Der Krieg gegen den Iran sollte amerikanische Stärke demonstrieren und Teheran in die Knie zwingen. Doch möglicherweise zeichnet sich eine ganz andere geopolitische Folge ab: Während Washington nach einem Ausweg aus dem Konflikt sucht, könnte ausgerechnet China zu den großen Gewinnern gehören. Peking versucht offenbar, sich als Garantiemacht für ein Abkommen über die Straße von Hormus zu positionieren und von dort seinen Einfluss bis in die iranische Atomfrage auszudehnen. Damit geht es längst nicht mehr nur um Iran, Öl oder die freie Schifffahrt. Es geht um die Frage, wer künftig die Machtordnung im Nahen Osten bestimmt: Washington oder Peking? Für Europa wäre das ein strategisches Dilemma, für die USA ein möglicher Machtverlust und für Israel eine Warnung: Was geschieht, wenn die amerikanische Schutzmacht nicht mehr allein die Spielregeln der Region bestimmt? Biblisch ist diese Frage keineswegs neu: Schon die Propheten warnten Israel davor, seine Sicherheit dauerhaft auf die jeweils mächtigste Großmacht seiner Zeit zu gründen, denn Reiche steigen auf, Bündnisse zerbrechen und politische Interessen verändern sich. Vielleicht erleben wir heute eine moderne Neuauflage genau dieser uralten israelischen Erfahrung.
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