Fahnenmarsch verlief trotz Drohungen und Warnungen ohne größere Zwischenfälle

„Die Nation Israel ist nicht in ihr Land zurückgekehrt, um sich vor den Drohungen blutrünstiger Terroristen zu fürchten.“

von David Isaac | | Themen: Jerusalem Tag, Jerusalem
Anlässlich der Feiern zum Jerusalem-Tag schwenken Tausende von Juden israelische Flaggen in der Innenstadt von Jerusalem, 29. Mai 2022. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

(JNS) Die Feierlichkeiten zum Jerusalem-Tag in Israel, zu denen auch der Fahnenmarsch durch die Altstadt gehört, verliefen am Sonntag weitgehend störungsfrei.

Der Jerusalem Tag erinnert an die Wiedervereinigung der israelischen Hauptstadt nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967. Die Spannungen waren den ganzen Tag über hoch, da die Sicherheitslage als fragil“ beschrieben wurde, rund 3.000 Sicherheitsbeamte waren in der Stadt verteilt. Doch die Gewalt, vor der die Palästinensische Autonomiebehörde (PA), das Königreich Jordanien und die Hamas gewarnt hatten, blieb aus.

Siehe: Froher Jerusalem-Tag, die Schutzräume sind geöffnet!

Der traditionelle „Fahnenmarsch“, bei dem Zehntausende von Juden, fast ausschließlich junge religiöse Zionisten, auf zwei Strecken tanzen und marschieren, war das wichtigste Ereignis des Tages. Beide Strecken beginnen im Sacher-Park in Jerusalem und gehen dann auseinander, wobei die Männer durch das muslimische Viertel der Stadt zum Damaskus Tor ziehen, während sich die Frauen zum Jaffa-Tor begeben. Am Platz an der Klagemauer treffen sie dann wieder zusammen, um mit Musik und Tanz zu feiern.

„Die israelische Nation ist nicht in ihr Land zurückgekehrt, um sich vor Drohungen blutrünstiger Terroristen zu fürchten“, sagte Matan Peleg, Geschäftsführer von Im Tirtzu, einer zionistischen NRO und einer der Organisatoren des Marsches.

„Israels erster Premierminister und Staatsgründer David Ben Gurion weinte, als er das erste Mal an die Klagemauer kam. Jedes Jahr sind wir so aufgeregt, als wäre es das erste Mal gewesen. Dies ist ein Tag, der dem ganzen Volk Israel gehört, egal ob man säkular, religiös oder traditionell ist“, fügte er hinzu.

Junge jüdische Männer mit israelischen Flaggen tanzen am Damaskus Tor in der Jerusalemer Altstadt während der Feierlichkeiten zum Jerusalem-Tag, 29. Mai 2022. Bild: Olivier Fitoussi/Flash90

Letztes Jahr war der Marsch der Vorwand für den Raketenbeschuss auf Jerusalems der Hamas, der zu einem 11-tägigen Krieg zwischen Israel und den im Gazastreifen ansässigen Terrorgruppen führte. Als Tausende von Raketen auf israelische Bevölkerungszentren fielen, kam es zu Ausschreitungen unter den Arabern in Israel.

Auch wenn die Situation im vergangenen Jahr brisanter war, als Araber Autofahrer angriffen, es zu Ausschreitungen auf dem Tempelberg kam und Unruhen im Zusammenhang mit der geplanten Vertreibung arabischer Hausbesetzer aus dem Viertel Sheikh Jarrah (auch bekannt als Shimon HaTzadik) stattfanden, waren nur wenige der Meinung, dass es dieses Mal ruhig bleiben könnte, vor allem, nachdem es im vergangenen Monat während des muslimischen Feiertags Ramadan zu massiven arabischen Ausschreitungen auf dem Tempelberg gekommen war.

Uzi Rabi, Direktor des Moshe-Dayan-Zentrums für Nahoststudien an der Universität Tel Aviv, erklärte gegenüber JNS vor Beginn des Marsches, dass „überall Zündstoff vorhanden ist. Das wissen wir. Bis jetzt ist es ziemlich gut, was das Spannungsniveau angeht, auch wenn es einige kleine Unfälle oder Scharmützel gab.“

„Die Hamas will eigentlich nichts anzetteln, weil sie viel zu verlieren hat. Entscheidend wird die Straße selbst sein. Wenn die Gewalt außer Kontrolle gerät, wird sich die Hamas gezwungen sehen, sich mit Bomben und Raketen zu beteiligen“, sagte er.

Rabi vertraut den israelischen Sicherheitskräften, die Berichten zufolge die sozialen Medien überwachen, über 100 präventive Verhaftungen vorgenommen und die arabische Bevölkerung gewarnt haben, dass Israel auf Gewalt hart reagieren wird.

Dreitausend israelische Polizisten standen bereit, um schnell gegen jeden vorzugehen, der versuchte, den Fahnenmarsch zum Jerusalem-Tag gewaltsam zu stören. Bild: Olivier FItoussi/Flash90

Die schärfsten Drohungen gegen Israel kamen von der Hamas. Muhammad Sinwar, ein ranghohes Hamas-Mitglied und Bruder des Hamas-Führers Yahya Sinwar, sagte letzte Woche in einem Fernsehinterview: „Tel Aviv zu bombardieren ist für uns einfacher als Wasser zu trinken.“

Wie sich herausstellte, wurden die Aufrufe der Hamas zur Mobilisierung des „palästinensischen Volkes“ und zur Konfrontation mit der „Erstürmung der zionistischen Siedler“ weitgehend ignoriert, ebenso wie ähnliche Aufrufe aus dem Büro von PA-Chef Mahmud Abbas, den Fahnenmarsch „herauszufordern“ und „entgegenzutreten“.

Der Marsch verlief ohne schwerwiegende Zwischenfälle, abgesehen von einigen Verletzten durch Steinwürfe im Viertel Sheikh Jarrah am Abend und kleineren Zwischenfällen zu Beginn des Tages, bei denen es zu Steinwürfen auf dem Tempelberg und Zusammenstößen zwischen Arabern und Juden in der Al-Wad-Straße im muslimischen Viertel kam, wo der Fahnenmarsch hindurchführte.

Jerusalem ist das Herz und die Seele der Nation. Doch leider wird es heute nur noch von der kleinen Minderheit der nationalreligiösen Juden als solches gefeiert. Bild: Olivier Fitoussi/Flash90

Bis zum 18. Mai war nicht klar, ob der Fahnenmarsch entlang seiner traditionellen Route stattfinden würde, da die israelische Regierung sowohl von innen als auch von außen vor dem Marsch gewarnt wurde. Der US-Botschafter Thomas Nides hatte dem Minister für öffentliche Sicherheit, Omer Bar-Lev, gegenüber seine Bedenken bezüglich der geplanten Route geäußert, wie die hebräische Nachrichtenseite Walla berichtet.

Am Tag des Marsches zeigten sich einige Mitglieder der Koalition unzufrieden. Der Knessetabgeordnete Yair Golan von der linken Meretz-Partei sagte dem Knessetkanal am Sonntag, der Marsch sei eine „Provokation“ und eine „unnötige“ Demonstration von Nationalismus.

Rabi sagte gegenüber JNS: „Ich glaube nicht, dass es klug von Israel gewesen wäre, den Verlauf dieser ganzen Parade zu ändern. Allerdings sollte man sich mit den Sicherheitskräften beraten und abwarten, wie sie das Ganze bewerten, um sicher zu gehen, dass die Umstände und Bedingungen stimmen. Es ist gut, im Rechten zu sein, aber man sollte auch klug und weise handeln.“

Die israelische Regierung hatte letztendlich zu Recht dem Druck nicht nachgegeben. In einer offiziell als „feierliche Kabinettssitzung“ bezeichneten Sitzung am Sonntagmorgen sagte Ministerpräsident Naftali Bennett: „Das Hissen der israelischen Flagge in der Hauptstadt Israels ist selbstverständlich; deshalb haben wir uns von Anfang an klar zu diesem Thema geäußert.“

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