Richter entscheidet zugunsten jüdischer Jugendlicher, die auf dem Tempelberg gebetet haben

Kritiker beklagen, es sei ein Verstoß gegen internationales Recht, wenn Juden einfach da beten, wo sie wollen

von Ryan Jones | | Themen: Tempelberg
Der Tempelberg in Jerusalem. Der einzige Ort, an dem Israel keine Religionsfreiheit zulässt, weil die Muslime sonst einen Wutanfall bekommen würden.   Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Wie wenig haben wir uns wirklich weiterentwickelt, wenn drei jüdische Jugendliche immer noch internationale Schlagzeilen machen können, nur weil sie ein jüdisches Gebet sprechen, wo andere es ihnen verboten haben.

Religionsfreiheit und freie Meinungsäußerung? Gleichberechtigung? Nicht für diese Jungen.

Der Vorfall scheint sich letzte Woche ereignet zu haben, der genaue Zeitpunkt ist unklar. Drei religiöse jüdische Teenager bestiegen den Tempelberg, verneigten sich und begannen, das grundlegendste aller jüdischen Gebete zu rezitieren:

„Schma Israel, Adonai Eloheinu, Adonai Echad.“

„Höre, o Israel, der Herr, unser Gott, der Herr ist eins.“

Schnell wurden sie vom Ort des Geschehens entfernt und von der Polizei festgenommen, die anschließend versuchte, den Jungen die Rückkehr auf den Tempelberg gesetzlich zu verbieten.

Doch Richter Zion Saharay vom Jerusalemer Bezirksgericht entschied am Sonntag, dass kein Verbrechen begangen worden sei und daher keine solche Strafe verhängt werden könne. Er sagte, dass das stille und unauffällige Beten der Jungen keine „Störung des Friedens“ darstelle, wie die Polizei behauptet hatte.

Israel hat mit Jordanien, das über die muslimischen heiligen Stätten auf dem Tempelberg wacht, eine Vereinbarung getroffen, um dort einen bestimmten Status quo aufrechtzuerhalten, der das Verbot öffentlicher religiöser Äußerungen von Juden und Christen beinhaltet.

Die israelische Polizei setzt diese Vereinbarung mit Nachdruck durch.

Richter Saharay wies darauf hin, dass Israel gleichzeitig allen seinen Bürgern an allen Orten Religionsfreiheit garantiert.

Die israelische Polizei wendet dieses Gesetz selektiv an.

Juden können den Tempelberg in Begleitung besuchen, dürfen aber nicht einmal andeuten, dass sie irgendeine Form des jüdischen Glaubens praktizieren. Bild: Yossi Zamir/Flash90

Gegen die Polizei vorgehen

In seinem Urteil zitierte Richter Saharay den Polizeichef Kobi Shabtai, der sich im Mai letzten Jahres geäußert hatte, als ähnliche Spannungen auf dem Tempelberg zum jüngsten Gaza-Krieg führten.

Die israelische Polizei, so schwor Shabtai damals, werde die Religionsfreiheit für „alle Bewohner des Landes und der Gebiete“ gewährleisten.

Polizeibeamte beschuldigten Saharay am Montag, das Zitat von Shabtai aus dem Zusammenhang gerissen zu haben. Sie schienen darauf zu bestehen, dass Shabtai gemeint hatte, die Polizei würde die Religionsfreiheit überall gewährleisten, nur nicht auf dem Tempelberg.

„Das Gerichtsurteil stützt sich auf Aussagen des Polizeichefs, obwohl er in der Praxis nicht über den Tempelberg gesprochen hat. Wenn der Polizeichef von Religionsfreiheit spricht, bezieht er sich nicht auf den Tempelberg, wo der Status quo, der durch die Politik der Regierung und die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs im Laufe der Jahre festgelegt wurde, beibehalten wird“, sagte ein ungenannter Polizeibeamter in einer Stellungnahme an die Medien (Hervorhebung hinzugefügt).

Die Staatsanwaltschaft erklärte später, sie werde gegen Saharays Entscheidung Berufung einlegen.

Es besteht die berechtigte Sorge, dass Israels Politik der Hamas ermöglicht, zu bestimmen, was an der heiligsten Stätte des Judentums gemacht werden darf. Bild: Sliman Khader/Flash90

Muslime empört

Die Muslime waren natürlich empört über die jüdischen Lippen, die jüdische Gebete in die heilige Luft um die Al-Aqsa-Moschee sandten, und die Hamas drohte vorhersehbar mit dem Abschuss von Raketen aus Gaza.

Jordanien verurteilte den Vorfall scharf und bezeichnete sowohl das Gebet der Jungen als auch Saharays Urteil als „grobe Verletzung des Völkerrechts“ und warnte, dass dies dazu führen würde, dass noch mehr Juden es wagen würden, an der heiligsten Stätte des Judentums zu beten.

Palästinenserchef Mahmud Abbas betonte, die ganze Angelegenheit sei eine „ernste Verletzung des historischen Status quo“ (wobei er natürlich die jahrtausendealte jüdische Geschichte an diesem Ort ignorierte) und nichts weniger als ein „Angriff“ auf die Palästinenser.

Als religiöser Nationalist hat Naftali Bennett traditionell das jüdische Gebet auf dem Tempelberg unterstützt. Aber als Premierminister ist er gezwungen, den „Status quo“ aufrechtzuerhalten. Bild: Yonatan Sindel/Flash90

Bennett reagiert

Premierminister Naftali Bennett tat sein Bestes, um die Lage zu beruhigen, und erklärte, dass es ungeachtet des Urteils von Saharay „keine Änderung des Status quo des Tempelbergs gibt und auch keine Änderung geplant ist“.

„Die Entscheidung des Gerichts“, so Bennett weiter, „konzentriert sich ausschließlich auf das Verhalten der Minderjährigen, die vor das Gericht gebracht wurden, und stellt keine allgemeinere Entscheidung über die Freiheit der Religionsausübung auf dem Tempelberg dar.“

Mit anderen Worten: Juden ist es immer noch verboten, auf Gottes heiligem Berg zu beten.

Siehe dazu: Wer sich „Auf dem Platz seines Throns“ breitmacht

Israel Today Newsletter

Daily news

FREE to your inbox

Israel Heute Newsletter

Tägliche Nachrichten

KOSTENLOS in Ihrer Inbox