Guten Morgen liebe Leser!
Von dem für gestern versprochenen Regen haben wir hier in Jerusalem fast nichts mitbekommen. Dafür regnete und donnerte es im Norden des Landes um so mehr. In Jerusalem gab es gegen Nachmittag nur ein paar Regentropfen, dann kam die Sonne wieder hervor. Heute ist der Himmel wieder strahlend blau und die Temperatur liegt momentan bei um die 19 Grad. Mittags sollen die Temperaturen bei 24 Grad liegen, besser geht es nicht.
Und hier ist das Wetter für heute in Israel:
Heiter bis wolkig mit einem leichten Anstieg der Temperaturen. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 24 Grad, Tel Aviv 27 Grad, Haifa 27 Grad, Tiberias am See Genezareth 31 Grad, am Toten Meer 31 Grad, Eilat am Roten Meer 30 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen halben Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -214.19 m unter dem Meeresspiegel.
Gestern Nachmittag bin ich relativ zügig nachhause gekommen, nachdem ich etwas länger als sonst in der Redaktion geblieben bin. Wir mussten die November Ausgabe unseres Magazins fertigstellen und in den Druck geben. An solchen Tagen ist der Arbeitstag dann immer etwas länger. Ich dachte erst, dass ich nun in den Berufsverkehr geraten würde, aber es ging dann recht zügig voran, seitdem der teilweise neue Bau der Schnellstrasse 1 fertig ist.
Wäre ich allerdings noch länger in Jerusalem geblieben, hätte ich höchstwahrscheinlich Probleme bekommen, aus der Stadt zu kommen. Grund dafür waren neue Demonstrationen und Straßenblockierungen von orthodoxen Juden, vor allem der Jerusalemer Abteilung der zur Litauer Strömung angehörigen Orthodoxen. Der Grund für die Proteste ist kein neuer. Es geht wieder um Jugendliche, die von der Militärpolizei festgenommen wurden, nachdem sie sich nicht an der Rekrutierungsstelle der Israelische Armee gemeldet hatten. Zwei von ihnen waren gestern auf dem Weg vom Toten Meer nach Jerusalem, als sie an einem Kontrollposten kontrolliert wurden. Dabei kam raus, das die beiden sich vor der Armee gedrückt haben. Daher wurden sie der Militärpolizei übergeben. Die Reaktion liess nicht lange auf sich warten. Nicht nur in Jerusalem gingen die orthodoxen Juden (die Litauer der Jeruslamer Abteilung) auf die Straßen, sondern auch an vielen anderen Kreuzungen im Land.

Das Bild zeigt die Kreuzung vor der Tiefgarage, wo ich immer mein Auto parke. Der Verkehr, Autos, Busse und Straßenbahn, kam natürlich vollkommen zum Stillstand, Während der Auseinandersetzungen zwischen den Polizisten und den Demonstranten kam es zu einem Zwischenfall, von dem heute früh in den Nachrichten berichtet wurde. Nachdem Demonstranten Steine auf einen Polizeiwagen geworfen hatten und sich danach einem Polizisten immer weiter näherten, fühlte dieser sich derart bedroht, dass er die Pistole zog, um die Menge zu stoppen. Die Polizei erklärte den Fall heute früh und zeigte Verständnis für den Polizisten, sagte aber auch, dass er zu einem Aufklärungsgespräch geladen würde.
Die orthodoxen Demonstranten verlangen ein Ende der Jagd nach ihnen, wie sie später erklärten. Die Maßnahmen des Staates werden von ihnen als “nichts bringende Bemühungen, unsere Jugend in Soldaten zu verwandeln und die traditionelle Lebensweise der Orthodoxen zu stören” bezeichnet. Ich habe leider auch das Gefühl, dass dieses Problem kaum lösbar ist. Die Festnahmen der jungen Orthodoxen, die sich vor der Armee drücken, macht auf diese gar keinen Eindruck, sie werden sogar gefeiert. Es bringt also gar nichts, sie festzunehmen. Auf der anderen Seite muss man doch verstehen, dass es nicht geht, dass nur ein Teil der Bürger des Landes den Dienst in der Armee macht. Warum zum Beispiel muss meine Tochter, die sich gerade in der Grundausbildung befindet, zwei Jahre ihres Lebens für das Land geben, während andere es nicht müssen und dennoch alle Rechte eines Bürgers genießen? Meinetwegen brauchen die Orthodoxen nicht unbedingt in der Armee dienen, aber sie könnten doch eine sozialen Dienst leisten, es gibt sehr viele orthodoxe Juden, die zum Beispiel bei der von einem orthodoxen Juden gegründeten Ichud Hazala Rettungsdienst-Organisation arbeiten. Sie leisten erste Hilfe wie der Magen David Adom – Rote Davidstern und sind oft als erste an einer Unfallstelle. Sehr viele religiöse Mädchen machen den sozialen Dienst und bekommen dann vom Staat die gleichen Vergünstigungen wie die, die in der Armee waren.
“Ichud Hazala“ in AktionDieser ewig dauernde Streit zwischen dem Staat und den orthodoxen Juden, die den Dienst in der Armee verweigern, muss ein Ende haben. Leider bin ich mit nicht sicher, ob die Orthodoxen alle bereit wären, einen sozialen Dienst für die Gemeimschaft zu leisten, aber wer weiss. Es muss ein Dialog zustande kommen. Denn, wie sagt man bei uns? Wir sind doch alle Juden (kulanu Jehudim)!
Und jetzt wünsche ich Ihnen einen angenehmen und friedlichen Dienstag. Machen Sie es gut.
Shalom aus Jerusalem
Dov




