Eine neue eingehende Studie (auf Hebräisch) des israelischen Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center kommt zu dem Schluss, dass eine bedeutende Mehrheit der Personen, die als Journalisten und Medienmitarbeiter identifiziert wurden und während des Gaza-Krieges getötet wurden, keine neutralen Nachrichtenbeschaffer waren, sondern terroristischen Organisationen angehörten, darunter der Hamas und dem Palästinensischen Islamischen Dschihad.
Die Studie untersuchte 266 Palästinenser, die in verschiedenen Presseberichten und offiziellen Listen als Journalisten oder Medienmitarbeiter beschrieben wurden und zwischen dem Ausbruch der Feindseligkeiten am 7. Oktober 2023 und Ende 2025 getötet wurden. Den Ergebnissen zufolge waren mindestens 157 dieser Opfer – etwa 60 Prozent – Mitglieder von Terrororganisationen oder standen in eindeutiger Verbindung zu solchen, darunter in Funktionen sowohl in der Propaganda als auch in operativen Aktivitäten.
Davon standen 104 Personen in Verbindung mit der Hamas, 45 mit dem Palästinensischen Islamischen Dschihad und eine kleinere Anzahl mit den bewaffneten Flügeln der Fatah, der Volksfront für die Befreiung Palästinas, der Demokratischen Front für die Befreiung Palästinas oder den Volkswiderstandskomitees.
Die Grenze zwischen Medien und Militanz verschwimmt
Die Analyse des Geheimdienstzentrums unterstreicht, dass es sich hierbei nicht um vereinzelte oder zufällige Fälle handelte. Vielmehr waren viele der als Journalisten gezählten Personen in Terrornetzwerke eingebunden – sie waren bei Medienunternehmen beschäftigt, die von der Hamas oder ihren Verbündeten betrieben wurden, oder aktiv in militärische Einheiten involviert. In einer Reihe von dokumentierten Fällen fungierten Personen, die als Medienfachleute beschrieben wurden, auch als Kämpfer oder Agenten, was eine bewusste Strategie von Terrororganisationen widerspiegelt, Medienarbeit mit operativen Zielen zu verbinden.
Siehe auch: Wie viele Journalisten wurden in Gaza getötet? Die Antwort lautet: null
Seit Jahrzehnten investiert die Hamas massiv in ihren Informationsapparat und behandelt die Medien als zentrale Front in ihren ideologischen und taktischen Kampagnen. Ihre eigenen Publikationen und Kanäle werden streng von der Bewegung kontrolliert und nicht von unabhängigen Presseverbänden, was die Verbindung zwischen Medienarbeit und politischer Kriegsführung festigt. Diese Kanäle senden oft in Echtzeit aus Konfliktgebieten, verstärken Narrative und schützen gleichzeitig die operative Führung.
Komplizierte Darstellung der Opferzahlen
Internationale Organisationen für Pressefreiheit und Menschenrechtsgruppen haben wiederholt die Opfer unter Journalisten in Gaza als Beweis für unverhältnismäßige Gewaltanwendung oder gezielte Angriffe durch israelische Streitkräfte angeführt. Im vergangenen Jahr behauptete Reporter ohne Grenzen, dass Israel für einen großen Teil der Todesfälle von Journalisten weltweit verantwortlich sei, und verwies dabei auf Dutzende palästinensischer Medienmitarbeiter, die in dem Konflikt getötet wurden. Solche Einschätzungen wurden genutzt, um Israel als besonders feindselig gegenüber Medienmitarbeitern darzustellen.
Die Studie des Intelligence Center relativiert diese Darstellung jedoch, indem sie zeigt, dass ein erheblicher Teil der als Journalisten bezeichneten Personen keine unabhängigen oder neutralen Reporter waren, sondern vielmehr mit Terrororganisationen verflochten waren. Viele der gezählten Personen waren mit Medien verbunden, die effektiv von der Hamas oder anderen militanten Fraktionen kontrolliert wurden, sodass sie eher Teil des politischen und militärischen Apparats dieser Organisationen waren als autonome Beobachter.
Auswirkungen auf den internationalen Diskurs
Diese Analyse ist bereits in die breitere Debatte darüber eingeflossen, wie journalistische Opfer kategorisiert und kontextualisiert werden. Die Anwesenheit von mit Terroristen verbundenen Aktivisten unter den Getöteten stellt vereinfachende Interpretationen der Opferzahlen in Gaza in Frage und unterstreicht die Komplexität der Informationskriegsführung in modernen Konflikten, in denen die Grenzen zwischen den Rollen der Medien und denen militanter Gruppen zunehmend verschwimmen.
Indem die Studie die Überschneidungen zwischen Medienarbeit und der Zugehörigkeit zu Terrororganisationen aufzeigt, zwingt sie zu einer Neubewertung der Art und Weise, wie Opfer gemeldet, vom internationalen Publikum verstanden und in rechtlichen und politischen Bereichen verwendet werden. Ob vor Gerichten, in UN-Foren oder in Menschenrechtskampagnen – die Kategorie „Journalist” in Gaza kann nicht länger als Synonym für Neutralität angesehen werden, ohne dass die Zugehörigkeit und Rolle jedes Einzelnen sorgfältig überprüft wird.




