Guten Morgen Israel – Wir lassen uns nicht einsperren

Das Café ist zu, aber Bestellungen per WhatsApp sind erlaubt.

Guten Morgen Israel – Wir lassen uns nicht einsperren
Aviel Schneider

Boker Tov liebe Leser!

Alle reden von einem Lockdown, aber unterwegs wurden wir von keiner Polizeisperre angehalten und gefragt, weshalb wir nicht zu Hause sind. „Und wohin wir fahren.“ Da wir ein Medienwerk sind, haben wir gemäß den neuen Vorschriften trotz nationaler Ausgangssperre die Genehmigung, in der Redaktion in Jerusalem zu arbeiten. Am Freitagfrüh sind Anat und ich in die Stadt gefahren. Wir haben uns mit unseren Freunden im Jerusalemer Gemüsemarkt zum Kaffee verabredet, obwohl wir wussten, dass alle Kaffees geschlossen sind. Der Machane Jehuda Markt war offen oder zum Großteil offen, die Gemüseläden, Fisch, Obst, Brote zum Schabbat und alle anderen wie immer. Natürlich haben wir uns gefreut im Markt Leben zu sehen, aber eigentlich dachten wir, der Markt sei geschlossen. Denn so wurde dies in den Medien angegeben. Jeder von uns war natürlich mit seiner Schutzmaske. Keine Umarmung und keine Backenküsse wie üblich. Abstand mit Masken. Aber wir sehen uns.

Ist das Café offen oder geschlossen? Wir bestellen per Whatsapp.

Das Café, wo wir uns jeden Freitag treffen war theoretisch geschlossen. Praktisch waren aber die Jalousien halb offen, aber Tische und Stühle waren in den engen Gassen nicht ausgestellt. An der Kasse hing ein großes Schild aus: „Für Bestellungen schickt uns ein WhatsApp mit eurem Namen und sagt uns, wo ihr im Umkreis steht“. Ich begrüßte an der Kasse die üblichen Gesichter mit Guten Morgen. Was gesperrt war, war der Radius um das Eckkaffee, zwei Meter. Also das geht so. Wir haben per WhatsApp unseren Espresso, frischen Kräutertee (für Anat), Wasser und kleines Baguette bestellt. Etwa sieben Minuten später ruf Aviv unseren Namen und suchte uns in der Umgebung. Auf seinem Kellnertablett brachte er uns die Bestellung. Die Bezahlung machten wir mit Cash. Nun überlegten wir, ob wir stehenden den Kaffee genießen oder irgendwo anders in einer Nebengasse Platz finden.

Neben mir sah ich Shaul Meridor. Wir begrüßten uns und haben uns kurz unterhalten, bis die anderen entschieden, wo wir mit den Kaffee in den Händen hingehen. Shaul trifft sich auch jeden Freitag im selben Kaffee mit seinen Freunden. Bis vor kurzem war Shaul der Leiter der Haushaltabteilung im israelischen Finanzministerium, aber dann ist er unter dem neuen Finanzminister Israel Katz zurückgetreten. Er kritisierte Israels Finanzpolitik in der Corona-Krise und warnte vor einem zukünftigen Wirtschaftschaos. Sein Vater Dan Meridor war einmal ein Parteikollege von Benjamin Netanjahu und zählte zu den so genannten Prinzen der Likud unter Menachem Begin, wie Ehud Olmert, Benny Begin und Ronny Milo. Aber als Netanjahu in den 80er Jahren seinen Dienst als Israels UN-Botschafter in den USA beendete, ist er der Likud beigetreten und drängte alle Prinzen an die Seite. Dan Meridor diente unter Netanjahu bis 2013 als Geheimdienstminister.

Ab und zu sitzen wir mit Shaul im Markt zusammen. Er ist ein Finanzmeteor. Wenn wir alle Zahlen und Rechnungen richtig verstanden haben, so wird Israels Staatskasse ausgepumpt, um das Volk in dieser Wirtschaftskrise zufrieden zu halten. Aber das leert die Staatskasse und davor warnte Shaul. Und dies ist in einer Zeit, in der neuen Wahlen eine ständige Option sind, für Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu natürlich riskant. Ein murrendes Volk heißt Wahlen verlieren. Daher bestimmen politische Entscheidungen und nicht Zahlen. So oder so, schließlich haben wir uns aufgemacht und uns woanders hingesetzt. Auf Treppenstufen und in einem Innenhof wenige Meter von den Marktgassen entfernt. Ein Lockdown ist gültig, aber in Jerusalem sieht es so aus, als ob jeder eine Sondergenehmigung hat unterwegs zu sein oder alle Menschen um uns leben wirklich nur im Radius von 1000 Meter, was erlaubt ist. Tja, das nennen wir IsraBluff. Mit anderen Worten, nichts Ausgangssperre. Alles ist nur ein Bluff, ein typischer Israel Bluff. Darüber wird übrigens in den israelischen Medien debattiert. Natürlich ist das nicht gut, aber dafür ist die Regierung schuldig, die einfach zu viele Lücken offenlässt und keine Strafverfolgung durchführt. Übrigens, der Markt ist weniger als 1000 Meter von der Redaktion entfernt und Lebensmittel einkaufen ist auch erlaubt. Dennoch Chag Sukkot Sameach!

Viele Grüße aus dem Lockdown!

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Das Wetter für heute in Israel

Heiter bis teilweise bewölkt und besonders im Landesinneren und in den Bergen wieder wärmer. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 28 Grad, Tel Aviv 29 Grad, Haifa 27 Grad, Tiberias am See Genezareth 34 Grad, am Toten Meer 34 Grad, Beersheva 31 Grad, Eilat am Roten Meer 34 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um zwei weitere Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.79 m unter dem Meeresspiegel angegeben. Es fehlen 99 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Die Redaktion von Israel Heute wünscht Ihnen einen angenehmen Montag. Machen Sie es gut.

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