Themen: Guten Morgen

Guten Morgen Israel – Die Suche nach einem Mohel

Was passiert, wenn die Brit Mila (Beschneidung) auf einen Schabbat fällt?

Tel Aviv Baum Habima Platz
Miriam Alster/FLASH90

Boker Tov liebe Leser!

Heute möchte ich Ihnen eine nette Geschichte erzählen, die sich bei uns in Na‘ale ereignet hat.  Sehr gute Freunde von mir, welche auch in Na‘ale wohnen, haben am 18. Januar, ihr sechstes Kind, einen gesunden Jungen bekommen. Laut Thora muss die Brit Mila (Beschneidung) am 8. Tag nach der Geburt vorgenommen werden (vorausgesetzt das Kind ist gesund). So steht in der Thora, 1.Mose 17, 12: „Jeden Knaben, wenn er acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen.“

Was jedoch, wenn die Brit Mila auf einen Schabbat fällt, und kein Mohel (Beschneider) in der Nähe wohnt, wie in diesem Beispiel? Ich kann mich noch gut erinnern wie es war, als ich mit meinen Jungs schwanger war und während den beiden Schwangerschaften fest darauf hoffte, dass sie nicht ausgerechnet an einem Shabbat auf die Welt kommen mögen. Da wir in der Schweiz wohnten, sah ich es als etwas kompliziert bis unmöglich an, einen Mohel zu finden, der an einem Schabbat dazu bereit gewesen wäre zu uns zu „fahren“. Auf jeden Fall kamen meine Jungs nicht an einem Schabbat zur Welt und konnten somit problemlos wie es in der Thora steht, am 8. Tag nach der Geburt nach jüdischer Tradition beschnitten werden. Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass es auch in Israel kompliziert sein könnte, einen Mohel für eine Brit Mila an einem Schabbat zu finden, wenn keiner in der Nähe wohnt. Der Grund wieso religiöse Juden am Schabbat nicht Auto fahren kommt übrigens von folgendem Gebot aus der Thora, 2.Mose 35,3: „Ihr sollt kein Feuer anzünden am Schabbattag.“ Sie sehen es als Entweihung des Schabbats an, würden sie in ein Auto steigen – wegen dem „Anzünden des Motors“. Selbst wenn es um eine Brit Mila geht, einem weiteren Gebot.

Meine Freunde riefen nach der Geburt den Mohel an, welcher ihre beiden älteren Söhne bereits beschnitten hat. Da er nicht bereit war, nach Na‘ale zu fahren, boten sie ihm an, zu ihm nach Modiin zu kommen. Er fragte, ob sie bereits am Freitag kommen und dort übernachten würden. Da sie verneinten, sagte der Mohel, dass er diesen Jungen nicht beschneiden kann, denn auch der Junge sollte am Schabbat nicht mit dem Auto fahren. Das wäre eine sehr unkoschere Beschneidung, meinte er. Danach riefen sie einen Chabad-Rabbiner an, welcher in Na‘ale wohnt. Er versicherte, ihnen zu helfen und einen Mohel zu finden. Dies ist ihm zwar gelungen, jedoch verlangte der Mohel alle möglichen Papiere, die beweisen, dass der Junge auch wirklich jüdisch ist. Da ihm das Geburtszertifikat der Mutter, welches beweist, dass sie jüdisch ist, nicht genügte, entschieden meine Freunde, weiterzusuchen. Also fragten Sie bei den Vorstehern der Synagoge von Na‘ale nach. Auch die zeigten sich sehr hilfsbereit und es dauerte nicht lange, bis ein Mohel aus einem Dorf in der Umgebung organisiert werden konnte. Damit er die Brit Mila am Schabbat durchführen konnte, musste er natürlich bereits am Freitag vor Schabbatbeginn in Na’ale eintreffen. Also hat jemand von der Synagogenvorsteherschaft aus Na‘ale ihn ganz spontan übers Wochenende eingeladen – zusammen mit seiner Frau und ihren 9 Kindern! Das muss man sich mal kurz vorstellen..

Mazal Tov

Und sein Name ist AVISHAI!

Letzten Schabbat wurde dann der Junge am 8. Tag nach der Geburt, in der Synagoge von Na‘ale nach jüdischer Tradition beschnitten. Der Vater des Jungen war zugleich Sandak, wie er es wünschte. Der Sandak ist derjenige, welcher während der Brit Mila den Jungen auf seinen Knien hält. Dem Jungen wurde nach der Brit Mila sein Name gegeben: AVISHAI. Familie und viele Freunde reisten an, um bei diesem wichtigen Ereignis dabei zu sein. Nach der Brit Mila saßen wir alle bei einem gemütlichen Festmahl zusammen. MAZAL TOV!

 

Und nun noch die wichtigste Nebensache der Welt, das Wetter für heute in Israel:

Teilweise bewölkt mit vereinzelten Regenschauern, vornehmlich im Norden des Landes. In der kommenden Nacht werden sich die Niederschläge dann auf das Zentrum ausbreiten, dabei kann es auch zu Gewittern kommen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 14 Grad, Tel Aviv 17 Grad, Haifa 14 Grad, Tiberias am See Genezareth 16 Grad, am Toten Meer 19 Grad, Beersheva 17 Grad, Eilat am Roten Meer 23 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um weitere zwei Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei –210.325 m unter dem Meeresspiegel.

Das heutige Titelbild zeigt den Platz vor dem Habima-Theater in Tel Aviv an einem sonnigen Wintertag.

Und jetzt wünsche ich Ihnen zusammen mit meinen Kollegen von Israel Heute einen wunderbaren Donnerstag.

Schalom aus Jerusalem!