all

all

Gedanken zum Schabbat

Was für wunderbare Nachrichten! Gestern erwachten wir mit der Botschaft, dass alle Geiseln zurückkehren. Halleluja! Der Krieg geht zu Ende. Halleluja!

Wochenlesung – וְזֹאת הַבְּרָכָה – Wesot Ha´Bracha – Und das ist der Segen ; 5.Mose 33,1 – 34,12 ; Josua 1,1 – 18

Tag für Tag, bis zur Rückkehr der Geiseln und der Soldaten, habe ich gebetet, Worte der Stärkung gesendet, mit dem priesterlichen Segen gesegnet, mit dem Segen der Engel begleitet. An diesem Schabbat vollenden wir das fünfte Buch Mose, das Ende eines schmerzhaften, erschütternden Kapitels. Mose verabschiedet sich vom Volk Israel und das Volk steht an der Schwelle zum Verheißenen Land. Und siehe da, auch heute, beim Lesen des Abschnitts „Und dies ist der Segen“ (וזאת הברכה), wissen wir, alle, alle Soldaten und Geiseln werden in den kommenden Tagen in das Verheißene Land zurückkehren.

Was bedeutet es, am Ende zu stehen und gleichzeitig wieder neu zu beginnen? Wie fühlt es sich an, wenn ein großer Weg zu Ende geht, und doch schon der nächste Anfang sichtbar wird – leise, hoffnungsvoll, unausweichlich? Ist nicht jeder Abschied, wenn wir ihn mit offenem Herzen leben, in Wahrheit ein neuer Anfang? Mit diesen Fragen öffnet sich die letzte Wochenlesung, der Segen. Mose verabschiedet sich vom Volk Israel, vom Leben, von der Geschichte und schenkt uns dabei das vielleicht Größte: den Mut, weiterzugehen.


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

Wie schön ist es, die fünf Bücher Mose, die Tora, mit einem Segen zu beenden! Wie viel Kraft liegt in einem Segen und wer, wenn nicht Mose, weiß das und setzt es um. Mose verabschiedet sich vom Volk und segnet es, mit einem Herzen voller Dankbarkeit und Fülle. Er nimmt Abschied wie ein Vater, der seine Kinder liebt und sich um sie sorgt, und hinterlässt ihnen sein geistiges Testament in einem wahrhaft dramatischen Moment, dem Moment des Endes der Reise.

Moses Leben nimmt ein Ende und er nimmt Abschied vom Volk. Und das Volk beendet seine Wanderung und steht kurz davor, in das Verheißene Land einzuziehen. Zunächst richtet Mose seine Worte an das ganze Volk, allgemeine, umfassende Worte. Doch dann wendet er sich an jeden Stamm einzeln und segnet ihn persönlich. Das erinnert sehr an die Segnungen Jakobs an seine Söhne, auch er sprach zu jedem Einzelnen, segnete und sagte voraus, was ihm in der Zukunft geschehen würde.

Und siehe, diese Söhne sind nun Stämme geworden, und die Stämme sind zu einem Volk geworden, und dieses Volk kehrt nun in seine Heimat zurück. Das Volk kommt nach Hause. Wie viel Freude liegt in diesem Satz! Diese letzten Kapitel im Buch enden mit dem Tod des großen Anführers, eines Mannes, wie es keinen zweiten in Israel gegeben hat, des Mannes, der von Angesicht zu Angesicht mit Gott sprach, des Anführers, der uns eine Lebensrichtung gezeigt hat.

Und was nun? Ist das das Ende? Vorbei? Bleiben wir mit Mose jenseits des Jordans und beweinen seinen Tod? Wo ist also das „Happy End“? In der Bibel Israels, im Gegensatz zu einem Hollywoodfilm, kommt ein Happy End immer später und nicht nach 90 Minuten wie im Film. Das endgültige Happy End kommt mit der Erlösung und dem Messias.

Und sobald wir die letzten Verse gelesen haben, kehren wir sofort an den Anfang zurück, zum Buch Bereschit, dem ersten Buch Mose. Die Weltschöpfung. Alles ist so symbolisch, so ewig. Was war, wird wieder sein. Mose endet und Mose beginnt. Es gibt Unsicherheit, aber wir wissen genau, was kommen wird: Chaos und Dunkelheit und dann: Es werde Licht. Die Schöpfung beginnt erneut.

Und alles entfaltet sich wieder vor unseren Augen. Jedes Jahr aufs Neue, alles ist bekannt, und doch jedes Mal anders, neu, lebendig. Jeder Morgen ist neu. Jeder Abschied ist neu. Jede Liebe ist neu. Jede Geburt, jeder Tod. Und auch wir, wie die Kinder Israels, sind dazu aufgerufen, jeden Tag neu zu beginnen. Mutig zu sein. Mit Hoffnung zu erwachen. Die Stimme Gottes zu hören und den Geist zu spüren, der in uns wirkt. Und wieder neu zu beginnen, Bereschit, von Anfang an.

Und jeder „Anfang“ ist anders als der vorige. Wir verändern uns, und mit uns verändert sich auch der Blick auf dieselben Dinge. „Jeder Tag eine neue Sonne, jeder Tag dem anderen ähnlich“ und doch, nichts ist gleich.

Das fünfte Buch (דברים) ist zu Ende, beendet, aber nicht vollendet. Doch gerade das ist eine Gelegenheit, am Ende dieses Buches, am Ende des jährlichen Tora Zyklus und am Beginn eines neuen Jahres, Segen zu sprechen. Ich segne uns alle mit Erneuerung, dass wir sie in unserem Leben spüren, dass sie unseren Alltag erfüllt. Ich wünsche uns, dass wir uns ständig weiterentwickeln und im Fluss des Lebens bleiben.

Dass ein guter Geist in unseren Herzen weht. Gottes Geist. Dass jedes Ende uns die neue, pulsierende, erwartungsvolle Anfangskraft fühlen lässt. Heute beende ich das Schreiben aller Wochenabschnitte für das Jahr 5785, Halleluja dafür! Durch das Schreiben und die Ausdauer über viele Jahre hinweg konnte ich mein Buch „Ihr aber wählet das Leben“ veröffentlichen, ein persönlicher Weg des Glaubens und des Wachstums, ein Buch, das auch für euch zu einer Reise der Entfaltung werden kann. Jedes erneute Lesen öffnet uns Fenster, zu neuen Erkenntnissen, zu anderen Einsichten, zu unbekannten Räumen.

Und in der nächsten Woche, mit dem Neubeginn der Tora und der Heimkehr der Gefangenen ins Gelobte Land, werden auch wir von Bereschit, von „Im Anfang“, neu beginnen, das Land erneuern, aufbauen, heilen, atmen und leben als ein Volk, das den Frieden sucht und das Leben wählt. Möge für uns alle eine neue Schöpfung beginnen.

Bis dahin wünsche ich uns allen ein Jahr voller Güte. Ein Fest und ein Leben voller Freude. Erinnert euch an Simchat Tora, die Freude ist ein innerer Seelenzustand, der unser Leben begleiten und in uns wohnen kann, wenn wir ihn nur wählen. Also wählt das Gute. Schabbat Schalom und von Herzen danke, danke, danke, dass Ihr mich durch die fünf Bücher Mose begleitet habt. Eure Anat,

 

Schabbat Schalom!

 

 

Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :

  •  Jerusalem – Beginn 17:37 Ausgang 18:48
  •  Tel Aviv – Beginn 17:52 Ausgang 18:49
  •  Haifa – Beginn 17:43 Ausgang 18:48
  •  Beersheva – Beginn 17:55 Ausgang 18:50
  •  Eilat – Beginn 17:45 Ausgang 18:50

About the author

Patrick Callahan

This is an example of author bio/description. Beard fashion axe trust fund, post-ironic listicle scenester. Uniquely mesh maintainable users rather than plug-and-play testing procedures.

Mitglieder

Israel Heute Mitgliedschaft


Digital Monatlich Digital Jährlich Print + Digital (Deutschland) Print + Digital (International)
Preis
6.90
/ Monat

(€82,80 Jährlich)
51,00
/ Jahr
63,00
/ Jahr
73,00
/ Jahr
Voller Zugang zu allen Mitglieder-Inhalten
Gedrucktes Magazin (6 Ausgaben pro Jahr)
Magazin als E-Paper
Exklusive Zoom-Veranstaltungen
Werbefreies Lesen
Kostenloser Probemonat
Ersparnis gegenüber dem Monatsabo - 38,41% / €31,80 23,91% / €31,80 11,84% / €31,80
Effektiver Jahrespreis €82,80 €51,00 €63,00 €73,00

Ein Kommentar zu “Gedanken zum Schabbat”

  1. Uwe Janke sagt:

    Sehr geehrte Anat,
    der EWIGE hat sichtbar den Lauf der Geschichte beeinflusst.
    Ich freue mich mit dir und deiner Familie, dass eure Söhne und Töchter hoffentlich aus dem Kriegseinsatz gesund zurück kehren.
    Die Lektüre der Gedanke zum Schabbat und dein Buch „Ihr aber wählt das Leben“ sind ein Gewinn für mich.
    Ich lerne daraus über unseren gemeinsamen Rabbi; die jüdischen Hintergründe erhellen viele Aussagen des Zweiten Testamentes.
    Gesegnete Festtage und Shalom nach Israel.

Schreibe einen Kommentar

Anmelden