Man muss es der Hamas lassen – wenn dies eine Touristenattraktion wäre, könnte man sich kein schöneres Erlebnis wünschen. Eine wilde Jeepfahrt zur schönen Küste von Gaza. Ein Treffen mit unseren heldenhaften Soldaten, die den Feind schon seit 120 Tagen vernichten. Dann ein Abstieg 20 Meter unter die Erde, um einen vergrabenen Schatz zu finden.
Der Preis: Eine eindeutige, unbestreitbare Verbindung zwischen der mörderischen Organisation und der berüchtigten „Hilfsorganisation“ UNRWA.
Siehe: Hamas-Terroranlage unter UNRWA-Hauptquartier in Gaza entdeckt
Bei der Besichtigung des UNRWA-Hauptquartiers im Herzen des vornehmen Stadtteils Rimal in Gaza brauchte ich nur zwei Minuten, um zu verstehen, dass sie alles wussten. Genauso wie es für Tel Aviver unmöglich war, nichts über den Bau der Stadtbahn zu wissen, genauso wie alle Jerusalemer von dem „geheimen Tunnel“ in der Hauptstadt gehört haben, ist es unmöglich, dass die Bewohner des Gazastreifens und insbesondere die UNRWA-Leiter nichts von dem Tunnel und der Serverfarm wussten, die direkt vor ihrer Nase errichtet wurden. Nicht in der Nähe, nicht in der Nachbarschaft, sondern buchstäblich direkt unter ihnen.

Ich habe mit eigenen Augen die Kabel gesehen, die den Kommunikationsraum der UNRWA im ersten Stock des Gebäudes mit dem Serverraum der Hamas direkt darunter verbinden.
Hat Thomas White, seit Sommer 2021 Direktor der UNRWA in Gaza, nicht die Lastwagen bemerkt, die seit Jahren Erde von dem von ihm verwalteten Gelände abtransportieren? Hat er sich nicht gefragt, wer die Leute sind, die um sein Hauptquartier herumlaufen? War er nicht verwundert über die Computer, Klimaanlagen, Server, Batterien, Zementmischer, Kabel, Fliesen, Stahltüren und sogar die Motorräder, die in seinem Hinterhof ankamen? Sind ihm nicht die Kabel aufgefallen, die auf sehr merkwürdige Weise von seinem Kommunikationsraum zu einem unbekannten Ort im Untergrund führten? Hatte er nicht einmal Zweifel, die ihn auf die Idee brachten, seinen Vorgesetzten bei den Vereinten Nationen Bericht zu erstatten?
Man muss schon sehr naiv oder eher unehrlich sein, um diese Fragen mit „Nein“ zu beantworten. Was unsere Streitkräfte in Gaza entdeckt haben, lässt keinen Raum für Zweifel. Die Verbindung zwischen dem UNRWA und der Hamas ist buchstäblich, nicht metaphorisch.
Nachdem die israelischen Streitkräfte vor zwei Monaten den Stadtteil Rimal geräumt hatten, deuteten Geheimdienstinformationen darauf hin, dass hier noch mehr vor sich ging.
Der Tunnel wurde geortet, und es wurde mit der sorgfältigen Räumung begonnen. Mehrere Tage lang rückten unsere Truppen Meter für Meter vor. Sie entdeckten ein Labyrinth, dessen Entwirrung großen Einfallsreichtum erforderte. Sie entdeckten auch die luxuriösen Bedingungen, die sich die Terroristen unter der Erde geschaffen hatten – von einem Erste-Hilfe-Kasten für Notfälle über motorisierte Roller, die es ihnen ersparen sollten, 300 Meter gebückt hin und zurück zu laufen, bis hin zu hochmodernen Electra-Klimaanlagen.
Die Klimaanlagen waren nicht nur für die Menschen gedacht – selbst im Winter ist es unter der Erde heiß -, sondern vor allem für den Serverraum der Hamas, der sich, wie bereits erwähnt, unter dem Hauptkomplex des UNRWA in Gaza befindet.
Wir durften den Raum nicht vollständig besichtigen, aber schon das Wenige, was wir sahen, machte deutlich, dass dieses System auch ein Hightech-Unternehmen nicht in Verlegenheit gebracht hätte. Säulen über Säulen von Servern, gekühlt durch neue weiße Klimaanlagen. Daneben befindet sich eine oberirdisch angeschlossene Stromversorgungsanlage.

„Wir befinden uns im Herzen des Geheimnisses, in der Serverfarm“, sagte Oberst Nissim Hazan, der die Operation zur Aufdeckung des Tunnels leitete. „Dies ist die Farm, von der aus die Hamas ihre geheimdienstliche Überlegenheit geschaffen hat. Hier gibt es 10 Serverschränke, die voll mit wertvollen Informationen sind. Man kann nur mit Soldaten an diesen Ort gelangen. Das geht nicht per Fernsteuerung oder mit einer Fliegerbombe. Über uns befindet sich das riesige UNRWA-Gebäude; die Hamas hat es absichtlich hier platziert, damit wir es nicht angreifen können.“
Wir wissen zwar noch nicht, welche Informationen auf den Servern gespeichert waren, aber die Verbindung zur UNRWA ist sonnenklar.
Nachdem wir wieder im Schlamm versunken waren, durch den Tunnel gekrochen waren, hunderte von Metern gebückt gelaufen waren und wieder ans Tageslicht gekommen waren, brachten uns die Geländewagen der IDF zum Hauptsitz der UNRWA. Dort zeigte uns der Kommandeur der 401. IDF-Brigade, Oberst Benny Aharon, inmitten von Büros, Schulen, Kindergärten und SpongeBob-Zeichnungen den Serverraum der Organisation.
„Wir befinden uns im Serverraum der UNRWA. Zufälligerweise – ich sage das zynisch – befindet er sich genau über dem Serverraum, den Sie unter der Erde gesehen haben“, sagte er. „Beachten Sie, dass alle Kabel zerrissen und abgeklemmt sind; sie haben fast nichts übrig gelassen, nur das, was sie abschneiden konnten. Wir haben Glück, dass ein paar Kabel übrig geblieben sind, die sie nicht durchtrennen konnten… Sie haben alle DVRs und Computer ausgeschaltet. Nur jemand, der etwas zu verbergen hat, macht so etwas. Was für eine internationale humanitäre Organisation, die nur gute Absichten hat, verhält sich so?“
Der Abend bricht an und eine kühle Brise weht vom Meer herüber. Die Transportfahrzeuge fahren zurück zum Übergabepunkt am Strand. Die brandneue Netz-Einheit – schwarzer Kaffee ist ihre Spezialität – bringt uns in gepanzerten Fahrzeugen in Richtung Kibbutz Be’eri. Wir durchqueren zügig dieselbe Strecke, die die Hamas-Mörder an jenem schicksalhaften Oktobermorgen auf unsere Gemeinden zugerast sind.
Den ganzen Weg über konnte ich nicht aufhören zu denken: Warum haben sie das getan? Die Hamas wusste, dass eines Tages die IDF kommen würden. Daher die verschlungenen Tunnel, daher die befestigten Stahltüren, daher eine ganze Reihe von Hindernissen, die die unvermeidliche Invasion verzögern sollen. Aber wenn man weiß, dass man am Ende sowieso von Israel besiegt wird, warum tut man es dann? Welche Logik und welchen Nutzen hat es, Verbrechen gegen die Menschheit zu begehen, die mit der eigenen Vernichtung enden?




