Kriterien einer ehrlichen Diskussion

von Michael Selutin

Thora-Weisheit für ein erfolgreiches Leben

Foto: Nati Shohat/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Michael und Kinder

Unser Thora-Wochenabschnitt Korach ist wieder sehr spannend, ich empfehle Ihnen vor dem Weiterlesen die Kapitel 16 bis 18 im 4. Buch Mose zu lesen. Kurz zusammengefasst, tritt Korach mit 250 Leuten vor Moshe und Aron und beschuldigt sie, sich „über die Gemeinde zu erheben“, also unerlaubt Macht an sich zu reißen. Moshe bittet Gott um ein Zeichen, wer recht hat und am kommenden Tag sprach Moshe:

„Daran sollt ihr erkennen, daß der Herr mich gesandt hat, alle diese Werke zu tun, und daß ich nicht aus meinem eigenen Herzen gehandelt habe: Wenn diese sterben werden, wie alle Menschen sterben, und gestraft werden mit einer Strafe, wie sie alle Menschen trifft, so hat der Herr mich nicht gesandt. Wenn aber der Herr etwas Neues schaffen wird, so daß der Erdboden seinen Mund auftut und sie verschlingt mit allem, was sie haben, daß sie lebendig hinunterfahren ins Totenreich, so werdet ihr erkennen, daß diese Leute den Herrn gelästert haben!

Und es geschah, als er alle diese Worte ausgeredet hatte, da zerriß der Erdboden unter ihnen; 32 und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie samt ihren Familien und alle Menschen, die Korah anhingen, und all [ihre] Habe. Und sie fuhren lebendig hinunter ins Totenreich mit allem, was sie hatten, und die Erde deckte sie zu. So wurden sie mitten aus der Gemeinde vertilgt.“

(4. Mose 16, 28-33)

Aus der Episode mit Korach, leiten die Weisen Israels den Leitsatz ab, „Sei nicht wie Korach und seine Leute“. Diesem Leitsatz gegenüber stellten sie die positive Seite einer Diskussion dar, nämlich dass sie „Le Schem Schamaim“ – „für den Namen des Himmels“ geführt wird. Korach griff Moshe mit fadenscheinigen Vorwürfen an, es ging ihm nicht um Antworten auf seine Fragen, sondern um seine eigene gesellschaftliche Stellung, die ihm zu niedrig erschien.

Wir kennen dieses Phänomen aus unserem eigenen Leben, wenn wir schlecht gelaunt sind und mit unserem Partner eine Diskussion anfangen, die mit nichts zu tun hat und zu nichts führt. Es geht dabei nicht um den Namen des Himmels, es gibt also keine zielgerichtete, ehrliche, sachliche Diskussion, sondern es geht um meinen Frust, weil irgendein Idiot mir auf dem Weg nach Hause die Vorfahrt genommen hat und ich ihm fast reingefahren wäre.

Die psychologischen Einsichten aus der Korach-Episode haben die Kommentatoren der Bibel und des Talmud dazu veranlasst aus dem biblischen Text jede Menge Faktoren für die erfolgreiche Konfliktresolution zusammenzustellen. Ein moderner Kommentator, Rabbi Dr. Howard Kaminsky, hat die Geschichte für uns vereinfacht und in seinem Buch Fundamentals of Jewish Conflict Resolution: Traditional Jewish Perspective on Resolving Interpersonal Conflicts systematisch Ideen aus der biblischen und rabbinischen Literatur zusammengefasst und diese Quellen mit modernen Ansätzen zur Konfliktlösung verglichen. Er hat drei Kriterien herausgearbeitet, die bestimmen, ob eine Diskussion für den Namen des Himmels geführt wird und diese sind im aktuellen Umfeld besonders wichtig, wenn so viele Menschen anti-israelische-jüdische Einstellungen haben:

  • Eine ist, dass die Partei einen Mangel an intellektueller Integrität demonstriert. Sie sind an einem klärenden und kompromissbereiten Dialog nicht interessiert. Sie haben Recht und nichts, was irgendjemand sagen kann, wird ihre Meinung ändern.
  • Ein zweites Kriterium ist der Inhalt und der Ton des Streits. Wenn es klar ist, dass sie die andere Partei verurteilt und beleidigt und einen feindselige, aggressiven Ton annimmt, dann ist der Streit nicht um des Himmels willen.
  • Das letzte Kriterium bezieht sich auf die Motivation des Streits. Wenn die Diskussion auf etwas anderem als dem Streben nach Wahrheit und Frieden beruht, ist das ein starkes Indiz dafür, dass es nicht um des Himmels willen ist.

Bei einem Streitgespräch müssen wir diese Faktoren jedoch nicht nur am Anderen erkennen, sondern noch wichtiger an uns selbst. Wir müssen uns über unsere Motivationen bewusst sein und eine ehrliche Selbstprüfung vornehmen.

Tel Aviv

Ich hatte vor kurzem einmal versucht diese Weisheiten an meinen Kindern auszuprobieren, als Sarah vor mich trat und sagte,

„Papa, es ist nicht fair. Racheli hat in ihrem Kindergarten zwei Cookies bekommen und ich in der Schule nur einen, gib mir noch einen Cookie!“

„Aha“, dachte ich, „geht es hier um Fairness, oder will sie einfach nur einen Cookie?“ Ich versuchte, Sarah meine Sicht zu erklären, um zu sehen, ob sie intellektuelle Integrität demonstriert und zu einem kompromissbereiten Dialog bereit ist.

„Meine liebe Sarah, du bist ja schon sieben Jahre alt und verstehst sicherlich, dass ich nicht für die Verteilung der Süßigkeiten in euren jeweiligen Bildungseinrichtungen verantwortlich bin. Ich bin nicht verpflichtet, dich für eine von mir unabhängige subjektive Wahrnehmung einer möglichen Ungerechtigkeit zu kompensieren.“

Schweigen, Sarah legt ihren Kopf zur Seite und schaut mich forschend an.

Ich warte auf ihre Antwort, lasse mich nicht einschüchtern.

„Das ist nicht fair!“ Schreit Sarah plötzlich, „Racheli hat zwei Cookies bekommen und ich nur einen!“

Ich versuchte ein anderes Argument, „Was ist mit Naomi, sie hat im Kindergarten eine Tüte Chips bekommen, soll sie jetzt auch einen Cookie bekommen?“

„Ist mir egal, ich will einen Cookie!“ Rief Sarah in einem Ton, der etwas zu unfreundlich war für eine sachliche Diskussion.

„Cookie!“ Schrie nun Naomi

Vielleicht war ich hier die schuldige Partei und auch wenn ich nicht verantwortlich bin, kann ich den Kindern ruhig einen Cookie geben, ist ja kein großer Deal.

„Ok, hier habt ihr einen Cookie“, sagte ich und gab Sarah und Naomi einen Oreo.

Plötzlich fing Racheli an zu weinen, „ich will auch einen Cookie!“

„Aber du hattest doch schon zwei,“ sagte ich verzweifelt.

„Ich habe sie im Auto gegessen!“

Es war mittlerweile klar, dass es hier nicht um den Namen des Himmels geht, sondern nur um Cookies, ich konnte meine psychologische Untersuchung also abschließen. Ich ging in die Küche, holte die Packung Oreo, warf sie den hungrigen Löwenkindern zu und begann mit den Schabbatvorbereitungen.

Und nun das Wetter.

Sommer in Tel Aviv

Das Wetter für heute in Israel

Heiter bis teilweise bedeckt und etwas „kühler“ als gestern. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 28 Grad, Tel Aviv 27 Grad, Haifa 25 Grad, Tiberias am See Genezareth 33 Grad, am Toten Meer 34 Grad, Beersheva 33 Grad, Eilat am Roten Meer 39 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei – 209,425 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 62,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich ihnen ein angenehmes Wochenende und einen gesegneten Schabbat. Machen Sie es gut.

 

Schabbat Schalom aus Bet Schemesch!

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