Holocaust-Überlebende mit Retterin vereint

Am 3. November ereignete sich in Yad Vashem, der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust, ein außergewöhnliches und emotionales Wiedersehen.

Holocaust-Überlebende mit Retterin vereint
Jad Vashem

In Anwesenheit ihrer Nachkommen trafen die Holocaustüberlebenden Sarah Yanai (86) und Yossi Mor (77), beide geb. Mordechai, die Griechin Melpomeni Dina (92), geb. Gianopoulou, dank der sie den Holocaust und Zweiten Weltkrieg überlebt haben.

Die in der Nähe von Thessaloniki geborenen jüdischen Mordechai-Geschwister wurden zusammen mit ihrer Mutter und drei weiteren Geschwistern zuerst von einer Familie namens Axiopoulos versteckt. Efthimia, die ältere Schwester von Melpomeni, besuchte sie damals regelmäßig in dem Versteck und half mit der Versorgung.

Sie hatten sich kennengelernt, als Efthimia eine Nähausbildung machte. Mari Mordechai, die Mutter von Sarah, Yossi und ihren Geschwistern, gab Efthimia damals den Unterricht umsonst, da sie Mitleid mit den verwaisten Gianopoulou-Schwestern hatte.

Als das Versteck nicht mehr sicher war, beschlossen die Gianopoulou-Schwestern, Familie Mordechai bei sich mit aufzunehmen. Die drei Schwestern versteckten die Mordechais für ungefähr zwei Jahre und teilten ihre knappen Lebensmittel-Vorräte mit ihnen. Da das Essen kaum ausreichte, bauten die Gianopoulous auf einem kleinen Feld noch etwas an. Von dem Ertrag ernährten sie sich und die Mordechais.

Leider wurde der sechsjährige Shmuel Mordechai sehr krank und musste auf Gefahr, dass die Familie entdeckt wird, ins Krankenhaus gebracht werden. Er verstarb kurze Zeit später. Nachdem sie von seinem Tod erfahren hatten und das Versteck aufgedeckt wurde, halfen die Gianopoulous den Mordechais, noch einmal zu fliehen und schickten sie in verschiedene Richtungen.

Die Gianopoulou-Schwestern gaben ihnen Proviant und Kleidung mit und versorgten sie noch bis Kriegsende in ihren Verstecken im Wald und in den Bergen.

Nach Ende des Krieges kam die Mordechai-Familie wieder zusammen, von der dank den Gianopoulous der Großteil der Familie überlebt hatte, während die gesamte jüdische Gemeinschaft ihres Dorfes innerhalb kurzer Zeit fast vollständig vernichtet wurde.

Sie schafften es bis nach Israel, wo sie dann ihre eigenen Familien gründeten. All das war nur möglich, weil Melpomeni und ihre Schwestern so selbstlos gehandelt hatten.

„Das Risiko, das sie eingegangen sind, eine ganze Familie aufzunehmen, wissend, dass es sie und alle um sie herum in Gefahr brachte“, sagte Sarah Yanai bei dem Wiedersehen im Beisein von ungefähr 40 Mordechai-Nachkommen. „Sehen Sie sich das alles um uns herum an. Wir sind jetzt eine sehr große und glückliche Familie und das alles dank ihrer Rettung.”

Alle der Nachkommen traten bei dem Treffen, das durch die US-amerikanische Jewish Foundation of the Righteous (Jüdische Stiftung für die Gerechten) organisiert wurde, einzeln vor und umarmten Melpomeni als Zeichen des Dankes. Diese sagte nach dem emotionalen Aufeinandertreffen, während sie im Rollstuhl sitzend die Hände ihrer früheren Schützlinge, Sarah und Yossi, hielt, dass sie nun „ruhig sterben“ könne.

Die Nachkommen der Familie Mordechai bedanken sich bei der Retterin.

Melpomeni bekam am 12. April 1994 den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“, den sie sich mit ihrer Teilnahme an der Rettung und dem Schutz der Juden vor den Nazis verdiente, wobei sie selbst ein großes Risiko einging. Andere Familienmitglieder der Gianopoulous und Axiopoulos wurden bereits 1989 mit dem Titel geehrt.

„Obwohl wir im Laufe der Jahre viele Überlebende und ihre Retter getroffen haben, bin ich immer wieder erstaunt über die Tapferkeit von Tausenden nichtjüdischen Rettern, den Gerechten unter den Völkern, die ihr Leben und oft auch das Leben ihrer Familien riskiert haben, um Juden vor dem Tod während des Holocaust zu retten“, sagte Stanlee Stahl, Exekutiv-Vizepräsident der Jewish Foundation of the Righteous. „In diesem Jahr fand das Wiedersehen in Yad Vashem in Jerusalem statt, mit Überlebenden, ihren Kindern und Enkeln, die alle heute dank des Heldentums von Melpomeni und ihren Schwestern am Leben sind, was das Ereignis umso bedeutsamer macht. Wir sind ewig dankbar für die Gerechten unter den Völkern, die während des Zweiten Weltkriegs mutig gehandelt haben. Durch unsere Arbeit hoffen wir, ihre Geschichten von Mut und Mitgefühl weiterzugeben.“

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