Shavuot, eines der großen Feste im jüdischen Kalender, markiert den Abschluss des Omerzählens und erinnert an eines der grundlegenden Ereignisse der jüdischen Tradition: die Übergabe der Tora am Berg Sinai.
In diesem Jahr beginnt das Fest am Abend des Sonntags, 1. Juni (6. Siwan 5785) und endet mit Einbruch der Dunkelheit am Dienstag, 3. Juni (8. Siwan 5785). In der Diaspora wird Shavuot zwei Tage gefeiert, in Israel nur einen Tag, mit dem Ende am Abend des 2. Juni.
Gesetze und Bräuche
Shavuot hat eine tiefe religiöse, landwirtschaftliche und kulturelle Bedeutung im Judentum und wird mit spezifischen halachischen Vorschriften und Traditionen begangen, die die Übergabe der Tora feiern und Dankbarkeit für den landwirtschaftlichen Ertrag ausdrücken.
Halachische Bräuche
- Kerzenzünden: Wie bei anderen Feiertagen werden am Vorabend von Shavuot Kerzen angezündet, mit folgenden Segenssprüchen:
Baruch Atah Adonai Eloheinu Melech Ha’olam, asher kid’shanu b’mitzvotav v’tzivanu l’hadlik ner shel Yom Tov.
Baruch Atah Adonai Eloheinu Melech Ha’olam, shehecheyanu v’kiyemanu v’higiyanu la’zman hazeh.
- Kiddusch: Am Abend von Shavuot wird ein besonderer Kiddusch gesprochen, der auf die Übergabe der Tora Bezug nimmt und die Festtagssegen enthält.
- Arbeitsverbot: Wie an anderen jüdischen Feiertagen ist an Shavuot Arbeit verboten, ähnlich wie am Schabbat. Bestimmte Arbeiten, die zur Essenszubereitung erforderlich sind, sind jedoch erlaubt.
- Toralesung: Gelesen wird unter anderem Paraschat Jitro, die die Zehn Gebote enthält und die Offenbarung am Sinai symbolisiert.
- Buch Ruth: In der Synagoge wird das Buch Ruth gelesen, das Themen wie Übertritt zum Judentum und Erntezeit behandelt. Es spielt während der Gerstenernte und seine Protagonistin tritt dem jüdischen Volk bei.
Traditionelle Bräuche
- Tikkun Leil Shavuot: Ein zentraler Brauch besteht darin, in der ersten Nacht des Festes die ganze Nacht hindurch Tora zu lernen. Diese Praxis geht auf den Sohar zurück und soll die Versäumnisse der Israeliten ausgleichen, die am Tag der Toragebung verschliefen.
- Milchgerichte: Es ist Brauch, an Shavuot Milchgerichte zu essen. Dafür gibt es mehrere Erklärungen:
- Nach Erhalt der Tora konnten die Israeliten noch kein koscheres Fleisch zubereiten und aßen deshalb Milchprodukte.
- Der Vers „Honig und Milch sind unter deiner Zunge“ aus dem Hohelied wird als Metapher für die Süße der Tora interpretiert.
- Das Fest fällt in die Hochsaison der Milcherzeugung und symbolisiert Überfluss.
- Blumenschmuck in Häusern und Synagogen: Häuser und Synagogen werden mit Grünpflanzen und Blumen geschmückt, um an das üppige Blühen des Berges Sinai während der Toragebung zu erinnern.
- Bikkurim (Erstlingsfrüchte): In Zeiten des Tempels brachten die Menschen ihre Erstlingsfrüchte nach Jerusalem. Heute veranstalten viele Gemeinden symbolische Zeremonien, um für den Ertrag des Jahres zu danken.
- Wasserbrauch: In nordafrikanischen jüdischen Gemeinden ist es üblich, sich an Shavuot gegenseitig mit Wasser zu bespritzen, als Symbol für Segen und Fülle.
- Lesung der Zehn Gebote: In einigen jüdischen Gemeinden stehen die Gemeindemitglieder während der Lesung der Zehn Gebote auf, um die feierliche Bedeutung der Sinai-Erfahrung zu betonen.
Herkunft des Namens
Shavuot bedeutet „Wochen“ auf Hebräisch und markiert den Abschluss von sieben Wochen Zählung vom Pessachfest bis Shavuot, der sogenannten Omerzählung.
Als eines der drei Wallfahrtsfeste im Judentum hat Shavuot seinen Namen aus verschiedenen Quellen, die jeweils unterschiedliche Aspekte des Festes und seiner historischen Bedeutung widerspiegeln:
- Erntefest: Auch „Fest der Ernte“ genannt, feiert Shavuot die Weizenernte und symbolisiert landwirtschaftlichen Wohlstand.
- Fest der Erstlingsfrüchte (Bikkurim): Als „Fest der Erstlingsfrüchte“ erinnert es an den Brauch, in der Zeit des Tempels die ersten Ernteerträge als Dankopfer darzubringen.
- Fest der Toragebung (Matan Tora): Der jüdischen Überlieferung nach wurde an diesem Tag die Tora am Berg Sinai übergeben, was dem Fest eine tiefe religiöse und spirituelle Bedeutung verleiht.
Biblische Erwähnungen
Die Tora erwähnt Shavuot an verschiedenen Stellen, etwa in Numeri 28,26: „Am Tag der Erstlingsfrüchte, wenn ihr dem Herrn eine Opfergabe von neuem Getreide darbringt während eures Wochenfestes, haltet eine heilige Versammlung und verrichtet keine gewöhnliche Arbeit.“
Ursprünglich veröffentlicht von Israel Hayom.




