Guten Morgen liebe Leser!
Wenn ich aus dem Fenster unserer Redaktion schaue, könnte man glauben, der Sommer sei zurückgekehrt. Der Himmel ist wolkenlos. Allerdings ist es recht kühl, es waren gerade mal 8 Grad, als ich hier in Jerusalem aus dem Bus stieg. Die schöne Sonne wird bald von Wolken bedeckt werden, denn schon in der Nacht soll der Regen wieder kommen und am Donnerstag geht es dann so richtig los. Dann kommt der Winter mit allem, was er zu bieten hat: Sehr niedrige Temperaturen, Gewitter und Sturm, Regen und sogar Schnee auf den Gipfeln der Berge im Norden und und sogar im Zentrum des Landes. Schnee in Jerusalem? In der Zeitung hatte man das gestern schon erwähnt. Hier in Jerusalem redet man immer gerne von der Möglichkeit von Schnee, abwarten.
Und hier ist das Wetter für heute in Israel:
Heiter bis wolkig ohne bedeutende Veränderung der Temperaturen. In der kommenden Nacht werden leichte Regenschauer im Norden und an der Küste erwartet, die von Gewittern begleitet werden können. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 13 Grad, Tel Aviv 18 Grad, Haifa 16 Grad, Tiberias am See Genezareth 18 Grad, am Toten Meer 22 Grad, Eilat am Roten Meer 22 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei -214.245 m unter dem Meeresspiegel.
Ein anderer Sturm wurde gestern um Finanzausschuss der Knesset ausgelöst. Während Behinderte noch immer auf der Straße für mehr monatliche Unterstützung kämpfen, um einige hundert Shekel mehr, haben die Minister ihr Gehalt um ganze 5000 Shekel erhöht (ca. 1200 Euro), der Ministerpräsident bekommt ab nächsten Monat 5500 Shekel mehr Gehalt (ca. 1320 Euro). Es ist schon praktisch, wenn man per Abstimmung sein eigenes Gehalt erhöhen kann.
Dies hat gestern eine Welle der Kritik ausgelöst. Der Minister Israel Katz sagte schon vorher, dass er auf die Gehaltserhöhung verzichten möchte. Auch vier andere Minister haben später erklärt, dass sie bereit seien, auf die Erhöhung zu verzichten. Ein Moderator im Fernsehen äußerte sich gestern sehr kritisch gegen die Entscheidung gerade jetzt, wo so viele Bürger Hilfe brauchen, diese Gehaltserhöhung vorgenommen wurde. Behinderte, Arme, alleinerziehende Mütter, Kranke, es gibt so viele Menschen, die das Geld wirklich nötiger gebrauchen könnten. Er wirkte wirklich sehr verärgert, richtig wütend.
„Die Schuhe vom Ministerpräsidenten sind mehr wert als die monatliche Unterstützung für die Behinderten“, sagte eine Behinderte während einer weiteren Demonstration auf der Straße.
Bis jetzt hatte ein Minister ein Monatsgehalt von 39236 Shekeln bekommen (ca. 9500 Euro), der Ministerpräsident bekam um die 44500 Shekel im Monat (ca. 10800 Euro). Dazu kommen noch etliche Extras, wie Miete für die, die mehr als 40 Kilometer von Jerusalem entfernt wohnen, ein Auto mit Fahrer, 1300 Shekel für Unkosten (ca. 320 Euro), Zeitungen, Telefone und Handys, sie bekommen Gehilfen und Berater bezahlt und ein Büro im Jerusalem und in Tel Aviv und noch etliche Dinge mehr. Alles auf Kosten des Steuerzahlers. Nicht schlecht. Eigentlich sollte man damit doch zurechtkommen, oder?

Warum gleich 5000 Shekel mehr? Die Minister hätten sonst weniger verdient als die Abgeordneten der Knesset. Und das wollte man jetzt ändern und hat die Gehälter der Minister an das Gehalt des Oppositionsführers und das Gehalt des Ministerpräsidenten an das Gehalt des Knesset-Vorsitzenden angeglichen. Ab Januar 2019 sollen sich die Gehaltserhöhungen nach den Erhöhungen des Durchschnittsgehalts im Land richten.
Ich denke, der Zeitpunkt der Erhöhung ist sehr schlecht gewählt. Ich kann ja verstehen, dass ein Minister nicht weniger verdienen kann als ein normaler Abgeordneter, dennoch wäre es ein guter Schritt gewesen, das Geld für dringlichere Dinge auszugeben. Die Regierung sei vom Volk isoliert, sie kümmere sich nicht um die Bedürftigen im Land, kritisierten Bürger die Entwscheidung der Minister. Das sieht wirklich nicht gut aus, wären morgen Wahlen angesagt gewesen, hätten die Politiker es wohl kaum gewagt, ihre Gehälter zu erhöhen. Dazu muss aber gesagt werden, dass das Abstimmungsergebnis im Finanzausschuss knapp war, 5 stimmten dafür, 4 dagegen. Aber irgendwie peinlich ist es schon.
Es ist nicht einfach hier im Land, Probleme gibt es genug. Doch in einem sind wir uns alle einig: Wie lieben dieses Land. In der Hoffnung, dass wir mit der Zeit immer mehr Probleme lösen können, damit die Behinderten nicht mehr auf die Straßen gehen müssen, die Armen nicht mehr so arm sein werden, die alleinerziehenden Eltern ihren Kindern eine bessere Zukunft geben können, die Obdachlosen ein Dach über den Kopf bekommen und die Regierung sich erst um das Volk und dann um ihre Gehälter kümmern wird, wünsche ich Ihnen einen wunderbaren und friedlichen Dienstag, machen Sie es gut.
Shalom aus Jerusalem!
Dov




