Da Hamas Berichten zufolge kurz vor dem Zusammenbruch steht, wollte die israelische Regierung am Montag eine weitere großangelegte Einberufung von Reservisten genehmigen – als letzten Vorstoß zur Zerschlagung der Terrorherrschaft in Gaza, bevor internationaler Druck den Krieg stoppen könnte.
„Wir wollen siegen“
Bei einem Besuch im Gazastreifen am Sonntag erklärte Generalstabschef Maj.-Gen. Eyal Zamir, die israelische Armee folge einem detaillierten und umfassenden Plan, dessen Ziel es sei, den Großteil des Küstenstreifens unter Kontrolle zu bringen und den Krieg mit einem klaren Sieg für Israel zu beenden.
„Wir intensivieren unsere Operationen gemäß einem strukturierten Plan“, sagte Zamir zu seinen Truppen im Raum Chan Yunis im Süden des Gazastreifens.
Er betonte, dass „Hamas unter enormem Druck steht; die Organisation hat den Großteil ihrer Mittel und ihrer Kommandostruktur verloren. Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um die Geiseln heimzuholen, Hamas zu besiegen und ihre Herrschaft zu beenden.“
„Dies ist kein endloser Krieg; wir werden ihn verkürzen, sobald wir unsere Ziele erreicht haben“, sagte Zamir weiter. „Wir wollen siegen – mit Entschlossenheit, Gründlichkeit und unter Wahrung der Sicherheit unserer Soldaten.“
Erweiterte Einberufung von Reservisten
Um dieses Ziel zu erreichen, sollte die Regierung am Montag einem Vorschlag zustimmen, der es der Armee erlaubt, weitere 400.000 Reservisten einzuberufen.
Der Vorschlag spiegelt offenbar Zamirs frühere Einschätzung wider, dass 2025 ein „Jahr des Krieges“ werde.
Während seines Besuchs in Gaza erklärte Zamir zudem: „Wir verteidigen uns – und um uns zu verteidigen, greifen wir an. Das ist eine zentrale Lektion vom 7. Oktober.“
Siehe auch: Tacheles mit Aviel – Gideons Streitwagen, Politik im Schatten der Bibel

Druck von Trump?
Für viele ist Zamirs Bemühen, die IDF wieder auf Sieg statt Abschreckung auszurichten, erfrischend – kommt jedoch womöglich zu spät. Mehr als anderthalb Jahre nach Kriegsbeginn ist die internationale Gemeinschaft, selbst die israelfreundliche Trump-Regierung, zunehmend kriegsmüde.
Israel fürchtet, zu einem ungünstigen Waffenstillstand gedrängt zu werden, wenn es nicht bald militärische Durchbrüche erzielt. Ein Waffenstillstand, der Hamas an der Macht belässt und die Terrororganisation nicht entwaffnet, würde weithin als Niederlage Israels gewertet – ungeachtet der Zerstörung Gazas.
Seit Wochen kursieren in Israel Gerüchte, wonach US-Präsident Donald Trump zunehmend frustriert über die ausbleibenden Fortschritte in Richtung Waffenstillstand sei – da der Gaza-Krieg seine globale Agenda beeinträchtige.
Auch wenn das Weiße Haus sämtliche Spekulationen über einen sich vertiefenden Graben zwischen Trump und Israel umgehend dementiert hat, halten sie sich hartnäckig – und nähren das Gefühl in Israel, dass die Zeit davonläuft.
Inside Operation Gideon’s Chariots: A targeted IDF mission to dismantle terror at its source.@LTC_Shoshani pic.twitter.com/LvPmDPli28
— Israel Defense Forces (@IDF) May 20, 2025
Erschöpfung unter Reservisten
Hinzu kommt das Problem der Erschöpfung unter den Reservisten. Israel ist ein kleines Land und kann nur schwer einen langen Krieg durchhalten. Die Mobilisierung von Hunderttausenden Reservisten belastet die Wirtschaft massiv – und auch das gesellschaftliche Gefüge, da unzählige Ehemänner, Väter und Söhne im Einsatz sind.
Aus diesem Grund hat Israel historisch stets schnelle Siege angestrebt.
Ein Vater, der mit Israel Heute sprach, brachte die wachsende Frustration vieler auf den Punkt: Immer wieder seien es dieselben Zehntausenden Reservisten, die eingezogen würden. Mit anderen Worten: Ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung führt den gesamten Kampf – und riskiert dabei ständig sein Leben für den Rest. Dieses Gefühl wird mit fortdauerndem Krieg immer lauter – und droht, die israelische Gesellschaft weiter zu spalten.




