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Ein Wandel wird kommen – das weiß ich!

Ich bin überzeugt: Bessere Zeiten werden kommen. Was mich daran glauben lässt? Glaube und Hoffnung – meine inneren Werkzeuge. Sie halten mich aufrecht, selbst wenn das Leben im Land schwer auf uns lastet. Und da ist noch etwas, das mich trägt: Musik.

A Change Is Gonna Come
Bild: KI-generiert

Zoom

Aviel Schneider

Wer mich kennt, weiß, welchen Stellenwert sie in meinem Leben hat. Sie ist nicht nur Hintergrundklang, sondern ein innerer Resonanzraum. Es sind nicht allein die Melodien, die mich bewegen – ebenso die Worte. Wenn beides miteinander verschmilzt, wenn Töne und Texte sich gegenseitig verstärken, beginnt etwas in mir zu schwingen. Zu Hause, unterwegs, im Auto – Musik ist mein ständiger Begleiter. Mein treuester technischer Freund dabei: Herr Spotify.

Meine Playlist ist ein Streifzug durch die Klanglandschaften dieser Welt – von klassischer Musik über Blues, Jazz, Rock, R&B und Soul bis hin zu hebräischen Liedern und Worship-Songs. Ein Leben ohne Musik? Unvorstellbar. Sie beruhigt, inspiriert, manchmal nervt sie auch – aber gerade das macht sie ehrlich. Es gibt unzählige Songs, über die ich schreiben könnte. Lieder, die Sinn stiften, zum Nachdenken bringen oder einfach einen emotionalen Moment einfrieren. Heute aber möchte ich über ein ganz besonderes Lied sprechen: „A Change Is Gonna Come“. Auch für Israel!

 

„A Change Is Gonna Come“ – Sam Cookes ewiges Lied von Schmerz und Hoffnung

Manche Lieder klingen wie ein Zeitdokument, andere wie eine Prophetie. „A Change Is Gonna Come“ von Sam Cooke ist beides. Entstanden inmitten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, erzählt der Song von tiefer persönlicher Verletzung – und zugleich von einer Hoffnung, die weiterreicht als der Moment. Es ist ein Lied wie ein Psalm. Ein Protestlied ohne Parolen. Eine Hymne der Zuversicht, geschrieben von einem Mann, der wenige Monate nach der Aufnahme erschossen wurde.
Sam Cooke, der mit Hits wie „You Send Me“ und „Wonderful World“ Millionen begeisterte, war 1963 ein Star – aber ein schwarzer Star in einem tief gespaltenen Amerika. Eine rassistisch motivierte Zurückweisung in einem Motel wurde für ihn zum Wendepunkt. Zeitgleich hörte er Bob Dylans „Blowin’ in the Wind“ und fragte sich: „Warum habe ich so ein Lied nicht geschrieben?“ So entstand „A Change Is Gonna Come“ – ein Song, den Cooke nur selten live sang, so sehr rührte er ihn auf.

 

„It’s been a long, a long time coming / But I know a change gonna come – oh, yes it will.“

Diese Zeilen sind mehr als ein Refrain – sie sind eine Verheißung. Und ein Durchhalteversprechen für ein Amerika, das noch weit entfernt war von Gleichheit. Cookes Lied ist kein klassisches Protestsong-Manifest, keine Anklage mit erhobener Faust. Gerade dadurch wird es universell – und gilt auch für uns. Ich bin sicher: Bessere Zeiten stehen bevor.

Auch heute hat dieses Lied nichts von seiner Kraft verloren. Doch so sehr es mich berührt, ziehe ich bewusst keinen Vergleich zwischen dem Leid der Schwarzen in Amerika und der Situation der Palästinenser in unserer Region. So naheliegend dieser Vergleich manchen erscheinen mag – er führt in die Irre. Die afroamerikanische Bevölkerung kämpfte über Generationen für Gleichberechtigung: unter schwerstem Leid, aber ohne Terror, ohne den Versuch, die „Weißen“ zu vernichten.

In unserer Region jedoch erleben wir einen anderen Konflikt: Hier wird der jüdische Staat nicht wegen Diskriminierung kritisiert, sondern vielfach in seiner Existenz infrage gestellt – oft begleitet von Gewalt, Hass und Terror. Deshalb halte ich den Vergleich für falsch. Der passendere Rahmen ist nicht die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, sondern die Realität eines kleinen Volkes – Israel – im Spannungsfeld einer Region, in der Fremdsein, insbesondere jüdisch-westliches Fremdsein, vielerorts auf Ablehnung stößt.
Das eigentliche Problem ist nicht die Besatzung, sondern die tief verwurzelte Unfähigkeit großer Teile der islamischen Welt, den jüdischen Staat als legitimen Teil des Nahen Ostens zu akzeptieren.

Wer möchte, kann Sam Cookes Lied in einer Linie mit biblischen Klagepsalmen, prophetischen Visionen und dem Ruf nach Erlösung sehen. Schon die erste Zeile führt uns an einen Fluss – Geburtsort, Lebenslinie, Symbol für das Weiterfließen trotz aller Hindernisse.
Der Fluss erinnert an die Ströme von Babel (Psalm 137), Erinnerung im Exil.

„I was born by the river in a little tent / And just like the river, I’ve been running ever since.“

Geburt am Fluss, ein Leben in Bewegung. Der Fluss steht für Herkunft, aber auch für Unruhe, Flucht, Bewegung. Die Geburt in einem „Zelt“ deutet auf Armut und Unsicherheit hin – fast wie bei Mose, der als Baby im Schilf ausgesetzt wurde. „I’ve been running ever since“ erinnert an Jakob, der vor seinem Bruder flieht, oder das Volk Israel, das durch die Wüste zieht oder immer wieder verfolgt wurde.

Die dritte Strophe wagt sich ins Geistliche. Der Sänger hat Angst vor dem Tod, weil er nicht weiß, was „dort oben“ ist – eine selten ehrliche Zeile über existenzielle Unsicherheit.

„It’s been too hard living, but I’m afraid to die / ’Cause I don’t know what’s up there, beyond the sky.“

Dann die Enttäuschung durch den Bruder, der nicht hilft, sondern zurückstößt.

„Then I go to my brother / And I say, ‘Brother, help me please’ / But he winds up knockin’ me / Back down on my knees.“

Eine Szene, wie sie viele Afroamerikaner jener Zeit kannten: Ausgrenzung – auch im eigenen Land.

Aber am Ende Hoffnung: „But now I think I’m able to carry on.“ Dieser Satz wiegt schwerer als jede Parole. Der Wendepunkt. Trotz allem: Hoffnung. Aus Schwäche erwächst Stärke.

Die biblische Tiefe eines Soul-Songs

Was „A Change Is Gonna Come“ so kraftvoll macht, ist seine Tiefe und die Nähe zur biblischen Sprache. Der Refrain, fast wie ein Mantra, erinnert an die Verheißungen des Propheten Jesaja:

„Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf“ (Jesaja 43,19).

„It’s been a long, a long time coming / But I know a change gonna come, oh yes it will“ – ein Glaubensbekenntnis. Die Wiederholung von „long time“ unterstreicht die Dauer des Leidens; die Überzeugung „I know“ drückt Gewissheit aus – Glauben.

Das Lied könnte als moderner Psalm gelesen werden – geboren aus dem seelischen Raum von Kummer, Glauben und Erwartung. Auch wenn Sam Cooke Gott nicht beim Namen nennt, ist sein Geist in jeder Note spürbar, in jedem Atemzug. Ein modernes Klagelied, das nicht im Schmerz verharrt, sondern einen Horizont eröffnet – für den Einzelnen und für die Gesellschaft.

Bei Demonstrationen wurde es gesungen, bei Gedenkfeiern gespielt, von Künstlern wie Aretha Franklin, Otis Redding, Beyoncé, Neville Brothers, Solomon Burke oder Seal gecovert.

Ich empfehle drei Covers: Sam Cooke, Solomon Burke und Neville Brothers. Im Cover von Solomon Burke (1986) wird sogar Israel erwähnt (6:25) – auch ein Wandel für Israel wird kommen.


Die Frage nach Gerechtigkeit, Würde, Gleichheit – sie ist nicht gelöst. Aber solange es solche Lieder gibt, bleibt auch die Hoffnung.

„A Change Is Gonna Come“ – ja, vielleicht nicht heute. Aber eines Tages. Ganz bestimmt.

Ich weiß, ein Wandel wird kommen!

 

About the author

Patrick Callahan

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