Erinnerungen an eine andere Zeit

Jetzt, wo wir unseren normalen Alltag fast komplett wieder zurückbekommen haben, wird mir klar, wie verrückt das Coronajahr doch war.

Erinnerungen an eine andere Zeit
Yonatan Sindel/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Ich begrüße Sie zu einem weiteren ganz normalen Tag in Israel. Das interessante dabei ist, dass gerade diese Normalität für uns eben noch nicht so normal ist. Wir sind noch immer dabei, uns an das normale Alltagsleben zu gewöhnen. So empfinde ich es jedenfalls. Erstaunlich, dass wir uns innerhalb eines Jahres an eine ganz neue Realität gewöhnt haben. Spätestens nach dem letzten Sommer hatten wir in unserer Familie  die neue Corona-Realität hingenommen, sie wurde zum neuen Alltag.

Regelmäßig kaufte ich neue Masken, die in der Wohnung ihren festen Platz haben, auch jetzt liegen sie noch da, in verschiedenen Farben. Einmal vergaß ich beim Aussteigen aus dem Auto die Maske. Nach kurzer Zeit fühlte ich mich irgendwie unwohl, nicht vollständig, ging aber dennoch weiter in Richtung Geldautomat. Erst als ich zurück zu meinem Auto ging, erschreckte ich mich regelrecht, als mir klar wurde, dass ich ohne Maske herumlaufe. Ich guckte schnell um mich herum, ob nicht irgendwo ein Polizist zu sehen ist, der nur darauf wartet, einen weiteren Strafzettel zu verteilen. Als ich mir dann die Maske schnell wieder aufsetzte, fühlte ich ein Gefühl der Erleichterung, unglaublich eigentlich.

Ein Bild aus der Vergangenheit: Während eines Lockdowns glich Jerusalem einer Geisterstadt.

Einmal machte ich zusammen mit meiner Frau und unserer Tochter einen Spaziergang durch unser Stadtviertel, das ist etwas, das wir seit Beginn der Lockdowns regelmäßig gemacht hatten. Als wir unser kleines Einkaufszentrum erreicht hatten, sahen wir, dass die Eisdiele trotz des Lockdowns Kunden bediente. Unsere Tochter wollte gerne ein Eis haben. Allerdings war es den Restaurants und Cafés nicht erlaubt, direkt mit den Kunden in Kontakt zu sein. Ich hätte also meine Bestellung per Telefon aufgeben und sie dann irgendwo anders in Empfang nehmen müssen. Ich erinnerte mich an einen Vorfall, bei dem eine Gruppe von Soldaten eine Geldstrafe von 500 Schekeln bekamen, weil sie es gewagt hatten, ihre zuvor bestellte Pizza selber abzuholen. Unglücklicherweise wurden sie von einem Polizisten dabei ertappt. Das klingt heute wirklich gruselig, stimmt’s? Und jetzt zurück zum Eis. Meine Frau ist in vielen Dingen mutiger als ich und ging zielbewusst in die Eisdiele, um das Eis für uns zu bestellen. Was soll ich sagen, ich fühlte mich so, als würde ich “Schmiere stehen”, guckte ständig in alle Richtungen, um meine Frau notfalls vor einem Polizisten zu warnen. Doch die Mission wurde erfolgreich ausgeführt und das Eis schmeckte danach doppelt so gut. Wir waren gut gelaunt, aber krass war diese Situation schon.

Eier waren damals Mangelware

Ich hätte noch weitere krumme Geschichten, von denen ich Ihnen einige vielleicht schon einmal erzählt habe, wie zum Beispiel der Trick, wie man in einem Geschäft mehr als den damals einen erlaubten Eierkarton ergattern konnte. Das machte man mit Teamarbeit. Jeder der Familie ging alleine ins Geschäft. Das Gefühl, mit drei Eierkartons nach Hause zu kommen, war damals enorm. Was für eine verrückte Welt.

Zum Glück haben wir diese Zeit hinter uns. Und da wir uns ja schnell an neue Situationen gewöhnen, werden wir uns sicher auch schnell wieder an das ganz normale Leben gewöhnen. Ich sehe draußen allerdings noch immer sehr viele Menschen mit der Maske, vielleicht brauchen sie einfach noch etwas Zeit, in das normale Leben zurückzukehren.

Es gibt allerdings einige Dinge, die uns das Coronajahr gebracht hatte, auf die ich ungern verzichte. Aber es wird mir nicht helfen, Verkehrsstaus gehören nun mal zum normalen Alltag. Und die sind bereits mit voller Kraft auf unsere Straßen zurückgekehrt. Auch das Benzin kostet wieder über 6 Schekel pro Liter, nach dem ersten Lockdown war der Preis paradiesisch niedrig. Was geblieben ist, ist die Tatsache, dass ich mir auch jetzt noch viele Dinge nach Hause bestelle, anstatt ins Geschäft zu gehen. Die Lieferungen nach Hause funktionieren heute viel besser als vor Corona. In den Supermarkt gehe ich allerdings lieber selbst. Dort muss man allerdings weiterhin eine Maske tragen. Aber das ist sicher auch nur eine Frage der Zeit, bis die Masken auch dort der Vergangenheit angehören werden. Sie sehen, ich bin optimistisch, haben wir eine andere Wahl?

Das neue Lebensgefühl ohne Maske, Jerusalem diese Woche

Und so hoffe ich auch, dass Sie uns bald wieder in unserer Redaktion in Jerusalem besuchen werden können. Doch dazu muss man auch bei Ihnen das Coronavirus in den Griff bekommen. Es braucht wohl einfach etwas mehr Zeit, aber ich bin sicher, dass wir bald wieder Touristen auf unseren Straßen hier in Israel sehen werden. Die ersten Gruppen sollen ja schon ab Ende Mai nach Israel kommen dürfen. ich bin gespannt.

Und mit diesem Optimismus schauen wir jetzt, wie das Wetter werden wird.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt mit einem weiteren deutlichen Rückgang der Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 22 Grad, Tel Aviv 22 Grad, Haifa 19 Grad, Tiberias am See Genezareth 29 Grad, am Toten Meer 31 Grad, Beersheva 27 Grad, Eilat am Roten Meer 32 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist wieder um einen halben Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei – 209,10  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 30 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Mittwoch. Bleiben Sie gesund und machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!

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