MitgliederIn der Wüste wird das Volk auf die Probe gestellt

„In der Negev-Wüste wird Israels Kreativität und Kühnheit als Pioniere auf die Probe gestellt.“

von Aviel Schneider |
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Doron Eran (Bild: Creative Commons)

„Der Negev ist Israels größte Herausforderung im Land“, unterstrich vor wenigen Wochen Doron Eran (48) der Vorsitzende des Regionalverbandes Ramat HaNegev. „David Ben Gurions unsterblicher Satz Im Negev wird das Volk Israel auf die Probe gestellt, ist mir stets vor Augen. Israels Existenz wird nicht in Tel Aviv getestet, sondern in der Wüste. Das hat David Ben Gurion bereits vor 65 Jahren vorausgesehen. Aber bisher folgten nur wenige der Vision des Staatsgründers. Doch jetzt, im Zuge der Corona-Krise, des amerikanischen Jahrhundertdeals und der demografischen Entwicklung, wird der Negev attraktiver, besonders die Nizanna Ebene. Aber war die Wüste in Israels Geschichte nicht schon immer ein Ausbildungs- und Erziehungsfeld? Nicht nur für Mose und die Kinder Israels, auch für Propheten wie Elia und selbst Jesus, der in der Wüste auf die Probe gestellt wurde. Also hat die Wüste noch immer einen geistlichen und pädagogischen Mehrwert, was zum Werdegang für Mensch und Volk dazu gehört.

Innovation in der Wüste: Ein Tausammler im ökologischen Dorf Nitzana

In den nächsten 20 Jahren wird sich Israels Bevölkerung fast verdoppeln. Israel wird weiterhin eines der dichtbesiedelsten Länder in der westlichen Welt sein.“ Daher besteht die Frage, wie der Negev einerseits mit dem Bevölkerungswachstum und andererseits mit den Bedürfnissen des Staates Israel umgehen wird. Ein kritischer Knackpunkt, denn bisher war es nicht leicht, Israelis in die Wüste zu locken, obwohl Israels Highway 6 bis in die Wüste reicht.

Beduinen an der israelisch-ägyptischen Grenze unweit von Nizanna

„Als uns der amerikanische Friedensplan vorgelegt wurde, waren wir schockiert. Keiner hat mit uns darüber geredet. Bei allem Respekt für die jüdischen Siedlungen in Judäa und Samaria, wir werden auf keinen Fall auf Landflächen in der Nizanna Ebene verzichten. Weder auf unsere Siedlungen noch auf unsere Landwirtschaftsfelder.“ Dies machte Eran in einem Schreiben an Israels Premierminister Benjamin Netanjahu deutlich, in dem er die Enttäuschung und Unzufriedenheit der israelischen Wüstenfarmer in Bezug auf den Friedensplan zum Ausdruck brachte. Er lud Netanjahu ein, die bahnbrechenden zionistischen Siedlungen in der Wüste kennenzulernen. „Ich erwarte, dass Sie sich zum Schutz der jüdischen Siedlung im Negev genauso verpflichten, so wie Sie sich zum Schutz der jüdischen Siedlungen in Judäa und Samaria verpflichten.“

Landwirt
Ein Landwirt in Kadesh Barnea, in der westlichen Negev-Wüste

Auf einem Viertel der Fläche Israels leben nur 0,1 Prozent der Bevölkerung

Die Region Ramat HaNegev ist Israels größter Regionalverband unter den insgesamt 54 im Land. Seine 420.000 Hektar Land machen 22 Prozent der Landesfläche Israels aus. Der Bezirk grenzt im Norden an die israelisch-ägyptische Grenze am Gazastreifen und im Süden an den Berg Karkom. Sde Boker liegt in der Mitte und an der östlichen Regionalgrenze ist die Stadt Jerucham mit eingeschlossen. Zur biblischen Zeit gehörte dieses Gebiet zum Südzipfel des Stammes Juda und damit zum Teil auch dem Stamm Simeon, der innerhalb seines großen Bruders sein Gebiet hatte. Heute leben dort 8000 Menschen in 15 Ortschaften und auf 24 Familienfarmen. Ein israelisches Mosaik an Kibbuzim, Moschawim, religiösen und säkularen Gemeinschaftssiedlungen und Militärbasen. Auf einem Viertel der israelischen Landesfläche leben nur 0,1 Prozent der Bevölkerung. Alle leben in der Harmonie der Vision von David Ben Gurion und begrünen und beleben die Wüste. Ramat HaNegev hat sich zu einer Supermacht neuer Energien entwickelt. Etwa 45% der Solarenergie wird in dieser Wüstengegend erzeugt. In drei Kraftwerken in der Nähe von Aschalim werden rund 420 Megawatt erzeugt, was etwa 3% der israelischen Stromversorgung entspricht.

Blick auf das Aschalim-Kraftwerk, ein Solarkraftwerk in der Negev-Wüste

Die sogenannte Nizanna Ebene ist eines der drei Gebiete innerhalb von Ramat HaNegev und konzentriert sich hauptsächlich auf Wüstenlandwirtschaft. Dort existieren fünf Ortschaften: Kadesch Barnea (45 Familien), Ezuz (15), Kemehin (35), Beer Milka (30) und Nizanna (20 Familien). Vordergründig liegen Schwerpunkt und Investitionen im Bereich der Forschung und Entwicklung der Wüstenlandwirtschaft. Etwa 80% der Sherry-Tomaten in Israel stammen von den Einwohnern der Region. Darüber hinaus gibt es Fachkenntnisse in anderen Kulturen wie Blaubeeren, Pilze, Olivenbäume, Weinberge, asiatisches Gemüse und mehr. Um Israelis aus dem Zentrum Israels den Süden schmackhaft zu machen, wird jungen Ehepaaren ein Grundstück (1000 qm) für den Hausbau um 25.000 bis 75.000 Euro angeboten. 80 Hektar Land für die Landwirtschaft bekommen die neuen Wüstenbürger umsonst. Aber das Geld haben die meisten Familien nicht und dafür sind sie auf fremde Investoren und Freunde angewiesen.

„Bevor man Menschen aus dem Landeszentrum für den Negev motiviert, sollte man zuerst in die israelischen Familien investieren, die bereits in der Wüste leben, einschließlich die Beduinen.“ Sobald das Leben bequemer wird, wird dies immer mehr Israelis aus dem Zentrum in den Süden ziehen. Eran erzählte uns, dass nach dem Ausbruch des Coronavirus die Anfragen nach Wohnen in der Wüste dramatisch in die Höhe geschossen sind. „Nachdem Israelis mehrere Wochen in ihren vier Wänden eingeschlossen waren, denken viele um. Bei uns war die Ausgangssperre leichter, aber leider reicht das Angebot für die steigende Nachfrage noch nicht aus. Dafür muss Israel sich zuerst vorbereiten“, erklärte Eran.

Die byzantinische Kirche in Nitzana

Laut Eran ist die Nizanna Ebene die herausforderndste in seiner Wüstenregion. Alle Familien und Farmer bearbeiten ihre Felder in der Wüste und gerade, weil es sich um Wüstenlandwirtschaft handelt, ist das Leben Fragilität. „Den Lebensunterhalt durch Landwirtschaft zu bestreiten, ist nicht leicht, aber dennoch haben wir es geschafft, dass 450 Nachalot in dieser Gegend errichtet wurden.“ Nachalot ist ein biblischer Begriff (5.Mose 26,1) und bedeutet bearbeitete Landgebiete. „Heute studieren um die 600 Studenten aus dem fernen Osten in Sde Boker die israelische Wüstenlandwirtschaft und arbeiten in den Siedlungen in der Nizanna Ebene. Wir haben die Absicht, ein akademisches Institut in der Nizanna Ebene zu errichten, um damit das israelische Wissen in der Wüstenlandwirtschaft in der Welt zu verbreiten.“

Nicht weit von der byzantinischen Kirche entfernt liegt unser Olivenhain

„In der Negev-Wüste wird Israels Kreativität und Kühnheit als Pioniere auf die Probe gestellt. Eine schicksalhafte Prüfung für das Volk“, unterstrich der Alte, so wie Ben Gurion im Land genannt wurde. „Dies ist zuerst eine Probe für Wüstenlandwirtschaft. Danach eine Probe für junge Menschen und zum Schluss die Probe für das Volk Israel.

Ezuz – eine kleine Siedlung in der westlichen Negev-Wüste

 

Über die hier erwähnte Rede Ben Gurions können Sie hier lesen!