(JNS) Israels wichtigste Holocaust-Gedenkstätte hat am Sonntag die Behauptungen, Israel begehe einen Völkermord, entschieden zurückgewiesen und sie als „gefährliche Verzerrungen der historischen Wahrheit“ bezeichnet, die „das Gedenken an die Opfer des Nazi-Völkermords entweihen“.
Stephan-Andreas Casdorff, Ehrenvorsitzender des Kuratoriums der deutschen Freunde von Yad Vashem, hatte in der vergangenen Woche nahegelegt, dass Deutschland wegen des nationalsozialistischen Völkermords heute keine Waffen mehr an Israel liefern sollte.
Yad Vashem, eine der weltweit renommiertesten Institutionen auf dem Gebiet der Holocaust- und Völkermordforschung, distanzierte sich auf Anfrage von JNS von Casdorffs Äußerungen. Der Geschäftsführer der Konferenz Europäischer Rabbiner, eine führende Persönlichkeit des europäischen Judentums, erklärte zudem, Casdorff sei für eine Rolle bei Yad Vashem ungeeignet.
„Wie zahlreiche Wissenschaftler betont haben, untergräbt ein solcher Missbrauch die Integrität des Begriffs [Völkermord] und verschleiert echte Fälle von Genozid“, sagte ein Sprecher von Yad Vashem zu den Vorwürfen, Israel begehe Völkermord.
Israel, so fügte er hinzu, sei „zu einem gerechten Krieg gegen eine Terrororganisation gezwungen worden, die ein brutales Massaker verübt hat, weiterhin Geiseln festhält und unerbittlich das Ziel verfolgt, den jüdischen Staat zu vernichten. Israel kämpft gegen die Hamas, nicht gegen die Zivilbevölkerung im Gazastreifen, deren Leid jedoch nicht ignoriert werden darf.“
Die Berufung auf den Holocaust zur Kritik am Verhalten Israels sei „ebenfalls beunruhigend“, sagte der Sprecher. „Falsche Gleichsetzungen zwischen dem nationalsozialistischen Völkermord am jüdischen Volk und einem aktuellen bewaffneten Konflikt verzerren die historische Wahrheit, entweihen das Gedenken an die Opfer und befeuern die Debatte, statt sie zu erhellen.“
Yad Vashem lehne „die Instrumentalisierung von Begriffen im Zusammenhang mit Völkermord sowie Holocaust-Bildsprache zu politischen Zwecken – durch wen auch immer, ob Wissenschaftler oder öffentliche Persönlichkeiten in Israel oder im Ausland – entschieden ab“, so der Sprecher weiter.
Mehrere Holocaust-Forscher haben dem jüdischen Staat vorgeworfen, in Gaza einen Völkermord zu begehen – dort kämpft Israels Armee seit dem Überfall vom 7. Oktober 2023 gegen die Terrororganisation Hamas, bei dem rund 1.200 Menschen ermordet und 251 verschleppt wurden. Etwa 50 dieser Geiseln sollen sich noch immer im Gazastreifen befinden.
Der in Israel geborene Völkermordforscher Omer Bartov sagte laut CNN vergangene Woche, dass „Anstiftung, Vertreibung und die Zerstörung zivilen Lebens“ im Gazastreifen – so wie er es beschreibe – „den rechtlichen Tatbestand des Völkermords erfüllen könnten, auch ohne Gaskammern oder Erschießungsgruben“.
Siehe: Ich bin Kriegsforscher, es gibt keinen Völkermord in Gaza
Im Mai hatte Martijn Eickhoff, Direktor des niederländischen Instituts für Kriegs-, Holocaust- und Genozidstudien, Israel „völkermörderische Gewalt“ vorgeworfen. Auch der israelische Professor Amos Goldberg beschuldigte Israel des Völkermords.




