(JNS) 50 bis 60 Prozent der israelischen Ölimporte aus Aserbaidschan und Kasachstan werden durch Georgien transportiert. Dies unterstreicht für Jerusalem die Bedeutung der Rolle Tiflis’ bei der Aufrechterhaltung der regionalen Stabilität, erklärte Israels Botschafter in Georgien, Walid Abu Haya, am Dienstag gegenüber JNS.
Abu Haya wurde in einem drusischen Dorf im Norden Israels geboren und wuchs dort auf. Er diente in der IDF und bekleidete mehrere diplomatische Posten, darunter als stellvertretender Missionsleiter in Harare, Simbabwe, als stellvertretender Missionsleiter in Prag sowie von 2018 bis 2022 als stellvertretender Leiter der israelischen Vertretung bei der Europäischen Union und der NATO in Brüssel. Im vergangenen Sommer trat er seinen Posten in Tiflis an.
Ausgehend von seiner diplomatischen Erfahrung erklärte Abu Haya, dass es unterschiedliche Muster diplomatischer Beziehungen zwischen Staaten gebe. Einige verfügten über starke zwischenmenschliche Beziehungen, aber schwächere Beziehungen zwischen den offiziellen staatlichen Institutionen, während es bei anderen umgekehrt sei. Das optimale Szenario sei, wenn beide Arten von Beziehungen stark seien, wie dies bei Israel und Georgien der Fall sei.
Abu Haya beschrieb die Beziehungen zwischen Israel und Georgien als in 2.600 Jahren des Zusammenlebens von Georgiern und Juden verwurzelt.
„Sie lebten in Harmonie und guter Nachbarschaft, und dies führte zu guten Beziehungen zwischen dem Volk Israel und dem georgischen Volk. Die jüdische Präsenz im Land im Laufe der Zeit stellt eine solide Brücke zwischen beiden Nationen dar“, sagte er. Zugleich wies er darauf hin, dass die Gemeinde inzwischen auf höchstens einige Tausend Menschen geschrumpft sei, da viele während der Sowjetzeit nach Israel gezogen seien.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war Israel das vierte Land, das die Unabhängigkeit Georgiens offiziell anerkannte. Israel eröffnete im Februar 1993 seine Botschaft in Tiflis.
Abu Haya erklärte, er könne zwar nicht im Detail über die Verteidigungs- und Sicherheitsbeziehungen sprechen, doch die beiden Länder pflegten eine gute und transparente Zusammenarbeit, gegenseitigen Respekt für die Fähigkeiten des jeweils anderen sowie einen Informationsaustausch zu verschiedenen Themen.
Iran und regionale Sicherheit
Zu den iranischen Versuchen, Teile der georgischen Bevölkerung zu beeinflussen, sagte Abu Haya, öffentlichen Quellen zufolge gebe es möglicherweise derartige Bemühungen unter einigen schiitischen muslimischen Bürgern aserbaidschanischer Herkunft, wahrscheinlich im Bildungsbereich.
„Ich hoffe, dass es nichts gibt, was sich zu einer Sicherheitsbedrohung für Israel, die israelische Botschaft oder jüdische Interessen in diesem Land entwickeln könnte. Wo immer wir sind, sind wir potenziellen Bedrohungen ausgesetzt, und wir arbeiten diesbezüglich mit den Behörden zusammen“, erklärte er gegenüber JNS.
Da Iran geografisch nahe an Georgien liegt, unterhalten die beiden Länder diplomatische Beziehungen, in die sich Israel nicht einmischt.
Während es mitunter heikel sein könne, Georgiens Beziehungen zu Iran und anderen muslimischen Ländern, die keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhalten, auszubalancieren, sagte Abu Haya, er vertraue darauf, dass die georgische Regierung mit der Situation umgehen könne.
Über den Tourismus als wichtigen Bestandteil der bilateralen Beziehungen sagte Abu Haya, Georgien sei ein Land, in dem sich Israelis willkommen fühlten. Zudem sei die georgische Kultur der israelischen Kultur recht ähnlich.
„Es ist eine offene, herzliche Gesellschaft, die Ausländer akzeptiert und Menschen gut behandelt, mit sehr schönen Landschaften, Geschichte und Kultur. Es ist ein gutes Reiseziel für jeden Touristen, nicht nur für israelische Touristen“, sagte er.
Da einige Reiseziele, die zuvor bei Israelis beliebt waren, wie etwa die Türkei, nach dem von der Hamas angeführten Massaker vom 7. Oktober 2023 und den darauffolgenden Kriegen inzwischen seltener besucht werden, hat sich ein Teil dieses Tourismus nach Georgien verlagert.
Im Jahr 2025 besuchten mehr als 400.000 Israelis Georgien, das nur etwas mehr als zwei Flugstunden entfernt liegt. Damit war Israel nach Russland, der Türkei und Armenien, die alle an Georgien grenzen, das Land mit der viertgrößten Zahl an Touristen in Georgien.
Jedes Jahr fließen durch Tourismus, Immobilieninvestitionen, Landwirtschaft, den medizinischen Sektor und andere Bereiche Devisen im Wert von Hunderten Millionen Dollar aus Israel nach Georgien. Der bilaterale Handel belief sich 2024 auf insgesamt etwa 50 bis 60 Millionen Dollar.
„Wir sollten nicht den Fehler machen, die Wirtschaftsbeziehungen ausschließlich aus der Perspektive des Handels zu betrachten. Dieser ist gering, aber wenn man das Gesamtbild aus Tourismus und Investitionen hinzunimmt, würde ich sagen, dass es zwischen den beiden Ländern eine Menge wirtschaftlicher Aktivitäten gibt“, sagte Abu Haya.
Strategischer Knotenpunkt
Georgien, so fuhr er fort, liege an einem wichtigen Knotenpunkt zwischen Russland, Europa, Ostasien, Zentralasien und dem Nahen Osten und strebe danach, zu einem Korridor zu werden, der diese Regionen miteinander verbindet.
„Sie bauen ihre Infrastruktur aus und haben mit den Arbeiten am Tiefwasserhafen in Anaklia begonnen, der Zentral- und Ostasien mit Europa verbinden könnte“, sagte er.
Abu Haya erklärte, er messe auch den zwischenmenschlichen Verbindungen große Bedeutung bei und wolle diese mit einem Schwerpunkt auf der Generation Z stärken, die seiner Ansicht nach weniger mit der Geschichte des Staates Israel und der örtlichen jüdischen Gemeinde Georgiens vertraut sei.
Der Botschafter sagte, er konzentriere sich auf Israels Stärken, insbesondere in den Bereichen Innovation, Cybersicherheit und Hightech, Bildung, Forschung und Entwicklung sowie künstliche Intelligenz.
Die Georgier, so sagte er, betrachteten Israel als ein Vorbild, dem sie nacheifern wollten. Beide Nationen seien klein und lägen in unruhigen Regionen, dennoch sei Israel zu einem Leuchtturm für andere Nationen geworden.
„Sie möchten, dass wir unsere bewährten Verfahren mit ihnen teilen. Sie wollen ebenfalls dorthin gelangen, und wir sind hier, um ihnen dabei zu helfen“, sagte er.
Auf kultureller Ebene, so Abu Haya, gehörten zu den gemeinsamen Aktivitäten Tourneen israelischer Theaterproduktionen durch Georgien und israelische Filme, die bei georgischen Filmfestivals im Wettbewerb stehen.
„Bis Ende des Jahres plane ich, das Israelische Andalusische Orchester aus Aschdod hierher zu holen, damit es zu Chanukka und Weihnachten auftritt“, sagte er.
Seit vielen Jahren, so Abu Haya, teile Israel über MASHAV, die israelische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium, sein Fachwissen mit Georgien.
„Mehr als 2.000 Georgier wurden in den vergangenen 30 Jahren in Israel an verschiedenen Instituten in den Bereichen Landwirtschaft, frühkindliche Bildung, Sicherheit, Gesundheit und medizinische Fragen ausgebildet, und wir setzen dies fort. Jedes Jahr nehmen Dutzende Georgier an Seminaren teil und kehren anschließend in ihre Gemeinden zurück, um weiterzugeben, was sie in Israel gelernt haben“, sagte er.
Mit Blick auf die derzeit in Georgien lebende jüdische Gemeinde sagte Abu Haya, einige Juden seien zurückgekehrt, nachdem Georgien seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte, während andere das Land nie verlassen hätten. Auch einige Israelis, hauptsächlich georgischer Herkunft, seien zurückgekehrt, um in Georgien zu leben, während andere ohne georgische Wurzeln dorthin gezogen seien, weil sie sich in dem Land wohlfühlten.
Georgien, so sagte er, sei ein gutes Beispiel dafür, wie Menschen unterschiedlicher Religionen und Glaubensüberzeugungen in Harmonie und Frieden zusammenleben könnten. Schätzungsweise 100.000 Israelis georgischer Herkunft seien ihren Wurzeln weiterhin tief verbunden und besuchten Georgien in der Regel mehrmals im Jahr.
„Erinnerungen an die jüdische Präsenz in diesem Land finden sich überall. Darauf sind Georgier und Juden stolz“, sagte er.




