Jerusalem von unten

„Jeder, der genügend Zeit in Jerusalem verbringt, wird die göttliche Gegenwart (Schechinah) entdecken – Er, der im himmlischen (oberen) Jerusalem wohnt.

von Ryan Jones | | Themen: Jerusalem

Der Korrespondent des israelischen Fernsehkanals Channel 12, Ohad Chemo, ist kein sehr religiöser Mensch. An seiner Reaktion auf seinen Besuch um „unterirdischen Jerusalem“ kann man jedoch ablesen, dass es im Herzen jedes Juden einen besonderen Platz für die von Gott auserwählte Stadt gibt.

Chemo ging zu Pessach mit der Kamera in die Höhlen und Tunnel Jerusalems. Während die meisten Besucher die Kotel (Klagemauer) oder andere Sehenswürdigkeiten besichtigten, kam Chemo der Geschichte Jerusalems viel näher.

Die historischen Wunder im Jerusalemer Untergrund sind nur wenigen bekannt. Wasserquellen, Tunnel, Bergwerke und vieles mehr lässt die einzigartige Geschichte der Stadt, vor allem unter biblischem Gesichtspunkt, deutlich werden. Chemo will all dies dem Durchschnittsisraeli zugänglich machen, um die Liebe zu Jerusalem zu entfachen, die in jedem jüdischen Mann, jeder Frau und jedem Kind des heiligen Volkes schlummert: „Jeder, der genügend Zeit in Jerusalem verbringt, wird die göttliche Gegenwart (Schechina) entdecken. Wir werden jedoch das Spirituelle außen vor lassen und uns Jerusalem von unten anschauen.“

Der Forscher Ron Peled, ein Experte in Sachen Jerusalemer Geschichte, stieg mit Chemo in den Untergrund der Stadt hinab. Peled zeigte als erste Station eine Höhle, die der Legende nach endlos sein soll. Nachdem Israel 1967 die Kontrolle erlangt hatte, knoteten die ersten Erforscher dieser Höhle das Ende eines Seils an den Eingang der Höhle, um wieder herauszufinden.

Heute ist die Attraktion als Höhle des Zedekia bekannt oder auch als Steinbruch König Salomos, der sich als Kalksteinbruch unter dem arabischen Altstadtviertel ausdehnt. Er war der größte Steinbruch, den Jerusalem je hatte, er wurde tausende Jahre lang ausgebeutet. Es wird angenommen, dass es sich um den Steinbruch handelt, der in 1. Könige 5 erwähnt wird: „Und Salomo hatte 70.000 Lastträger und 80.000 Steinhauer im Gebirge … Und der König gebot, und sie brachen große Steine aus, kostbare Steine, um den Grund des Hauses mit Quadersteinen zu legen.“

Man darf nicht vergessen, dass Jerusalem zur damaligen Zeit eine der größten und berühmtesten Städte der Welt war“, erklärte Peled. „Die Steine für seinen Bau mussten von irgendwoher kommen. Das ist der größte und nächstliegende Steinbruch Jerusalems, und da er unter der Erde lag, war er jederzeit zugänglich, unabhängig von Jahreszeit und Wetter.“

Chemo fragte die heutigen Anwohner, mehrheitlich Araber, ob sie denn wüssten, was unter ihren Füßen liegt. Abu al‑Abed, ein älterer Anwohner, erklärte, dass er durchaus von der „Stadt unter uns“ wisse, sich aber eher Sorgen darüber mache, was dort verborgen sei. Viele glauben an Geister früherer Einwohner, die in diesen Katakomben hausen.

Im unterirdischen Jerusalem hat Chemo die Bindung an seine Vergangenheit, als Israeli und als Jude besonders gespürt. Sein letzter Abstecher führte ihn zur Christuskirche beim Jaffator. Der Eingang zu den Tunneln dort war sicherlich weniger „modern“ und bedurfte einer Bergsteigerausrüstung, um sich in die Untergrundkanäle hinabzulassen. Aber was Chemo fand, war die Anstrengung wert. „Es ist wie ein Zeittunnel“, schwärmte er. „Ich muss ehrlich sagen, es ist schon sehr bewegend, hier zu sein. Dieser Tunnel wurde vor 2000 Jahren von Herodes gegraben, um Wasser von Bethlehem zum Tempelberg zu bringen. An diesem Ort ist die Zeit stehengeblieben.“

Die Tunnel an der Klagemauer Foto: Mendy Hechtman/Flash90

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