Guten Morgen Israel – Alles ist anders in dieser Nacht

Dieses Pessach-Fest ist ganz anders. Auch der Satz „nächstes Jahr in Jerusalem“ ist heute wieder aktuell.

von Dov Eilon | | Themen: Guten Morgen
Die leeren Straßen von Tel Aviv Foto: Miriam Alster/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Heute Abend ist es so weit. Mein absolutes Lieblingsfest beginnt. Pessach. Warum ich ausgerechnet Pessach so gerne mag? Eine gute Frage. Es ist ja auch nicht so, dass ich die anderen Feste nicht gerne habe. Aber Pessach ist für mich etwas ganz besonderes. Zunächst hat das einen persönlichen Grund.

Es war das erste Fest, das ich in Israel gefeiert habe, vor 36 Jahren, als ich zum ersten Mal im Land war. Ich war zu Gast im Moshav Liman in Westgaliläa. Ach, wie sehr ich diese Gegend im Norden liebe. Der Sederabend wurde gemeinsam mit allen Bewohnern des Moshavs gefeiert. Und als wir uns dann „das nächste Jahr in Jerusalem“ wünschten, hatte ich noch keine Ahnung, dass ich nur 4 Jahre später tatsächlich in Jerusalem sein werde, als Bürger der Stadt. Vielleicht ist das der Grund, warum  Pessach für mich ein ganz besonderes Fest ist.

Dazu kommt die wunderbare Atmosphäre des Sederabends, das Zusammensein mit der ganzen Familie. Jedes Jahr wurde der Sederabend bei jemand anderem abgehalten. Als meine Schwiegereltern noch lebten, war natürlich klar, dass der Sederabend bei ihnen stattfand, später trafen wir uns dann im jährlichen Wechsel bei meinem Schwager oder bei uns. Ganz besonders war das Fest, als unsere Kinder noch klein waren. Während des ganzen Festessens warteten sie eigentlich nur darauf, den Afikoman zu finden, den einer von uns zuvor unbemerkt versteckt hatte. Einmal habe ich ihn sogar zwischen den Saiten des Klaviers meiner Frau versteckt.

Und dann ist da noch das Essen zu Pessach. Gefillte Fish, Suppe mit Matzeknödel, Matziot, die leckere Dattel-Nuss Creme, Charosset und so viel mehr…Ja ich mag diese ganzen „Koscher für Pessach“ – Sachen. Probieren Sie mal die besonderen Pessach-Kekse aus Kokus und Nüssen.

 

Ma Nishtana?

Der heutige Sederabend wird anders sein. Und die Frage „Ma Nishtana ba Laila haze….“, also „was ist anders in dieser Nacht im Vergleich zu den anderen Nächten“, bekommt heute eine ganz andere Bedeutung. Alles wird heute Abend anders sein. Statt den Sederabend mit der ganzen Familie an einem Tisch zu feiern, werden wir heute nur zu dritt sein, meine Tochter, meine Frau und ich. Unser großer Sohn begeht das Fest zusammen mit seiner Freundin und ihrem Hund „Apollo“ in Tel Aviv und unser jüngster Sohn feiert in der Basis zusammen mit seinen Kameraden, die er gerade kennenlernt. Er hat seinen Armeedienst vor knapp 5 Wochen begonnen.

Und trotzdem werden wir das Fest gemeinsam begehen, die Technik macht es möglich. „Zoom“ kennt mittlerweile jeder. Damit lernen Israels Schulkinder, seitdem die Schulen beschlossen wurden, und auch wir werden das Programm nutzen, um uns am Fest zu sehen. Auch meine Schwester, die in England lebt, wird zusammen mit ihren Kindern bei uns zu Gast sein. Viele unserer Leser werden heute Abend zusammen mit Anat und Aviel Schneider am Pessachtisch sitzen können. Sie sehen, diese Krise hat am Ende auch angenehme Nebeneffekte. Ich bin optimistisch und denke, das vieles auch nach der Corona-Zeit anders sein wird.   

 

Und jetzt das Wetter für heute in Israel:

Teilweise bewölkt mit vereinzelten Regenschauer und noch etwas kühler als gestern. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 16 Grad, Tel Aviv 19 Grad, Haifa 17 Grad, Tiberias am See Genezareth 22 Grad, am Toten Meer 24 Grad, Beersheva 22 Grad, Eilat am Roten Meer 27 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei –209.09 unter dem Meeresspiegel, es fehlen nur noch 29 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Nächstes Jahr in Jerusalem

Ab 15 Uhr Ortszeit müssen wir zu Hause sein. Schon seit gestern Abend darf man nicht mehr von einer Stadt zur anderen fahren. Bis 100 Meter darf man sich vom Haus entfernen. Und das ausgerechnet am Chag Ha Cherut, das Fest der Freiheit, wie Pessach auch genannt wird. Diese Maßnahmen werden unternommen, damit wir eben bald wieder frei sein werden und am nächsten Pessach dann auch wieder in Jerusalem sein können. Ja, der Satz aus der Haggada „nächstes Jahr in Jerusalem“ bekommt heute Abend eine ganz besondere Bedeutung.

Ich wünsche Ihnen, auch im Namen meiner Kollegen von Israel Heute, trotz der nicht einfachen Zeit, ein wunderbares Pessach-Fest. Bleiben Sie gesund. Nächstes Jahr dann in Jerusalem!

 

Chag Sameach, ein frohes Fest aus Modiin!

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