Warum gilt Israel als schuldig, bis seine Unschuld bewiesen ist?

von Karni Eldad

Israel sollte aufhören, sich darum zu kümmern, was die Welt denkt, wenn es verurteilt wird, egal wie es handelt

In einer reflexartigen Reaktion wird Israel immer als erstes beschuldigt, während die tatsächlichen Hintergründe der Situation fast völlig ignoriert werden. Foto: Nasser Ishtayeh/Flash90

Der diesjährige sogenannte „Nakba-Tag“ war der Höhepunkt des Alptraums, den Israel in der vergangenen Woche erlebt hat. Seit dem Tod der Al Jazeera-Reporterin Shireen Abu Akleh werden wir von links und rechts mit Anschuldigungen bombardiert, und es ist kein Ende in Sicht.

Innerhalb von zwei Tagen fanden sich sowohl die Armee als auch die Polizei inmitten eines Skandals wieder: Die Armee wurde beschuldigt, eine Journalistin getötet zu haben, die „die Wahrheit über die Besatzung gesagt hat“, während die Polizei Trauernde geschlagen und die Tote missachtet haben soll, und so weiter und so fort.

Siehe dazu: Interessiert sich eigentlich jemand für Shireen Abu Akleh?

Und als keine Soldaten und Offiziere in Sicht waren, ließen sich die Palästinenser auf beiden Seiten der Grünen Linie treiben, denn wer sollte sie aufhalten? Es wurden palästinensische Flaggen geschwenkt und es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen an der Universität von Tel Aviv, zu Zusammenstößen auf dem Mahane Yehuda-Markt in Jerusalem, zum Marsch nach dem Tod des Jenin-Terroristen Daoud Zubeidi, zum Lynchversuch an einem Juden in Ost-Jerusalem und leider auch zu weiteren Ereignissen, die sich bis zur Veröffentlichung dieses Artikels ereignen könnten.

Sowohl in Jerusalem als auch in Tel Aviv erhielten die Randalierer die volle Unterstützung der Knessetabgeordneten, die sie vertreten: Die Abgeordnete der Gemeinsamen Liste Aida Touma-Suleiman, die „stolz auf die beeindruckenden jungen Leute ist, die darauf bestehen, die wahre Geschichte dieses Ortes aufzudecken“, Ofer Cassif, der einen Polizisten angriff, und der Parteivorsitzende Ahmad Tibi, der einem Randalierer half, der Polizei zu entkommen.

Man hätte diese Entwicklung von dem Moment an kommen sehen müssen, als Akleh getötet wurde. Die verrückte Spirale, die immer – und ich meine wirklich immer – damit endet, dass Israel verleumdet wird und Juden getötet werden, überrascht niemanden. Denn das ist es, was sie immer getan haben – während der Operation „Wächter der Mauern“ im Mai letzten Jahres, während der Operation “ Protective Edge“ im Jahr 2014 und davor. Unsere Unterwürfigkeit hat daran nichts geändert, ebenso wenig wie die Kastrierung der Strafverfolgungsbehörden oder gar die Wahrheit.

Aber das muss nicht sein. Es gibt einen anderen Weg.

Die Naivität, zu denken: „Wenn wir der Welt nur beweisen, dass es uns gut geht, wird sie uns nicht schlagen“, entspringt einer Mentalität, die der eines misshandelten Ehepartners ähnelt. Wenn das so ist, warum hören wir dann nicht einfach auf, uns darum zu kümmern, was alle denken, und sagen ausnahmsweise einmal die Wahrheit, wie sie ist?

Die ganze Situation hätte ganz anders aussehen können, wenn Israel nach dem Tod der Journalistin geschlossen aufgetreten wäre: Es ist eine Tragödie. Es ist unklar, wer sie getötet hat, aber wir sind sicher, dass sie – als Kriegsreporterin – die Risiken kannte. Wenn wir sie hätten töten wollen, hätten wir das auf eine raffinierte Art und Weise tun können, aber das haben wir nicht getan. Nun zum nächsten Punkt.

Ein weiser Mensch sagte mir, dass er einen guten Anwalt einem guten Trauerredner vorziehe, als wir darüber sprachen, ob man auf Palästinenser, die Steine werfen, schießen sollte. Das gilt sowohl auf der Mikro- als auch auf der Makroebene.

Der Staat sollte sich nicht darauf konzentrieren, wie unsere Handlungen von der Welt wahrgenommen werden könnten, sondern darauf, unsere Souveränität und unser Leben zu schützen. Wenn wir ohnehin verurteilt werden, dann müssen wir dafür sorgen, dass wir nicht wieder einen Weg einschlagen, der immer mit dem Tod von Juden endet.

 

Karni Eldad ist Journalistin, Kolumnistin und Redakteurin.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von Israel Hayom veröffentlicht.

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