Guten Morgen Israel – Politik am Esstisch

Wenn sich die erweiterte Familie zum Wochenende trifft, ist es nie langweilig. Besonders am Esstisch, wenn die Gespräche über Politik beginnen.

von Dov Eilon | | Themen: Guten Morgen
Namal Tel Aviv Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Ich begrüße Sie zu einer weiteren neuen Woche. Der 6. Dezember ist für mich auch nach 32 Jahren in Israel noch immer ein besonderer Tag. Das mag an meiner Kindheit liegen, die ich wie ein ganz normaler deutscher Junge verbracht habe ( d.h. die ersten 12 Jahre meines Lebens wegen meines Vaters noch als norwegischer Staatsbürger). Ich kann es nicht ändern, jeden 6. Dezember habe ich diese Bild von einem Stiefel mit Süßigkeiten in meinem Kopf. Den gab es eben jedes Jahr an diesem Tag, was ich als Kind natürlich toll fand, ohne mir dabei über die religiösen Hintergründe Gedanken zu machen. Überhaupt habe ich diese ganze Adventszeit vor Weihnachten noch immer in meinem Kopf.

Allerdings verzichte ich heute auf Süßigkeiten in Stiefeln, ich habe genug Probleme, mich bei den Sufganiot zurückzuhalten, die es jetzt vor Chanukka, dem Lichterfest, das am Donnerstagabend beginnt, überall zu kaufen gibt.

Kann man dem widerstehen? Sufganiot in einem Geschäft in Jerusalem

Kaum zu glauben, dass es jetzt schon wieder so weit ist, das Jahr 2020 ist wirklich sehr schnell vergangen. Ist vielleicht auch gut so, hoffen wir auf ein besseres 2021, obwohl ja nicht alles schlecht war, was uns 2020 passiert ist. Trotz Corona ging das Leben in unserer Familie weiter.

Das Wochenende haben wir mit der erweiterten Familie verbracht. Mein Schwager und sein Sohn waren aus Eilat zu uns gekommen. Wir hatten also ein „volles Haus“ (natürlich den Corona-Verordnungen entsprechend). Wenn mein Schwager bei uns zu Gast ist, ist es nie langweilig, besonders, wenn wir alle gemeinsam zum Essen am Tisch sitzen. Irgendwann kommen wir in unseren Gesprächen zur Politik, dann geht es erst richtig los. Ich kenne das schon seit rund 30 Jahren, die heißen Diskussionen über Politik. Und gerade in dieser verrückten Zeit fehlt es nicht an Themen, jetzt, wo wir doch kurz vor vierten Wahlen innerhalb von zwei Jahren stehen. Unsere Politikgespräche am Esstisch sind eigentlich keine Diskussionen, da wir uns eigentlich ziemlich einig sind, aber dennoch sind diese Gespräche immer recht laut. Ich gebe zu, es macht mir Spaß, auch, wenn die ganze politische Situation alles andere als spaßig ist. Es ist doch verrückt, jetzt noch einmal wählen zu gehen. Wo sind die ganzen Versprechungen, die wir bekamen, als diese riesige sogenannte „Corona Notregierung“ mit diesem eigenartigen Rotationsabkommen zwischen Netanjahu und Benny Gantz aufgebaut wurde? Ich war schon damals skeptisch, ob das gut gehen kann. Gantz und Netanjahu können sich einfach nicht riechen. Warum sollte das plötzlich anders sein? Der Traum von Gantz, Ministerpräsident zu werden, war stärker als sein „Nur nicht Bibi“ Parteiprogramm zusammen mit seinem Ex-Verbündeten Yair Lapid. Glaubte er aber wirklich, dass er im kommenden Jahr Ministerpräsident sein würde? Niemand an unserem familiären Esstisch glaubte daran.

Einfallsreich sind sie ja, die Demonstranten, gestern Abend in Jerusalem

Nach dem Essen sprachen wir dann noch über die wöchentlichen Demonstrationen gegen Netanjahu. Durchhaltevermögen haben sie ja, die Demonstranten, das muss man ihnen lassen. Ich persönlich bin jedoch der Ansicht, dass die politische Zukunft des Landes nur durch die Wahlen bestimmt werden kann. Ich mag es nicht, wenn jemand verurteilt wird, bevor ein Gericht ihn überhaupt für schuldig befunden hat. Ob es nun tatsächlich wieder Wahlen geben wird, das werden wir in den nächsten Tagen wissen. Experten meinen jedoch, dass uns nur ein Wunder vor weiteren Wahlen retten könnte. Dafür wäre Chanukka doch eine passende Gelegenheit, oder?

Und jetzt das Wetter:

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt bis bewölkt mit vereinzelten Regenschauern und Gewittern, besonders an der Küste. Gegen Nachmittag kann es auch im Norden und Zentrum des Landes zu Regenfällen kommen. In der Judäischen Wüste und am Toten Meer besteht die Gefahr von Blitzfluten. Etwas kühler. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 15 Grad, Tel Aviv 20 Grad, Haifa 17 Grad, Tiberias am See Genezareth 20 Grad, am Toten Meer 22 Grad, Beersheva 19 Grad, Eilat am Roten Meer 24 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist am Wochenende um einen halben Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei  – 209.95  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 115  Zentimeter bis zur oberen Grenze!


Am Toten Meer musste gestern wegen starker Regenfälle die Straße 90 gesperrt werden, nachdem der Wadi „Nahal Arugot“ übergelaufen war. 

Und nun wünsche ich Ihnen im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute einen angenehmen 2. Advent. Bei uns hat die neue Arbeitswoche begonnen. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!

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