„Man sieht die Scham in ihren Augen“ – Israels Wirtschafts-Epidemie

Hohe Arbeitslosigkeit führt verzweifelte israelische Eltern zu Ladendiebstählen, um ihre Kinder zu ernähren

von Israel Heute Redaktion |
Protest Demonstration Foto: Miriam Alster/Flash90

Auf dem Foto: Israelis protestieren gegen andauernde Lockdowns. Auf dem Schild steht: „400.000 hungrige Kinder“

 

Eine Reihe von Experten haben davor gewarnt, dass die Folgen der anhaltenden Einschränkungen durch das Coronavirus wahrscheinlich eine schädlichere Wirkung haben als das Virus selbst. Eine der sichtbarsten Manifestationen dieses Problems ist die in die Höhe schießende Zahl von Israelis, die jetzt arbeitslos sind, ihre Kinder nicht ernähren können und sich dem Ladendiebstahl zuwenden, nur um zu überleben.

Channel 12 News berichtete diese Woche über dieses herzzerreißende Phänomen und sprach sowohl mit verzweifelten Eltern, die keine andere Möglichkeit sehen, als auch mit den Besitzern kleiner lokaler Geschäfte, die unter der Zunahme von Ladendiebstählen leiden.

Israels Arbeitslosenquote liegt derzeit bei knapp unter 25%, was bedeutet, dass weit über 1 Million Israelis im letzten Jahr ihre Arbeit verloren haben. Hinzu kommt, dass immer mehr kleine Unternehmen scheitern, weil sie als nicht lebensnotwendig eingestuft werden und deshalb ihre Läden oder Büros nicht öffnen können.

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In den ersten Monaten der Krise konnte man noch hoffen, dass sich die Wirtschaft bald wieder normalisieren würde. Doch nach einem Jahr sind die Menschen buchstäblich am Verhungern und es gibt niemanden mehr, an den sie sich wenden können.

„Man kommt an den Punkt, an dem man um 5 Schekel hier, 7 Schekel dort bettelt“, sagte ein Mann, der sich als Yehudah“ identifizierte, gegenüber Channel 12 und fügte hinzu, dass die Leute nicht mehr auf meine Anrufe antworten. Sie wissen, dass ich um Geld bitten werde. Aber ich habe keine andere Möglichkeit.“

Keine andere Möglichkeit, das heißt, außer sich dem Diebstahl zuzuwenden, was Yehudah beschämt zugab, dass er es getan hatte.

„Wenn mein Kind sagt: ‚Papa, ich habe Hunger, ich möchte etwas essen‘, und ich es zum Nachbarn schicken muss, um eine Scheibe Brot zu erbetteln, kann ich das einfach nicht mehr ertragen“, sagte er. „Leider habe ich einige Male beschlossen, in den Supermarkt zu gehen und mir Dinge zu nehmen, ohne zu bezahlen.“

Ein Lebensmittelladenbesitzer in Tel Aviv erklärte, dass die Leute heutzutage oft kommen, um ein paar kleine Dinge zu bezahlen, während sie viele weitere Dinge in ihrer Tasche verstecken. „Man sieht die Scham in ihren Augen“, sagte er.

Dem Bericht zufolge ist der Artikel, der heutzutage am häufigsten gestohlen wird, Babynahrung. Der Besitzer einer israelischen Apothekenkette sagte, dass der Ladendiebstahl epidemische Ausmaße angenommen hat, da verzweifelte Menschen nach jeder Möglichkeit suchen, um zu überleben.

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