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Entschuldigung, aber in Israel macht die Bibel noch Sinn

Außenstehende verstehen es nicht, aber hier prägt die Schrift immer noch die öffentliche Meinung, die Regierungspolitik und gesellschaftliche Trends

Bibel
Foto: Nati Shohat/Flash90

Politik und Bibel faszinieren mich. Beide charakterisieren im Land das Leben. Biblische Ideen sind Teil der israelischen Gesellschaft und dominieren oft in Gesprächen wie auch in den Medien. Geschichten in der Bibel sind Grundlagen für das Verständnis historischer Ereignisse, moralischer Effekte und politischer Dynamik. In diesen Tagen sitzt zum ersten Mal in Israels Staatsgeschichte ein regierender Ministerpräsident auf der Anklagebank, Benjamin Netanjahu.

 

Wie sieht die Bibel Gerichtsverfahren?

  • Was können wir aus dem Gerichtsverfahren gegen den Winzer Nabot lernen, dessen Weinberg König Ahab begehrte?
  • Was lehrt uns die Austeilung des Mannabrotes in der Wüste über Sparmaßnahmen und wirtschaftliche Regulierung?
  • Enthüllt Simsons Intervention bei den Philistern eine Geschichte von böser Absicht in Vertragsrechten?
  • Oder wie beeinflusste das berühmte Urteil König Salomos das hebräische Rechtssystem in Israel?

Prozesse in der Bibel beleuchtet rechtliche Fragen und Wertedilemmata, die sich aus dem biblischen Text selbst ergeben und in zeitgenössischen Gerichtsverfahren reflektieren. Die Vergangenheit hilft uns, die Gegenwart zu verstehen. Dies erklärt, weshalb jährlich führende Rechtsanwälte, Richter, Psychologen und Abiturschüler in Jerusalem biblische Figuren in Prozesses beurteilen (siehe: Biblische Gestalten vor Gericht). Das hat einen gegenseitigen Effekt. Einmal wird dadurch die Bibel lebendig und zum anderen versteht man dadurch die geistliche und soziale Gegenwart, als Mensch und Volk.

Die Bibel ist Gottes Verfassung auf dieser Erde. Es hängt natürlich davon ab, ob wir daran glauben oder nicht.

    • Schon vor der Staatsgründung Israels unterstrich Israels erster Premierminister David Ben Gurion, dass „die Bibel Israels Mandat auf das Land ist“.
    • Israels jetziger Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte vor wenigen Monaten, warum „die Bibel das Fundament der Ewigkeit Israels ist. Was wir im Land leisten, gehört zur Erlösung Israels und alles was wir tun, basiert auf geistlicher und biblischer Vollmacht.“
    • Für Israels verstorbenen Ministerpräsidenten Ariel Scharon war Israel die offene Bibel, das schriftliche Zeugnis, die Identität und das Existenzrecht des jüdischen Volkes. „Unter diesem Himmel haben die Propheten Israels ihre Ansprüche auf Gerechtigkeit ausgedrückt“, sagte Scharon.
    • Auch der ermordete Ministerpräsident Itzchak Rabin bezog Israels Landansprüche auf die Bibel. „Wir sind zurückgekehrt und haben hier unsere nationale Heimat wieder aufgebaut.“
    • Ein Samstagabend, Schabbatausgang, im Jahr 1980. Bei Israels Regierungschef Menachem Begin klingelt das Telefon. Am anderen Ende ist US-Präsident Jimmy Carter. Begin bittet seinen Berater, Carter mitzuteilen, dass er jetzt keine Zeit hat, weil er seine wöchentliche Bibelstunde hält. Er werde später zurückrufen.
    • Golda Meir sagte, dass Israel aufgrund biblischer Erfüllung existiert, die von Gott selbst ausgegangen ist. In Israel ist die Bibel in Politik und Gesellschaft integriert und das ist für Fremde oft seltsam.
Premierminister Benjamin Netanjahu diskutiert mit Kabinettsministern und anderen Regierungsbeamten über die Bibel. Foto: Marc Israel Sellem/POOL

Die Mehrheit der israelischen Gesellschaft im Land versteht, dass die Bibel eine Rolle in Israels Existenz spielt. Die Bibel ist nichts Fremdes und kein Märchenbuch, so wie es in den westlichen Ländern in Europa oft gesehen wird. In Israel bestimmt die Bibel in der Politik mit. Aus biblischen Gründen lehnt Israel jeglichen Kompromiss auf den jüdischen Tempelplatz in Jerusalem ab und teilweise auch im biblischen Kernland Judäa und Samaria. Natürlich führt dies zu Spannungen im Land, wie zur biblischen Zeit. Das führt oft zur Frage, ob religiöse Juden damals ebenso mächtig in der Politik waren, wie heute. Oder darf sich ein Premierminister das leisten, was sich ein biblischer König leisten durfte?

In den Medien werden oft Parallelen zu biblischen Modellen und Ideen gezogen, aber noch spannender wird es in Diskussionen unter engen Freunden und Kollegen, die unterschiedlicher Meinung in der Politik sind. Wir treffen uns dafür alle zwei Wochen und debattieren über politische Affären in biblischer Denkweise. Meine linksradikalen Freunde kennen die Bibel nicht weniger gut als meine religiösen Freunde. Aber jeder interpretiert eine biblische Idee oft anders. Und warum eigentlich nicht? Damit werden wir zu neuen Ideen und Gedanken aus der Bibel inspiriert, die wir ohne die politischen Ereignisse vor unseren Augen wahrscheinlich nicht entdeckt und wie Tapete überlesen hätten. Die Realität im Land hilft uns, den biblischen Text zu realisieren, und das funktioniert auch umgekehrt. Und darüber schreiben wir bei Israel Heute. Denn damit wird die biblische Relevanz in Israels Gesellschaft sichtbar, so wie sie aus israelischer Sicht betrachtet wird.

Die Bibel ist mehr als nur eine Reliquie. Sie prägt bis heute die israelische Politik und Gesellschaft. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Natürlich stören sich Menschen daran, die mit der Bibel nichts anfangen können und sofort ausflippen, wenn die Bibel in einem politischen Thema Erwähnung findet. Für die Mehrheit im Ausland ist die Bibel sowieso nur ein Buch für Fundamentalisten, die auch gern als Extremisten verurteilt werden. Aber bei uns ist das nicht der Fall. In Israel respektiert die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung die Bibel, jeder auf seiner Art und Weise. Es stimmt, man muss vorsichtig sein, den biblischen Text nicht zu vergewaltigen und in jedes politische Event biblische Weissagungen hinein zu interpretieren. Die Idee ist, mit der Bibel die Gegenwart in unserem Leben und in der Politik zu verstehen. In der christlichen Welt ist das oft nicht der Fall. Was sie mehr als alles andere interessiert, ist die Zukunft. Für viele Christen in Europa, aber besonders für die Evangelikalen Christen in Amerika ist die Bibel oft nur ein Buch für die Zukunft.

Was diese Menschen interessiert, ist oft nur, wann der nächste Krieg in Israel ausbrechen könnte.

  • Wann ist Armageddon?
  • Wann ist die Entrückung?
  • Wann passiert die große Trübsal aus der Offenbarung?
  • Wann kommt der Messias?

Gegenwart und biblische Moral im Leben sind weniger relevant.

Viele scheinen sich nur dann für Israel zu interessieren, wenn es einen Krieg oder Kriegsgerüchte gibt. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

Über die Jahre hinweg ist mir klargeworden, wer sich nur auf die Zukunft konzentriert, verpasst die Gegenwart, das Leben. Wie viele Menschen habe ich kennengelernt, die mir Zeitrechnungen aufmalten, wann dies und das passieren würde. Ich erinnere mich, wie ich einmal alle Zukunftspläne auf meinem Schreibtisch zusammenlegte und diese verglich. Jeder spekulierte anders.

 Vor der Zukunft gibt es kein Entkommen, das ist mir klar. Die Bibel ist zuerst ein Wegweiser, um uns beizustehen, damit wir im privaten Leben, in der Gesellschaft und in der Politik zurechtzukommen. Deswegen fasziniert die Bibel so viele Menschen in Israel, egal wer man ist und wie man glaubt, das schließt auch mich und unser Team mit ein. Diese Leidenschaft wollen wir euch bei Israel Heute vermitteln.

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Patrick Callahan

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8 Kommentare zu “Entschuldigung, aber in Israel macht die Bibel noch Sinn”

  1. Serubabel Zadok sagt:

    Ich glaube nicht, dass man die Bibel so anders auslegen kann und fehlinterpretieren, dass man aufgrund dessen andauernd und regelmäßig ein Stück Land nach dem anderen an die Araber, Gottes Feinde und Lästerer, abgeben muss. Deshalb wurde ein Jitzchak Rabin auch erschossen, weil Gott es aus bestimmten Gründen zugelassen hat. Ariel Sharon ist ins Koma gefallen und Jahre später gestorben, wegen seiner linksgerichteten, Gott nicht wohlgefälligen Einstellung. Gott hat Abraham, Isaak und Jakob, sowie deren Nachkommen das Land Israel versprochen und sonst niemanden. Also keinen Arabern oder Palästinensern, die Gott fünfmal am Tag lästern und verleugnen.

  2. Serubabel Zadok sagt:

    Gott wird auch noch mit einem Barack und Olmert fertig und deren Anhänger. Wer die jüdischen Anwohner aus Judäa vertreibt, legt sich mit Gott an und wird von ihm verflucht werden. Gott lässt sich nicht spotten und seinen Plan mit seinem jüdischen Volk, nämlich alle wieder aus allen Ländern der Welt zu sammeln und nach Israel zurück zu bringen und im ganzen Land anzusiedeln, kann niemand verhindern, auch keine satanisch, besessene und gottlose, linksgerichteten Antizionisten und sogenannte „Scheinjuden“ oder „Fakeisraelis“. Die jüdischen Geburtsurkunden lassen sich heutzutage auch fälschen gegen gute Bezahlung.

  3. Serubabel Zadok sagt:

    Außerdem, wie sollen sich Juden vor tausenden von Jahren irgendwelche jüdische Urkunden ausgestellt haben, als es solche Unterlagen noch gar nicht gab. Ich mache an solche schriftlichen Nachweise und Urkunden sowieso ein großes Fragezeichen. Viele haben ihre Urkunden aus Angst vor den Nazis ja auch verbrennen müssen, um Nachweise zu beseitigen. Wie wollen solche Juden dann nachweisen, bei der Einwanderung nach Israel, dass sie Juden sind. Viele ehemalige Juden haben sich auch über die vielen tausende von Jahren mit den Völkern der Welt vermischt, um heiraten zu können oder um überleben zu können. Da gibt es viele Juden aus Russland, die gar nicht mehr all die typischen jüdischen Feiertage und Traditionen feiern und einhalten. Die können aber auch nach Israel einwandern, weil sie sich bei der Armee melden und Israel jeden Soldat gebrauchen kann.

  4. Serubabel Zadok sagt:

    Also Gott sieht das Herz an. Das ist, auf was es ankommt und nicht auf irgendwelche jüdischen Nachweise. Gott wird solche „Scheinjuden“ mit jüdischen Nachweisen nicht ewig in Israel leben lassen, die sein Land seinem Augapfel wegnehmen und es für irgendwelche außenpolitischen Vorteile an die Feinde Gottes verschenken. Da bringen dann auch irgendwelche jüdische Nachweise auch nichts mehr, wenn Gott den Untergang für solche Satanisten beschlossen hat. Gott wird sehr bald mit seiner Säuberungsaktion in Israel starten und alle Frevler und Abscheu gnadenlos vernichten. Zwei Drittel aller Israelis werden dabei und nur ein Drittel wird als Gott wohlgefällig überleben. Dabei wird Gott nicht nach irgendwelchen von Menschen ausgestellten, jüdischen Dokumenten fragen. Also bleibt abzuwarten, wie sich die Geschichte Israels weiterentwickelt.

  5. reinharko sagt:

    Danke für den Artikel, ehrlich, fundiert, stark, und mM trifft er genau ins Ziel;

  6. Andrew Manner sagt:

    Danke Aviel für diesen Artikel, du gehst demütig an die Materie heran und im Glauben, der einzig richtige Weg. An die mainstream Evangelikalen kann man das nur so weiterleiten und die Worte und Gleichnisse des Herrn Jesus von den törichten Jungfrauen und dem schlafenden Knecht.
    Wachet und Betet ist hier die Lösung und keine Zukunftsberecnungen!
    Und die Bibel-Ablehner in Europa sollten sich einmal fragen, auf welcher Grundlage unsere Rechtsordnung und Verfassung beruht und wie die Welt ohne Gottes Wort aussehen würde…

  7. Stephan Wolf sagt:

    Zitat: „Die Bibel ist Gottes Verfassung auf dieser Erde. Es hängt natürlich davon ab, ob wir daran glauben oder nicht.“

    Die Bibel erläutert Gottes Verfassung und Ordnung der Welt, aber es hängt nicht von unserem Glauben ab, das gilt auch für nicht-Gläubige, denn sie leben in derselben Welt. Die Tasachen verändern sich nicht durch unseren (Nicht-) Glauben. Nur sind sie sich dessen nicht bewusst, sie gehen nicht mit offenen Augen durch die Welt und können sich vieles nicht schlüssig und befriedigend erklären.

    Für alle gelten aber dieselben Regeln und Gesetze. Die Nicht-Gläubigen können es nur nicht erkennen, weil ihnen der Sinn dafür verschlossen ist, so wie auch ein Blinder nicht sehen oder ein Tauber nicht hören kann. Für ihn gibt es die durch den jeweiligen Sinn erkennbaren Dinge nicht, sie sind aber trotzdem weiterhin da und für alle mit geöffnetem Sinn erkennbar.

    • Stephan Wolf sagt:

      Nachtrag zu obigen Kommentar:
      Wenn jemand wünscht, dass ihm der Sinn geöffnet wird, muss er einfach darum bitten, dann wird er nach und nach gläubig. Er versteht dann viele Dinge, die ihm zuvor ein Rätsel waren und für die er aus den anderen Quellen keine zufriedenstellende Erklärung gefunden hat. Man findet Ruhe und Gewissheit.

      Wenn jemand bereits gläubig ist, aber noch zweifelt, muss er einfach darum bitten, dass er im Glauben gestärkt wird und eventuell für seine Zweifel um Vergebung bitten.

      Wer bittet, dem wird gegeben, wenn die Bitte aufrichtig ist.

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