War’s das? Ist Corona in Israel erledigt?

Pfizer-Chef lobt Netanjahus Hartnäckigkeit und bietet ihm damit große Unterstützung vor den bevorstehenden Wahlen

War’s das? Ist Corona in Israel erledigt?
Miriam Alster/Flash90

Premierminister Benjamin Netanjahu verkündete diese Woche, dass Israel sehr bald vollständig aus der Coronavirus-Krise herauskommen würde, und mehrere Experten sagten, dass es im jüdischen Staat nicht mehr als “Pandemie” bezeichnet werden sollte.

Große Plakate von Netanjahu, die einen “Daumen hoch” zusammen mit den Worten “Rückkehr zum Leben” zeigen, wurden schnell im ganzen Land aufgehängt. Es ist jedoch anzumerken, dass Israel nur noch 9 Tage von den vierten nationalen Wahlen in zwei Jahren entfernt ist.

“Wir müssen immer noch auf uns aufpassen, wir müssen Masken tragen, soziale Distanz wahren – aber wir kommen da raus, und viel mehr gibt es nicht”, wurde Netanjahu zitiert, als er am Sonntag mit Bürgermeister Moshe Leon in der Jerusalemer Innenstadt unterwegs war.

Ist dies wirklich der Anfang vom Ende der COVID-Tortur? Netanjahu und Leon in der Stadt.

In Anspielung auf die Initiative des “grünen Passes” sagte Netanjahu einige Tage zuvor zu Fox News, dass Israel “das erste Land der Welt ist, das aus der Corona-Krise herauskommt. Mit diesem grünen Pass können Sie in Restaurants gehen, Sie können ins Theater gehen, Sie können zu Sportveranstaltungen gehen. Das ist es. We’re coming out.”

Im Gespräch mit Channel 13 News am Donnerstag sagte der ehemalige israelische Coronavirus-Koordibator Ronni Gamzu, er stimme mit Netanjahus Einschätzung überein und fügte hinzu, dass, wenn die Zahlen weiterhin in ihrem derzeitigen Tempo sinken, die Israelis in der Lage sein werden, in zwei Wochen Pessach weitgehend ohne Einschränkungen zu feiern.

Trotz der Verbreitung neuer, infektiöserer Stämme von COVID-19 und Israels schrittweiser Aufhebung der Beschränkungen in den letzten Wochen sind die Übertragungsrate des Coronavirus, die Zahl der täglichen Neuinfektionen und die Zahl der Menschen, die mit dem Virus ins Krankenhaus eingeliefert wurden, gesunken.

Und es hätte zu keinem besseren Zeitpunkt für Netanjahu kommen können.

5 Millionen geimpft. Bibi erntet alle Lorbeeren. Und vielleicht sollte er das auch. Wäre es Israel unter einem anderen Premierminister genauso ergangen?

Immer noch belagert von juristischen Problemen und einer hartnäckigen linken Basiskampagne, die ihn als Bedrohung für die Demokratie gebrandmarkt hat, hat sich Bibi an seinen Erfolgen im Kampf gegen Corona festgekrallt, um genug Stimmen für seine Likud-Partei am 23. März zu gewinnen. (Siehe dazu: Wer wird Israels zerrissene politische Landschaft flicken?)

Die wichtigste dieser Errungenschaften war Netanjahus erfolgreiche Beschaffung von genügend Impfstoffdosen, um die gesamte Bevölkerung zu impfen, und es blieben sogar noch viele Dosen übrig.

In einem Interview mit dem israelischen Nachrichtensender Channel 12 News am Donnerstag sagte der CEO von Pfizer, Albert Bourla, dass Netanjahu “obsessiv” in seinen Bemühungen war, einen Überschuss an Impfstoffen zu erhalten. “Er hat mich 30 Mal angerufen”, sagte Bourla und lobte die Hartnäckigkeit des israelischen Premiers.

Und jetzt fliegen jede Woche europäische Staatschefs ein, um von Israel zu lernen, wie sie ihre Länder ebenfalls aus der Krise führen können. Die Staatsoberhäupter von Österreich, Dänemark, Ungarn und der Tschechischen Republik haben in der vergangenen Woche Jerusalem besucht, um zu erfahren, wie Israel es geschafft hat. Es war sogar die Rede davon, dass Israel mit diesen Ländern zusammenarbeitet, um mehr Impfstoffe in Massenproduktion herzustellen.

Europäische Regierungschefs strömen nach Israel und fragen, wie auch sie Corona bezwingen können.

Es gibt immer noch Kritiker, die sich Sorgen machen, dass der aufkeimende Optimismus in Israel mehr mit der Wiederwahlkampagne des Premierministers zu tun hat als mit den aktuellen Realitäten der Pandemie. Noch vor einem Monat warnten führende israelische Experten, dass eine vierte nationale Sperre sehr wahrscheinlich sei und dass neue COVID-19-Mutationen bedeuteten, dass Israel trotz des Erfolgs seiner Impfkampagne wahrscheinlich keine Herdenimmunität erreichen würde. (Siehe: Israel wird die Herdenimmunität nicht erreichen, COVID wird nicht verschwinden)

Und natürlich bleibt auch Israels Himmel größtenteils geschlossen, eine Situation, von der Beamte sagen, dass sie mindestens bis nach Pessach andauern wird. Zu dieser Zeit wird die Wahl hinter uns liegen. Wir können nur hoffen und beten, dass der Optimismus erhalten bleibt.

 

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