Entscheidungen noch echte humanitäre Sorge waren die treibenden Kräfte hinter anti-israelischen Narrativen.

Diese Botschaften entstanden, um ein tiefes, ungeordnetes Bedürfnis zu erfüllen: Israel scheitern und Juden leiden zu sehen. Wenn die Realität das nicht liefert, wird eine alternative Version der Ereignisse konstruiert.

Das sagt uns auch etwas darüber, wie man darauf reagieren sollte. Fake-istan mit Faktenchecks zu bekämpfen, ist in vieler Hinsicht ein Kategorienfehler. Die Menschen, die solche Inhalte produzieren und konsumieren, bewegen sich nicht primär im Bereich der Fakten – sondern im Bereich der Wünsche.

Das macht die Lügen nicht weniger gefährlich. Propaganda beeinflusst die öffentliche Meinung – selbst dann, wenn sie offensichtlich ist. Und das Ausmaß dessen, was derzeit produziert wird, ist gewaltig.

Aber es sollte unser Verständnis dafür schärfen, womit wir es tatsächlich zu tun haben.

Zwei Planeten unter einem gemeinsamen Himmel.
Die Kluft zwischen ihnen ist nicht in erster Linie ein Informationsproblem.

Sondern ein moralisches.

About the author

Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Die Fantasiefabrik: Warum Menschen Lügen über Israel verbreiten”

  1. Stephan Wolf sagt:

    Sehr gute Analyse von Rabbi Rowe

    Man kann dieses Phänomen auch spirituell beschreiben, denn alles, was hier in der uns sichtbaren Welt geschieht, hat unsichtbare, übernatürliche Ursachen. Es findet um uns, unsere Köpfe und diese Welt ein spiritueller Krieg statt, der sich gerade massiv zuspitzt, weil die Gegenseite erkannt hat, dass ihr Ende gekommen ist. Darum werden sie noch einmal besonders aggressiv, hemmungslos und lästig, wie die Wespen im Herbst weil sie wissen, dass ihr Ende gekommen ist. Daher dieses derzeitg weltweite Aufflammen von allen Arten von Hass und Antisemitismus.

    Bald wird das alles vorbei sein, denn die Kräfteverhältnisse werden sich schneller als man denkt komplett umdrehen und die, die heute besonders laut sind und überall dominieren und den Ton angeben, werden dann kleinlaut sein, weil sie als Irrtumsmenschen entlarvt sind.

    Den Juden und vielen anderen Gerechten unter allen Völkern, die unter den heutigen Zuständen leiden, wird dann Macht über ihre heutigen Peiniger gegeben. Es gibt dann keine Verpflichtung zu Nachsicht oder Gnade, denn auch sie wollen davon ja in den heutigen Tagen den Gerechten gegenüber nichts wissen. Die Zeit ist bald, denn unsere Generation wird diese vollständige Umkehrung der Verhältnisse erleben. Es wird alles wieder sein, so wie es zu Beginn war.

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