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Jerusalem Tag, ein Grund zum Feiern?

Heute feiern wir die Wiedervereinigung unserer Hauptstadt. Aber haben wir wirklich einen Grund zum Feiern? Ein paar Gedanken zu unserer unmöglichen Situation.

Jerusalem
Blick über Jerusalem vom Ölberg aus gesehen. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

Heute feiern wir den Jerusalem Tag, die Vereinigung unserer Hauptstadt vor 57 Jahren. Es fällt mir etwas schwer, das Wort „feiern“ zu erwähnen, denn so richtig zum Feiern ist eigentlich niemandem hier im Land zumute. Dennoch habe ich diesen besonderen Tag zum Anlass genommen, nach längerer Zeit wieder ein paar persönliche Worte zu schreiben.

Seit 243 Tagen befinden wir uns nun in dieser unmöglichen Situation. Noch immer befinden wir uns irgendwie im Oktober 2023. Wir kommen nicht voran, wir stecken fest. Seit 243 Tagen geht es nur um zwei Dinge: die Freilassung der Geiseln und die Vernichtung der Hamas. Leider haben wir bis heute noch keines dieser Ziele erreicht. Noch immer befinden sich 124 israelische Geiseln in der Gewalt der grausamen Hamas-Terroristen. Wie viele der Geiseln noch am Leben sind, wissen wir nicht. Aber es wird angenommen, dass mindestens 40 von ihnen nicht mehr leben. Wir haben keine Ahnung. Und das macht uns wahnsinnig.

Unser Volk hat wieder angefangen, sich zu streiten, zu spalten. Die Demonstrationen zur Freilassung der Geiseln erinnern mich immer mehr an die Demonstrationen gegen Netanjahu und seine Regierung. Auch in unserer Straße haben die wöchentlichen Proteste wieder begonnen. Der Verkehrskreis vor dem Haus des Justizministers wird von den Demonstranten jetzt „Platz der Demokratie“ genannt. Jeden Samstagabend wird dort wieder protestiert und Krach gemacht, ohne Genehmigung der Polizei, wie ich mir habe erklären lassen. Ich frage mich nur, ob diese Demonstrationen etwas bringen? Hilft es, unseren Feinden zu zeigen, dass wir zerstritten sind? Ich denke nicht. Wir spielen unseren Feinden in die Hände. Denn das ist genau das, was sie sich wünschen. Wenn wir zerstritten sind, sind wir schwach. So kann  man einen Krieg nicht gewinnen. Traurig, dass unsere Politiker das nicht verstehen.

Demonstranten blockieren die Ayalon Schnellstraße in Tel Aviv, nachdem die israelische Armee am 3. Juni 2024 den Tod von vier israelischen Geiseln in Gefangenschaft der Hamas bekannt gegeben hat. Foto: Erik Marmor/Flash90

Die ganze Welt scheint gegen uns zu sein. Und leider muss ich zugeben, dass ich nicht überrascht bin. Es war mir klar, dass wir uns zu einem gewissen Zeitpunkt in dieser Situation wiederfinden werden. Die Anerkennung eines Palästinensischen Staates durch Irland, Spanien und Norwegen, hat mich sehr verärgert. Als gebürtiger Norweger war ich von Norwegen besonders enttäuscht. Ich liebe dieses Land, die Heimat meines Vaters. Aber die Entscheidung der norwegischen Regierung kann ich bedauerlicherweise nicht nachvollziehen. Mir ist klar, dass sie nur Gutes wollen, sie wollen Frieden und glauben fest daran, dass die Anerkennung eines Staates, den es nie gegeben hat, den sogenannten Israelisch-Palästinensischen Konflikt lösen kann. Dabei besagt die Charta der Hamas etwas ganz anderes. Das sollten auch die Norweger wissen. „From the river to the sea……„, wird immer geschrien. Versteht den keiner, was das bedeutet? Die sogenannte Zweistaatenlösung ist keine Lösung. Die Hamas hat nur ein Ziel im Visier: die vollständige Zerstörung des Staates Israel. Und das ist es, was die Staaten, die einen Palästinensischen Staat anerkennen, unterstützen.

Von den Sympathien, die uns kurz nach dem 7. Oktober entgegengebracht wurden, scheint nicht mehr viel übriggeblieben zu sein. Die Welt hat die Geduld verloren. Über die Geiseln wird kaum noch gesprochen. Es geht nur noch um die von der Hamas veröffentlichen Zahlen der im Krieg getöteten unschuldigen Palästinenser. Dabei lasse ich die Frage, wie viele „unschuldige Zivilisten“ es im Gazastreifen tatsächlich gibt, dahingestellt. Allerdings sind mir die Bilder der feiernden Bevölkerung im Gazastreifen bei der Ankunft der Terroristen mit den entführten Israelis fest in meiner Erinnerung.

Wir sind alleine. Wir können uns nur auf uns selbst verlassen. Aber wir müssen diese schwere Zeit gemeinsam durchstehen, nicht zerstritten, wie jetzt. Ich verstehe unsere Politiker nicht.

Marsch der Fahnen im vergangenen Jahr. Auch heute soll er wieder durch das Damaskustor führen. Archivbild: : Yonatan Sindel/Flash90

Trotz allem wird heute der Jerusalem Tag gefeiert. Am Nachmittag wird es auch den traditionellen Marsch der Fahnen geben, der durch die Jerusalemer Altstadt führen wird. Viele sehen das als einen unnützen Akt der Provokation an. Aber würde ein Verzicht des Marsches nicht auch bedeuten, dass wir selbst unsere Souveränität in Jerusalem infrage stellen?

Ihr seht, ich habe viele Gedanken in meinem Kopf. Ich hoffe, ich konnte sie Euch einigermaßen erfolgreich vermitteln. Ein Krieg ist nie etwas Gutes. In einem Krieg kommen leider immer auch unschuldige Menschen ums Leben. Aber wir dürfen nicht vergessen, wie dieser Krieg begonnen hat. Auch könnte er ganz schnell beendet werden. Die Hamas bräuchte nur die Geiseln freilassen und sich ergeben. Klingt einfach, oder?

Und dann haben wir noch das Problem im Norden unseres Landes, der täglich von der Hisbollah beschossen wird. Fast Hunderttausend Menschen mussten vor acht Monaten ihre Häuser verlassen. Der Welt scheint das nicht zu interessieren.

Und jetzt wünsche ich uns und Euch trotz allem einen guten Jerusalem Tag! Nur gemeinsam sind wir stark!

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Patrick Callahan

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2 Kommentare zu “Jerusalem Tag, ein Grund zum Feiern?”

  1. hanna-fritz sagt:

    Richtig! In notvollen Zeiten hilft doch nur gemeinsames Zusammenhalten. Das Demonstrations- und Spaltungsvirus hat unsere Welt derzeit völlig im Griff. Warum ist diese so wohlbekannte und uralte Weisheit nur so schwer umzusetzen? Solche Bilder wie beim Yom Jerushalajim sind doch viel überzeugender als ständige Demo-Rituale, bei denen wohl die meisten nicht mehr wissen, wofür oder wogegen die Demo angesagt ist.
    Danke, Dov, für Dein ehrliches Statement.

  2. Melki Tekin sagt:

    In diesen schwierigen Zeiten wünsche ich, dass das ganze Volk Israel in Einklang kommt, damit sie eine bessere Zukunft erreichen können.
    Andernfalls ist die Trennung größer als in der Zeit von Josua und Kaleb.

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