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Mit der „Rückkehr nach Syrien“ widerspricht sich die Hamasführung

Nach etlichen Monaten des Ringens und Streitens hat die Hamas beschlossen, nach einer Pause von elf Jahren seine Beziehungen mit Syrien wiederaufzunehmen.

| Themen: Syrien, Hamas
Yahya Sinwar, Führer der palästinensischen islamistischen Hamas-Bewegung Foto: Attia Muhammed/Flash90

Nicht alle in der Hamasführung stimmen der Idee zu, die alten Beziehungen mit dem Assad-Regime in Damaskus wiederzubeleben. Sobald militärische Erwägungen mit religiösen Forderungen kollidieren, knallt es. Und das geschieht innerhalb der Hamas. Die sogenannte „Rückkehr nach Syrien“ entlarvt das wahre Gesicht der terroristischen Hamas, die sich einerseits als ideologische Bewegung zur Befreiung der Palästinenser vermarktet und andererseits genauso brutal wie das Assad Regime ist.

Nach etlichen Monaten des Ringens und Streitens hat die Hamas beschlossen, nach einer Pause von elf Jahren seine Beziehungen mit Syrien wiederaufzunehmen. Damit sollen auch die terroristischen Führungsbüros in Damaskus wieder geöffnet werden. Die Entscheidung hat zu Unstimmigkeiten innerhalb der Hamas geführt, da einflussreiche Persönlichkeiten des religiösen Flügels in der Terrororganisation nicht einverstanden sind.

Als im März 2011 der syrische Bürgerkrieg in Syrien ausbrach, hat Hamas-Chef Khaled Maschal das Hamas Hauptquartier in Damaskus geschlossen und ist nach Katar zurückgekehrt. Hamas und die Muslimbruderschaft in Syrien haben angekündigt, Assads Gegner im Arabischen Frühling zu unterstützen. Damit haben sie dem Assad-Regime nach vielen Jahren den Rücken zugewendet. Schon damals waren nicht alle in der Terrororganisation mit der plötzlichen Wende einverstanden, in deren Zuge die Partnerschaft mit den Revolutionsgarden und der Hisbollah aufgegeben wurde. Dies wurde als grober und taktischer Fehler angesehen.

Als aber arabische Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain ihre Beziehungen mit Assad erneuerten, haben der Hamas-Chef im Gazastreifen Yahya Sinwar und seine Kollegen verstanden, dass sie mit Assad wieder ins Reine kommen müssen. Damit soll die enge Kooperation mit Hisbollah und Teheran vor Ort in Damaskus wiederhergestellt werden.

Doch das scheint nicht so leicht umzusetzen zu sein, es droht sogar eine Spaltung der Hamas. Das Hauptargument der terroristischen Hamas im Gazastreifen gegen die „Rückkehr nach Syrien“ ist, dass sich die Hamas als Werte- und Ideologiebewegung nicht mit einem Diktator versöhnen könne, der sein eigenes Volk abgeschlachtet und seine Heimat zerstört hat. Geistliche Führer in der Hamas beklagen die unnötige Verbeugung vor Assad und befürchten zahlreiche Forderungen seitens Assads an die Hamas, bevor dieser der Terrororganisation erlaubt, ihre Büros in Damaskus zu öffnen. In dem stürmischen Diskurs wird den Führern im sogenannten militärischen Flügel der Hamas vorgeworfen, dass diese strenge Verbote im Koran ignorieren und damit der arabischen Welt vorführen, was für eine prinzipienlose Organisation die Hamas sei. „Eine Organisation, die keine Selbstachtung hat“, lautet die Kritik unter den Palästinensern.

Der berühmte palästinensische Karikaturist Umayya Juha betonte: „Unsere Herzen sind bei den heldenhaften Rebellen in Syrien und mit den Opfern von Assad.“ Sogar freigelassene Hamas-Gefangene seien gegen eine Versöhnung mit Assad und einige haben bereits angekündigt, dass sie solch einer Entscheidung nicht zustimmen können. Die Palästinenser haben nicht vergessen, wie die syrische Assad Armee palästinensische Flüchtlingslager beschoss, weil Hamas und andere Palästinenser-Organisationen Stellung mit den Rebellen gegen das Assad Regime nahmen. Tausende Palästinenser sind in den elf Jahren des syrischen Bürgerkrieges deswegen ums Leben gekommen. Dies verärgert natürlich alle terroristische Dschihad-Organisationen in Syrien, an deren Seite die Hamas im Bürgerkrieg war und die ihnen nun den Rücken kehrt und wieder in die Arme von Baschar El Assad zurückkehren will.

Die Hamas wird unterdessen nicht nur im Gazastreifen heftig kritisiert, sondern ebenso in Syrien, von Assads Gegnern. Das Hamas Regime und das Assad Regime haben beide ihre Völker geopfert, jeder auf seine Art und Weise, und die Todeszahlen spielen keine Rolle, wenn man sagt, dass jeder einzelne zu viel ist. Seit Jahren opfert die Hamas die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen wegen ihrer terroristischen Angriffe auf Israel. Ideologische Werte müssen zuerst in der Familie und im Volk geachtet werden, bevor man diese anderen abverlangt. Mal sehen, ob eine palästinensische Rückkehr nach Damaskus wirklich möglich ist, wenn man bedenkt, dass Assad und seine syrische Armee tausende Palästinenser in den elf Kriegsjahren regelrecht abschlachtete.

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