Rund 600 afrikanische Asylbewerber sind am Morgen aus dem Lager Holot in Südisrael entlassen worden. Grund war eine Gerichtsentscheidung, wonach ein Mensch ohne Verfahren nicht länger als ein Jahr festgehalten werden darf. Um 8 Uhr öffneten sich die Türen der Einrichtung für die Schwarzafrikaner. Der Minister für öffentliche Sicherheit, Silvan Schalom, hat den Asylbewerbern verboten, sich nun in den Städten Tel Aviv und Eilat aufzuhalten.
Im Süden Tel Avivs und in Eilat hatte es Proteste gegen die Migranten gegeben. Anwohner beklagten eine Zunahme von Straftaten, zudem seien ganze Straßenzüge von den meist muslimischen Zuwanderern aus Eritrea, dem Kongo und dem Sudan dominiert. Mit seinem Aufenthaltsverbot will Minister Schalom die Situation entschärfen. Menschenrechtsorganisationen hielten dem entgegen, viele der Asylbewerber hätten früher dort gewohnt und wollten nun zu ihren Freunden und Bekannten zurückkehren. Sie wüssten nun nicht, wohin sie gehen sollten. Vom Staat erhalten sie eine monatliche Sozialhilfe von 600 Schekel (135 Euro) pro Person.
Die israelische Regierung hatte angesichts des großen Zustroms von Asylbewerbern beschlossen, diese in Holot festzusetzen. Das Lager sei ein staatliches Gefängnis für Flüchtlinge, kritisierten Menschenrechtsorganisationen. Dessen Tore werden sich nun für weitere Insassen öffnen: knapp 1200 Asylbewerber sollen insgesamt in dieser Woche freigelassen werden. Bisher mussten sich die Asylbewerber am Morgen und am Abend in der „offenen“ Einrichtung in der Negev-Wüste melden, tagsüber konnten sie sich frei bewegen. Holot hat eine Gesamtkapazität von rund 2500 Plätzen. Die meisten Schwarzafrikaner kamen mit Hilfe von Schleppern über Ägypten ins Heilige Land. Mittlerweile hat Israel diese Grenze verstärkt gesichert.
Nach offiziellen Angaben leben derzeit etwa 47.000 Afrikaner in Israel, die große Mehrheit hat Asyl beantragt. Der israelische Staat hat in der Vergangenheit weniger als ein Prozent ihrer Asylanträge positiv beschieden. Seit 2009 ist die Anerkennungsrate auf 0,15 Prozent gesunken – der niedrigste Wert in der westlichen Welt.Foto: Hadas Parush (Flash 90)




